Narrenaspirantenmahlzeit schmeckt superscheußlich

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Grauslich schmeckte das Narrenaufnahmemahl.
Grauslich schmeckte das Narrenaufnahmemahl. (Foto: SZ-: kurt efinger)
Kurt Efinger

Kniend eine ekelhafte Mahlzeit einzunehmen, ist nicht jedermanns Sache. Doch wer ein richtiger Narr werden will, kommt auch in Allmendingen nicht darum herum, ein dreigängiges Menü zweifelhafter Güte zu schlucken.

Ein Preis für vorbildliche Gastronomie dürfte Steffen Ziehrs Kochkunst wohl nie beschieden sein. Was er und sein Team am Abend des 11. November in der Küche des Narrenzunfthauses elf Anwärtern auf den Titel „Zigeiner“ oder „Kessler“ auftischten, ist mit der Bezeichnung Fraß noch äußerst wohlwollend in ein Wort gefasst. Schon allein die Farben erinnerten stellenweise eher an Verdauungsendprodukte. Der räse Geruch hielt Unbeteiligte auf gebührenden Abstand und von näherer Betrachtung ab. Erst als die trotzdem unverdrossen speisenden Aspiranten auch den Nachtisch des Namens „Schokobanane Blutwurstart mit Stinkerkäse in Konfetti“ und dazu einen verdauungsbeschleunigenden Bärlauchschnaps hinter sich gebracht hatten, waren sie der Narrentaufe würdig. Diese nahm Zunftmeister Markus Braig vor, indem er die Häupter der Gefolterten mit einer stinkenden Brühe aus einem mit halb verwesten Fischköpfen bestückten Kessel übergoss. „Pfui Teufel“, drängte sich als nachhaltiger Eindruck eines Ereignisses auf, im Vergleich zu dem das berühmte Riedlinger Froschkuttelnessen ein Festmahl sein muss.

Dabei war das ganze Brimborium im Terminkalender der Narrenzunft ganz harmlos wie immer als „Ofa Ruaßa“ angekündigt. Dieses hat allerdings an Bedeutung etwas verloren, nachdem den „Zigeinern“ ihr stattlicher Planwagen mit historischer Heizanlage vor einigen Jahren per Abnutzung abhanden gekommen war. Nichtsdestotrotz ließ sich der einer ansehnlichen Kaminfegerdynastie entstammende Ofenrußer Christian Leicht nicht von seiner schweren Pflicht abhalten, auch das unscheinbare Nachfolgemodell in Miniaturausgabe eingehend auf Verkehrssicherheit zu überprüfen. Für den bis jetzt noch nicht vorgekommenen Verhinderungsfall seiner- und andererseits hatte Leicht eine Glücksklausel bereit. Sie verspricht Bewahrung vor Unheil an der Fasnet, wenn der Zunftmeister 44-mal entsprechend der Bestandsjahre der Narrenzunft an einem Knopf der Schornsteinfegeruniform reibt. Diesen bekam Markus geschenkt, damit er reiben könne, so lange er wolle.

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