Andrang in der gläsernen Produktion

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Florian Mall, Landrat Heiner Scheffold und der Direktor der Valckenburgschule Jan-Stefan Hettler (v.l.) informierten über region
Florian Mall, Landrat Heiner Scheffold und der Direktor der Valckenburgschule Jan-Stefan Hettler (v.l.) informierten über regionale Lebensmittel und die Landwirtschaft sowie Angebote dazu vor Ort. (Foto: SZ- Hog)
Friedrich Hog

Viele Besucher nutzten das Kaiserwetter am Sonntag zu einem Besuch auf dem Erdbeer- und Spargelhof Mall in Schwörzkirch. Das Landratsamt Alb-Donau-Kreis stellte den Betrieb als Vorzeigebetrieb der Öffentlichkeit vor, um den Verbrauchern Einblicke in die Produktion und in regionale Lebensmittel zu geben.

Wer vom großzügig ausgelegten Wiesenparkplatz zum Gelände lief, kam zunächst an einigen landwirtschaftlichen Maschinen vorbei. Diese waren Blickfang, standen aber nicht so sehr im Mittelpunkt des Geschehens. Kernpunkt war der „Vorzeigebetrieb für regionale Produkte Mall“, so Landrat Heiner Scheffold, der den Betrieb in Schwörzkirch sinnbildlich sieht für andere regionale Produzenten. „Artenvielfalt, Klima und Artenschutz hängt ab von nachhaltiger Produktionstechnik. Dies geht einher mit kurzen Wegen“, so der Landrat, der die „Erdbeere aus Chile“ wegen des langen Transports ablehnt.

„Am heutigen Tag gewähren wir dem Verbraucher Einblicke in diesen Betrieb und damit in die Kraft regionaler Produkte. Auch wenn diese etwas teuerer sind, sind sie für ein gutes regionales Lebensmittel immer noch günstig. Mit dem Kauf regionaler Produkte tut man etwas für die Gesundheit, für die hiesige Landwirtschaft und für die Umwelt“, so der Landrat weiter.

Wie nachhaltige Produktion funktioniert, zeigte Familie Mall am Tag des offenen Hofes im Rahmen der Landesinitiative „Gläserne Produktion“ anhand ihrer Felder und Gewächshäuser. Beim Hofladen, der unter anderem Erdbeeren, geschälten und ungeschälten Spargel, Honig, Nudeln, Alb-Leisa, Eier oder Mall’s Erdbeergsälz im Angebot hat, steht ein Regiomat, damit auch außerhalb der Geschäftszeiten der Bedarf gedeckt ist. Eine landwirtschaftliche Halle war umgewidmet worden, um den Gaumenfreuden zu ihrem Recht zu verhelfen. Oft bildeten sich lange Schlangen für die von der Rose in Berg zubereiteten Mittagessen, Spargel kalt und warm, sowie Erdbeeren, die n immer einbezogen waren. Auch gab es Kaffee und Kuchen.

Der Familienbetrieb Mall beschäftigt in der Erntezeit saisonale Arbeitskräfte, vornehmlich aus Polen und Rumänien, die mindestens den deutschen Mindestlohn von 9,19 Euro erhalten. „Der Arbeitslohn ist bei unseren regionalen Produkten ein Preisfaktor“, sagt Landrat Scheffold. „Der Mindestlohn ist noch zu niedrig, da man damit kaum eine Familie adäquat ernähren kann. Im Wege der Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und Landratsamt wollen wir an einem Tag wie heute all diese Zusammenhänge dem Verbraucher verständlich machen“, ergänzte Scheffold am Stand der Ulmer Valckenburgschule. Deren Rektor Jan-Stefan Hettler präsentierte die Schule als einzige Berufsschule in der Region, die landwirtschaftliche Bildung anbietet. Der Landkreis ist Träger der Schule mit 1600 Schülern, von denen 80 den Bereich Landwirtschaft besuchen. „Im Regierungsbezirk Tübingen haben wir damit die meisten landwirtschaftlich orientierten Schüler“, so der Rektor. „Wir bieten die schulischen Grundlagen für Vollzeit- und Teilzeitlandwirte“, so der Rektor weiter, der auf vier Ausbildungshöfe zurückgreifen kann, an denen die Schüler ihre praktische Ausbildung erhalten.

Am Infostand nebenan klärte das Landratsamt des Alb-Donau-Kreises etwa über Mindesthaltbarkeitsdaten bei Lebensmitteln auf. Landrat Scheffold machte deutlich, dass man nicht nach Datum, sondern nach Aussehen und Geschmack entscheiden muss, ob das Lebensmittel zum Verzehr geeignet ist, und dass der Verbraucher für den Qualitätserhalt von Lebensmitteln selbst verantwortlich ist. „Oft gibt es in meinem Kühlschrank abgelaufenen Joghurt. Selbstverständlich esse ich diesen noch“, so Scheffold, der beim Tag der Verbraucheraufklärung auch dem sinnlosen Wegwerfen genießbarer Lebensmittel entgegenwirken wollte.

Spargelwaschanlage ist Blickfang

Weitere Stände boten Besen, Körbe und eine Vielzahl regionaler Produkte, die die Besucher oft für Stunden zum Verweilen einluden. Bauer Gölz hatte Lebensmittel vom Hof dabei wie Rauchfleisch und Wurstwaren. Auch der Kreisbauernverband Ulm-Ehingen hatte einen Stand. Und Dieter Moosherr aus Altheim bei Riedlingen bot kaltgepresstes Rapsöl an, eine Sorte für Salate, eine Sorte ohne Omega-3-Fettsäuren für die heiße Küche. Ganz spannend waren die Einblicke in die Spargelwaschanlage neben dem Hofladen.

Eine Besucherin sagte, eigentlich sei es schlimm, dass man die Leute über Dinge aufklären muss, die selbstverständlich sein sollten. Auch fände sie es nach dem Besuch des Erdbeer- und Spargelhofs traurig, dass viele Menschen sich aus finanziellen Gründen nur die günstigsten Produkte leisten könnten.

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