Allmendinger JU unternimmt neuen Anlauf

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Landtagsabgeordneter Manuel Hagel und Ronja Kemmer kamen nach Allmendingen.
Landtagsabgeordneter Manuel Hagel und Ronja Kemmer kamen nach Allmendingen. (Foto: sz- Somm)
Schwäbische Zeitung

Eine Belebung und Erweiterung hat die „Bergemer JU/Allmendingen“ am gestrigen Sonntagvormittag offiziell gestartet. Mit neuen Personen im Vorstand wird der Neustart gewagt, und das auch unter neuem Namen. Die Junge Union nennt sich jetzt „JU Allmendingen“, womit sich alle Mitglieder aus der Region zwischen Lutherischen Bergen und Hausen ob Allmendingen angesprochen fühlen sollen. Vor einigen Jahren war die Bergemer JU ebenso mit viel Elan gegründet worden, allerdings führten berufliche Verpflichtungen und Umzüge zum Schrumpfen der Gruppe auf zwei aktive Vorstandsmitglieder. Aus diesem Rumpfvorstand von Patrick Mang und Sarah Roggenkamp ging jetzt die Initiative hervor, den Einzugsbereich zu vergrößern.

Ein Stachel im Fleisch der Mutterpartei CDU wolle die Junge Union Allmendingen sein, kündigte Patrick Mang an. 2017 besuchte Mang mit dem Kreisverband den Stuttgarter Landtag. Für die Zukunft schwebt ihm ein Besuch in der EU-Zentrale in Brüssel vor. Politisches Einmischen und Kameradschaft sollen gleichfalls gepflegt werden, neudeutsch „Party und Politics“. Geschehen sei die politische Arbeit in der Vergangenheit zum Beispiel mit der Bitte um einem Shuttlebus zur Heimfahrt vom Nachtumzug, erinnerte der Vorsitzende in Anwesenheit von Bürgermeisterkandidat Florian Teichmann. Am Sonntag, 18. februar, wird in Allmendingen gewählt. Drei Kandidaten stehen zur Wahl. Die nötige Unterstützung sicherte CDU-Ortsvereinschef Walter Haimerl der Jugendorganisation zu, die am Versammlungstag seine 16-jährige Tochter aufnahm. Haimerl war selbst jung in die Kommunalpolitik eingestiegen. Die Altgedienten wollten ihn nur als Listenauffüllkandidaten, doch dann wurde er prompt gewählt. Zu den Kommunalwahlen 2019 werden wieder Kandidaten gesucht, blickte Haimerl voraus.

40 Personen nahmen an der Belebung der JU Allmendingen mit dem JU-Kreisvorsitzenden Martin Neumann teil, zehn stimmberechtigte Mitglieder waren darunter. Ansonsten gehörten Eltern, CDU-Mitglieder und die Abgeordneten Ronja Kemmer (MdB) und Manuel Hagel (MdL) zu den Versammlungsteilnehmern, wobei Letztere aufgrund ihres Alters als Erneuerung der Partei gelten. Es sei eine spannende Zeit, sagte der Landtagsabgeordnete, verbunden mit der Frage, wie die CDU mit ihren liberal-christlich-sozial-konservativen Überzeugungen eine Volkspartei bleiben könne. Wohlstand, aber gleichfalls Zukunftsangst prägen die Gesellschaft. Flüchtlinge seien ein Thema, aber nicht das einzige. Hagel möchte Haupt- und Realschulen stärken und das Handwerk und die duale Ausbildung. Eine richtige Entscheidung sei daher die Kostenübernahme in Lehrlingswohnheimen.

Hagel sprach über Konservatismus, Toleranz und mögliche Islamisierung, die seiner Feststellung nach Frauen besonders Angst mache. Toleranz, so Hagel, sei nicht, das Eigene aufzugeben, wie zum Beispiel den christlichen Morgenimpuls im Kindergarten, weil drei Kinder anderen Glaubens dazukommen. Er habe weniger Angst vor einer Islamisierung als vor einer Entchristianisierung. „Dafür braucht’s Konservative“, füge er hinzu. Er wünscht der JU Allmendingen Freude beim Finden von Lösungen für vorhandene Probleme. Als regierungswillig auf Bundesebene sieht er nur seine Partei und die Grünen an und erinnerte an das Scheitern der Weimarer Republik. Es sei merkwürdig, wenn Mitglieder für einen Parteieintritt werben, um etwas abzulehnen, wie bei der SPD. Ronja Kemmer ging auf die drohende „Dauerschleife Große Koalition“ ein. Diese sei besser als keine Regierung. Ein Versammlungsteilnehmer meinte sogar, in zehn Jahren würde man sich danach zurücksehnen. Er mahnte auch, die Digitalisierung abgebremst anzugehen, weil sie sehr viele Arbeitsplätze vernichte und bei dieser Arbeitsweltrevolution keine neuen nachkämen. Dem widersprach Manuel Hagel etwas, es seien bei jeder industriellen Revolution neue Arbeitsfelder entstanden.

Neuwahlen sieht Ronja Kemmer mangels besserer Koalitionschancen, kritisch. Sie betonte: „Erst Land, dann Partei, dann Person.“ Es gebe wichtige Themen wie Digitalisierung, Pflege, Mütterrente, innere Sicherheit und die Aufgabe, gemachte Fehler zu erkennen. Die Diskussionsrunde wurde von den Wirren der SPD dominiert. Das Thema Inneres und Landwirtschaft müsste in Unionshand bleiben, meint Kemmer, weil schon die Abgabe des Umweltressorts schmerzt.

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