Mehlschwalben verschieben ihren Flug

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Die Mehlschwalben starten erstaunlich spät Richtung Afrika.
Die Mehlschwalben starten erstaunlich spät Richtung Afrika. (Foto: dpa)
Schwäbische Zeitung

Eine erstaunliche Beobachtung hat Michael Rieger, der Naturschutzbeauftragte des Alb-Donau-Kreises, am zurückliegenden Feiertag gemacht: „Überraschend konnte ich am Morgen einen größeren Schwarm Mehlschwalben über Allmendingen auf Futtersuche durch die Luft jagend beobachten“, berichtet er.

Erstaunlich sei das, weil eine alte ornithologische Regel laute: „An Mariä Geburt ziehen die Schwalben furt“. Die Übereinstimmung mit dem Marienfesttag habe die Schwalben zum Symboltier Mariens gemacht. Sie gilt deshalb auch als Marien- oder Muttergottesvogel. Mariä Geburt werde bekanntlich am 8. September gefeiert.

Nun stimme diese Regel seit einigen Jahren nicht mehr. „Die Mehlschwalben sammelten sich zwar auch dieses Jahr wieder um Mariä Geburt zum gemeinsamen Zug nach Afrika in ihren Winterlebensraum“, erklärt Rieger. „Doch nicht alle unsere Mehlschwalben hielten sich dieses Jahr und auch schon in den vergangenen Jahren an den wohl schon seit Jahrhunderten beobachteten Abflugtermin.“

Seit mehr als 30 Jahren beobachte er schon die Ankunfts- und den Abreisetermine der Mehlschwalben an seinem Haus in Allmendingen mit acht ständig besetzten Schwalbennestern. Die Ankunft der ersten Mehlschwalben habe sich in den vergangenen zehn Jahren von der vierten Aprilwoche in die zweite Aprilwoche verschoben. Der Abflug der Mehlschwalben an seinem Haus sei in diesem Jahr von Mariä Geburt auf den 20. September verschoben worden. „Das gibt zusammengefasst einen Monat längeren Aufenthalt bei uns.“ So habe es in den vergangenen Jahren einigen Schwalbenpaaren zu einer erfolgreichen zweiten Brut gereicht, „zumal sie im Frühjahr bei uns sofort in die schon vorhandenen Nester des Vorjahres einziehen konnten“. Der Nestbau für Schwalben sei im heutigen aufgeräumten Siedlungsbereich langwierig bis überhaupt nicht mehr möglich. Wo vorgefertigte Nester an den Häusern angebracht sind, würden diese meist schnell belegt.

Die Beobachtung des Schwarms am Mittwoch sei erfreulich wie auch bedenklich, denn es könnte durchaus ein Indiz für den vieldiskutierten Klimawandel sein, erklärt Rieger. „Es wäre interessant zu erfahren, wo und wann in den Wochen nach Mariä Geburt ebenfalls noch Mehlschwalben zu beobachten waren.“

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