Bei der Cäcilienfeier wird der Katholische Kirchenchor das letzte Mal singen.
Bei der Cäcilienfeier wird der Katholische Kirchenchor das letzte Mal singen. (Foto: SZ-Archiv: Sommer)

Der Katholische Kirchenchor Allmendingen löst sich auf. Der Grund ist, dass sich schon länger kein Nachwuchs mehr findet und die Mitglieder immer weniger und älter wurden. „Das war natürlich eine schwierige Entscheidung“, sagt die Vorsitzende Gabriele Berginski. Die Auflösung sei auch ein kultureller Verlust, „denn der Chor trägt ja den Gottesdienst in gewisser Weise mit“.

Der Kirchenchor sei Ende Juni zu einer außerordentlichen Vollversammlung zusammengekommen und habe sich nach einer ernsthaften Diskussion in einer geheimen Abstimmung mit großer Mehrheit für eine Auflösung entschieden. „Natürlich gab es auch Gegenstimmen“, sagt Berginski, „und das respektiere ich auch voll und ganz“. Die Entscheidung für das Ende des Chors sei eine Entscheidung aus der Vernunft heraus, wer dagegen stimmte, habe aus dem Herzen heraus entschieden. Alle seien traurig gewesen, dass man zu dieser Entscheidung gezwungen war.

Das Problem des Allmendinger Chors hätten alle traditionellen Kirchenchöre landauf, landab, sagt die Vorsitzende. Weil sich keine Nachwuchssänger finden, werde der Chor zunehmend kleiner. „Deshalb sind wir in verschiedenen Stimmen mittlerweile knapp besetzt“, erklärt sie, manche Stimmen müssten zu einer zusammengefasst werden. „Die Männerstimmen sind die, die als erstes knapp werden.“

Außerdem würden die Mitglieder älter „und dann hat man auch nicht mehr die kräftigsten Stimmen“, so Berginski. „Manche sind 85 Jahre alt, das ist eine stramme Leistung“, sagt sie anerkennend. Doch würde es älteren Mitgliedern auch schwerer fallen, lange zu stehen oder zu gehen, zum Beispiel bei der Fronleichnamsprozession im Frühjahr. Und dann lasse auch die Konzentration nach: „Mit 40 Jahren kann man ein Lied einfach leichter lernen als wenn man 80 ist.“ Derzeit habe der Allmendinger Kirchenchor 27 Mitglieder auf dem Papier. „Aber gerade im höheren Alter muss man damit rechnen, dass mal einer ausfällt, zum Beispiel wegen Krankheit“, erklärt Berginski.

Alle Bemühungen um Nachwuchs hätten leider nicht weitergeholfen. Immer wieder habe man Anzeigen geschaltet, auch habe man versucht, Kirchgänger anzusprechen. „Aber auch dort finden sich immer weniger junge Menschen, die man ansprechen könnte“, erklärt Berginski. Einige Jüngere hätten sich dagegen dem zweiten Kirchenchor in Allmendingen angeschlossen, dem Jubilate-Chor, der sich jüngerem Liedgut annehme.

Seit 93 Jahren gibt es bereits den Katholischen Kirchenchor. Früher seien Mitglieder noch direkt nach der Schulzeit übernommen worden. Die Probleme, die jetzt zum Aus führen, beschäftigen die Vorsitzende schon seit rund fünf Jahren sehr stark.

Die Entscheidung für die Auflösung sei nun gefallen, weil immer klarer geworden sei: „So kann es einfach nicht mehr weitergehen.“ Bis zum ersten Advent wird der Chor aber noch durchhalten: Die traditionelle Cäcilienfeier soll den Rahmen bilden für den Abschluss. Bis dahin wird sich der Kirchenchor auch wieder beim FiZ-Fest und an Allerheiligen einbringen.

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