In Grötzingen mostet der Bergemer Heimatverein

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Auf viel Mostobst in den kommenden Wochen freuen sich in der Grötzinger Mosterei Frank Geprägs (l.) und Daniel Schmuker.
Auf viel Mostobst in den kommenden Wochen freuen sich in der Grötzinger Mosterei Frank Geprägs (l.) und Daniel Schmuker. (Foto: SZ-Fotos (2): kurt efinger)
Kurt Efinger

Es ist gut, dass es seit kurzem den Bergemer Heimatverein gibt, hat dieser doch einige Geschäftsbereiche übernommen, die der Donau-Iller-Bank nicht mehr lohnend erscheinen. Seit 8. September wird jetzt auch wieder gemostet, und zwar durch ein junges Team, das sich der Tradition verpflichtet weiß.

Ginge es nach dem Geschäftsgebaren der bisherigen Inhaber, wäre eine der letzten funktionierenden Obstentsaftungsanlagen der hiesigen Gegend vermutlich bald ein Opfer der Schrottpresse. Dank des aktiven Engagements des vor zwei Jahren gegründeten Bergemer Heimatvereins Grötzingen wird dies nicht der Fall sein. Zur Heimat gehört nicht nur der Erhalt alten Brauchtums, sondern auch einer Technik, die noch keineswegs veraltet ist und daher nicht zum alten Eisen geworfen, sondern in Schuss gehalten gehört. Das tut der Heimatverein jetzt mit der weitum bekannten Grötzinger Mosterei. Sie mostet weiter, solange Obst angeliefert wird. Am Samstag bei der Eröffnung war das Geschäft mit zwei Kunden zwar noch nicht so rentabel, aber an den kommenden Wochenenden soll es richtig los gehen mit den riesigen Mengen an Äpfeln und Birnen, unter deren Last schon etliche Äste von den Bäumen gebrochen sind.

%0 Kilo Obst sind nicht viel

Fünf Euro für das Mosten von 50 Kilogramm Obst sind nicht viel. Welchem verantwortlichen Geschäftsmann könnte man die Aufgabe einer so unrentablen Sparte verübeln? Durch starke Anlieferung hofft der Bergemer Heimatverein in den kommenden Wochen aber doch, ein bisschen auf seine Kosten zu kommen. Gemostet wird samstags von 8 bis 16 Uhr und zwar bis Ende Oktober.

Eine Ausnahme bildet das jetzt kommende Wochenende. Da setzt das aus Frank Geprägs, Daniel Schmuker, Florian Schmuker und Fabian Schrade bestehende junge Team das Mahlwerk und die Presse schon am Freitag in Gang, und zwar ab 15 Uhr nachmittags. Terminierung erfolgt durch Anruf der Telefonnummer 0177/373 50 04. „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“, sagt ein geflügeltes Wort. Wer später anruft, wird aber bestimmt genau so freundlich auf einen passenden Termin verwiesen. Das sind Frank, Daniel, Florian und Fabian schon ihrem Ruf als gewissermaßen professionelle Moster verantwortlich und ihrem Heimatverein, der unter dem Vorsitz von Klaus Geprägs alles tut, nicht nur die Erinnerung an das Leben von früher aufrechtzuerhalten, sondern einen Teil davon auch in die Zukunft mit hineinzunehmen.

Gutes für sich selber tun

Wer in Grötzingen mosten lässt, tut nicht nur dem Bergemer Heimatverein etwas Gutes, sondern vor allem sich selbst und seiner Familie. Es muss ja nicht alles zu Sauermost vergoren werden. Der gepresste Obstsaft kann perfekt als Süßmost konserviert und das ganze Jahr über und noch länger zu verschiedenen Anlässen konsumiert werden. Alles, was man zur Saftherstellung und Aufbewahrung braucht, kann beim Heimatverein günstig erworben werden. Dazu gehört als Mostfasszubehör Vaselineöl, Auslaufhähne, Dichtringe und Ersatzschläuche. An Kellereibedarf sind Zitronensäure und Kaltgärhefe ebenso im Angebot wie Saftbeutel und Kartons.

Seine beiden Museen „Gfriere“ und „Lager“ hält der Verein jeden ersten Sonntag im Monat von 14 Uhr bis 17 Uhr offen.

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