Gemeinde will Vorbild sein und sperrt wegen Klima und für Radfahrer eine Straße

Radfahrer haben freie Fahrt. Doch für Autos wird die Sperrung der Katzensteige ausgeweitet.
Radfahrer haben freie Fahrt. Doch für Autos wird die Sperrung der Katzensteige ausgeweitet. (Foto: Archiv/Ehrenfeld)
Redakteur

Es war ein Vorschlag des Bürgermeisters, bei dem klar war: Es wird zur Diskussion unter den Ratsmitgliedern kommen. Doch am Ende steht fest: Die Gemeinde Allmendingen wird die Katzensteige von April bis September an Sonn- und Feiertagen für den motorisierten Verkehr sperren. Ausnahmen gibt es nur für landwirtschaftlichen Verkehr und Mofas. Die Entscheidung soll vor allem den Radverkehr stärken.

In jedem zweiten Brief an ihn, der Kritik enthält, gehe es um das Thema CO2, erklärte Allmendingens Bürgermeister Florian Teichmann in der Gemeinderatssitzung am Mittwoch. „Man muss überlegen: Wie kann man die Attraktivität des Radverkehrs stärken?“ Denn der Radverkehr nehme von Jahr zu Jahr zu, erfreue sich immer größerer Beliebtheit.

Doch weil auf dem Gemeindeverbindungsweg Katzensteige neben vielen Radfahrern auch motorisierter Verkehr unterwegs ist, komme es hier immer wieder zu gefährlichen Situationen. Bereits jetzt wird die Katzensteige im August an den Sonntagen gesperrt sowie am 1. Mai und am Vatertagswochenende. Der Wunsch nach einer weitergehenden Sperrung des Wegs für den motorisierten Verkehr werde immer größer, so der Bürgermeister.

Überwachung durch Kamera

Eigentlich wollte er vorschlagen, den Weg von Freitagvormittag bis Montagmorgen zu sperren, da dies kostengünstig über den Bauhof hätte bewerkstelligt werden können. Doch nun sei klar: Es gibt auch andere Möglichkeiten, etwa die Überwachung mit einer Kamera, wie dies in Italien üblich sei. Deshalb sei man bei den Sperrzeiten nun flexibler, so Teichmann. Und dennoch sei ihm klar, „dass es ein emotionales Thema ist“, so der Bürgermeister. Denn die Straße werden von Autofahrern der Lutherischen Bergen rege genutzt. Dass durch die Maßnahme auch CO2 eingespart wird, sei überprüft worden: Für die Autofahrer würde bei einer Sperrung lediglich ein Umweg von 900 Metern entstehen.

„Ich frage mich: Fährt da ein Radfahrer mehr, wenn wir es machen? Und auf der anderen Seite fahren die Autofahrer 900 Meter mehr“, gab Wolfgang Fuchs (CDU) zu bedenken. Außerdem sehe er eher im landwirtschaftlichen Verkehr eine Gefahr für die Radfahrer. Insgesamt sei die Straße aber relativ breit. Fuchs sprach sich deshalb gegen die Sperrung aus. Genauso Anette Fuchs (CDU), die sich Sorgen um die Gewerbetreibenden in Allmendingen machte, sollte der Weg schon ab Freitag gesperrt werden, weil die Menschen dann möglicherweise woanders einkaufen würden. Robert Schmidt (CDU) erklärte, dass das Sicherheitsproblem doch nicht der Verbindungsweg sei, sondern erst ab dem Allmendinger Ortsschild da sei, „wo Autos kreuz und quer stehen“.

Klar für Maßnahme sprach sich dagegen Dieter Hammer (CDU) aus. Der Radverkehr sei auf diesem Weg tatsächlich sehr stark, es sei die Hauptroute in Richtung Schelklingen/Blaubeuren, und der Radverkehr werde immer mehr. Es seien viele Familien unterwegs und die bräuchten Sicherheit. Der landwirtschaftliche Verkehr sei kein großes Problem, da er weniger geworden sei.

Radverkehr wird immer wichtiger

Leonhard Sontheimer (FW) wie auch Christian Preisler (FW) sprachen sich für eine Schließung an Sonn- und Feiertagen aus. Denn für Familien komme es auf der geraden Strecke immer wieder zu kritischen Situationen, erklärte Preisler. Anette Fuchs hingegen betonte, dass in der Vergangenheit doch „bis auf einmal nichts passiert ist“. Sie sei außerdem dafür, dass das Landratsamt den Weg erst einmal ins Radwegenetz aufnehmen soll, bevor die Gemeinde aktiv wird. „Es muss nicht erst etwas passieren“, entgegnete Sontheimer.

Es ist eine ganz andere Qualität, an Sonntagen Rad zu fahren, wenn man weiß, dass keine Pkw kommen.

Leonhard Sontheimer (FW)

Zudem sei es „eine ganz andere Qualität, an Sonntagen Rad zu fahren, wenn man weiß, dass keine Pkw kommen“. Den Weg nur an Sonn- und Feiertagen zu sperren, sei doch ein Kompromiss, dem man zustimmen könne. Doch Wolfgang Fuchs blieb auch deshalb dagegen, weil er die Sorge äußerte, dass die Sperrzeit nach und nach immer weiter ausgedehnt werden könnte, „dagegen wehre ich mich“. Bürgermeister Teichmann wollte das gar nicht abstreiten, denn es sei gut möglich, „dass das Thema in zehn Jahren nochmal diskutiert wird“. Besonders in großen Städten sei es einfach die Entwicklung, dass der Stellenwert des Radverkehrs immer größer wird. „Das wird zunehmen und wird nicht an uns vorbeigehen“, betonte er. Dieser Entwicklung sollte man nun ein Stück weit Rechnung tragen, schlug er vor.

Am Ende stimmten nur Anette und Wolfgang Fuchs wie auch Robert Schmidt dagegen. So wurde vom Gemeinderat der Vorschlag angenommen, die Katzensteige in den Sommermonaten an Sonn- und Feiertagen für Autos zu sperren, Mofas sollen auf Wunsch der Räte vom Verbot verschont bleiben. Sobald die verkehrsrechtlichen Fragen in Absprache mit der Polizei geklärt sind, soll die Sperrung in Kraft treten. Für die Überwachung durch eine Kamera müssen noch datenschutzrechtliche Fragen geklärt werden. Sollte es Probleme bei der Umsetzung dieser Lösung geben, müsste jemand von Hand den Weg mit der vorhandenen Schranke absperren.

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