Frauenbund feiert seinen 100. Geburtstag

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Veronika Balzer (rechts) ehrte langjährige Mitglieder und Schafferinnen mit einer Rose.
Veronika Balzer (rechts) ehrte langjährige Mitglieder und Schafferinnen mit einer Rose. (Foto: SZ- Elisabeth Sommer)
Elisabeth Sommer
Freie Mitarbeiterin

Die Feier zum 100-jährigen Bestehen des Katholischen Frauenbundes in Allmendingen und das Erntedankfest fielen gestern in der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt zusammen. Pfarrer Martin Jochen Wittschorek nutzte dies für einen umfangreichen Festgottesdienst, bei dem sich außerdem die Diözesanvorsitzende des Katholischen Deutschen Frauenbundes, Karin Walter, mit einer Festrede in den Ablauf des Gottesdienstes einreihte. Die Diözesanvorsitzende Walter erinnerte an die Aufgaben und Ziele des Frauenbundes in seiner Gründerzeit und heutzutage. Im Pfarrer-Sailer-Haus fand anschließend ein Stehempfang statt.

Karin Walter erinnerte, dass Frauen früher und heute nur im Zusammenschluss große Ziele erreichen können. Ging es nach dem Ersten Weltkrieg um Bildung, Verbesserung der Lebensverhältnisse und Gleichberechtigung auf Basis christlicher Werte, so will der Katholische Deutsche Frauenbund heute mit 180 000 Mitgliedsfrauen sein Gewicht in die Waagschale werfen, wenn es gegen Altersarmut, Menschenhandel und Zwangsprostitution geht. Ein Ziel des Frauenbundes sei auch das Erreichen der Diakoninnenweihe in der katholischen Kirche, sagte Karin Walter im Festgottesdienst. Sie überreichte an die Vereinsvorsitzende Veronika Balzer vier Bildungsgutscheine und das Buch mit dem Titel „Frauen, die Mut machen“. Die Allmendinger Frauen hätten vor 100 Jahren über den Tellerrand geschaut und eben nicht nur einen Allmendinger Club gegründet, sondern sich einem großen Netzwerk angeschlossen. Im Deutschen Bundestag säßen übrigens 13 Frauenbundsfrauen, die sich für die Ziele einsetzen. Organist Jürgen Wetzel und der Kirchenchor umrahmten den Festgottesdienst musikalisch.

Von der Gemeinde Allmendingen erhielt Veronika Balzer aus den Händen von Bürgermeister Florian Teichmann ein Präsent überreicht. Im Pfarrer-Sailer-Haus überreichte die Vereinsvorsitzende dann selbst weiße Rosen als Dankeschön an die langjährigen Mitglieder, die seit den 1970er-Jahren dabei sind und aktiv anpacken, außerdem ehrte sie in dieser Weise auch die weiteren Schafferinnen. Eine 90-Jährige konnte zum Beispiel zum Stehempfang nicht dabei sein, ihr wird die Rose ebenfalls nachgereicht. Das Mitglied wirkt bei Kocharbeiten immer noch versiert mit, betonte die Vereinsvorsitzende. Mehr als 80 Teilnehmer besuchten den Stehempfang, so auch der Bürgermeister und der Pfarrer. Wittschorek hatte seine Predigt genutzt, um die Gleichberechtigung und den Ausgleich in der Ehe zu betonen. Ständige Augenhöhe zu erreichen, klappe sicher nicht, aber die Ehe müsste zumindest wie eine Wippe funktionieren.

„Wenn immer nur einer oben ist, ist das Spiel vorbei“, sagte der Pfarrer. Dieses Thema gefiel dem Vernehmen nach vielen Gottesdienstbesucherinnen. Wann die katholische Kirche selbst aber aufgehört hat, zu predigen, die Frau sei dem Manne untertan, wie es manche Frauenbundsfrauen aus eigenen Erleben noch kennen, daran konnte sich spontan niemand mehr so genau erinnern. Der Pfarrer meinte auf Nachfrage unserer Zeitung, es müsse etwa um 1970 gewesen sein. Im Gottesdienst hatte er auf Eheberatungsstellen in Ehingen und Ulm hingewiesen und dass er selbst eine Fortbildung in diesem Bereich gemacht hat und für Gespräche zur Verfügung stehen könne. Er mahnte, nicht erst etwas zu unternehmen, wenn es eigentlich schon zu spät ist. Im Schriftenstand ist zu diesem Gottesdienst in einem Kuvert eine Buchempfehlung („Wie Partnerschaft gelingt – Spielregeln der Liebe“) zu finden, teilte der Pfarrer den Kirchenbesuchern mit.

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