Kächeles sind ein fürchterliches Muster schwäbischer Partnerschaft

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Hoch in die Luft ging Käthe Kächele beim Versuch, ihren nicht mehr ganz frischen Gatten neu zu erotisieren.
Hoch in die Luft ging Käthe Kächele beim Versuch, ihren nicht mehr ganz frischen Gatten neu zu erotisieren. (Foto: SZ-kurt efinger)
Kurt Efinger

Ein „strahlend Gebiß, bloß Hoor auf de Zeh“, hat Landesjustizminister Guido Wolf am 19. Februar 2017 beim Narrengericht in Dornstetten Käthe Kächele bescheinigt. In Grötzinger Kommunikationszentrum konnten sich am Samstag 110 Kabarettliebhaber von der Richtigkeit der Aussage überzeugen.

„Der Menschheit ganzer Jammer fasst mich an“, ist man geneigt, Goethes Faust zu zitieren angesichts einer Ehe, die 30 Jahre lang aus giftigem Gezänk besteht. Ist das der Idealzustand schwäbischer Partnerschaft? Gelegentlich im öffentlichen Raum aufgeschnappte Dialogfetzen legen dies durchaus nahe. Reden über andere und dem Gesprächspartner etwas am Zeug zu flicken, scheint gelebte Volkshölle zu sein. Mit deren Schrecken wohl vertraut halten Ute Landenberger und Michael Willkommen aus Dormettingen bei Balingen als Käthe und Karl-Eugen Kächele seit zwölf Jahren dem Publikum einen Schwabenspiegel der besonderen Art vor. Man erkennt sich und ist entsetzt.

Karl-Eugen hätte wohl nichts dagegen, ein Weizenbier gegen sein Weib einzutauschen, wenn er nur seine Ruhe dadurch fände. Mit stoischer Gelassenheit hat er bisher versucht, die permanente Verbalattacke seiner Gattin auszusitzen, und ist bereit, sogar die Tortur einer gemeinsamen Omnibusreise nach Südtirol mitzumachen. Ein modisches Dirndlkleid aus regionaler Produktion hält sie für die passende Verkleidung als Touristin. Drachen steigen lassen ist Nachbars Freizeitbeschäftigung. „Mir mached so was Ähnliches“, erklärt Karl-Eugen die Ausfahrt ins Gebirge. Sein Drachen steigt in Südtirol am Ende in ungeahnte Höhen.

In gemeinsamen und Soloauftritten verstehen es Ute Landenberger und Michael Willkommen im Lauf des Programms unter Einbeziehung vor allem der ersten Reihe des Publikums auf urkomische Weise das vorhandene Einverständnispotenzial auszuschöpfen. „Isch des bei dir au so“, lautet eine gängige Frage. Das Schwäbisch der Kächeles ist ländlich echt und nicht das, was man vielfach fälschlicherweise schon dafür hält, weil es nicht richtig Hochdeutsch ist. Mit Untertiteln würde man sie vermutlich sogar in der Schweiz und in Tirol verstehen. Vor allem im württembergischen Teil des Heimatlandes geht es auch ohne.

Erste zweideutige Anspielung der erotischen Art ist ihr Hinweis, der Herrgott habe den Männern einen etwas kurzen Knüppel zwischen die „Fiaß“ geworfen. Immer mehr kommt am Ende auch er in die von ihr aufgenommene Fahrt in aufgewärmte Vergangenheitsfantasien. „Lang me jo richtig a“, fordert sie beim Tanzversuch und geht nebenher mehrfach in die Luft.

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