Allmendingen will Waldflächen der Natur überlassen

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Vor Ort zeigte Karl Schuler vom Regierungspräsidium Freiburg (r.), was im Wald ansteht.
Vor Ort zeigte Karl Schuler vom Regierungspräsidium Freiburg (r.), was im Wald ansteht. (Foto: SZ- Prandl)

Allmendinger Gemeinde- und Ortschaftsräte sowie Bürgermeister Florian Teichmann haben sich am Mittwoch von Forstexperten bei Grötzingen über die Situation des Gemeindewalds aufklären lassen. Auf einer Runde von zweieinhalb Stunden hat sich die Gruppe ganz verschiedene Waldbilder angeschaut. Am kommenden Mittwoch wird der Gemeinderat dann den Rahmenplan für die kommenden zehn Jahre beschließen.

Über Laub und Äste ging es etwa zu einem 50 Jahre alten Fichtenbestand unweit der Grötzinger Christbaum-Plantage. „Der Bestand soll mit verschiedenen Baumarten begleitet werden“, erklärte Klaus Schuler vom Regierungspräsidium Freiburg, der die Planung des Forstbetriebs übernimmt. Bei manchen der Bäume war zu sehen, dass die Rinde abfällt. „Da ist der Borkenkäfer drin oder er ist jetzt ausgeflogen“, erklärte Schuler. „Wir haben die Sorge, dass es 2019 schwierig weitergeht.“ Durch das viele Schadholz in Europa vom vergangenen trockenen Jahr sei der Preis fürs Fichtenholz gesunken.

Buchen dominieren das Bild

Die Buche dominiert mit zwei Dritteln das Bild in Allmendingens Wäldern, die Nadelbäume machen nahezu ein Drittel aus. Von anderen Baumarten wie Ahorn, Esche, Tanne oder Douglasie gibt es nur wenige Exemplare.

Allmendingen will, auch angesichts des Klimawandels, aber weiterhin auf eine bunte Mischung hinarbeiten. Der Verbiss durch Rehe sei dabei allerdings ein Problem, zeigte Förster Werner Bierer der Gruppe vor Ort. Von den kleinen Jungbäumen überleben vor allem die Buchen, weil sie viel aushalten. Andere Baumarten wie Bergahorn oder Fichte seien beim Wild dagegen beliebter, erklärte er. Daher hänge viel von der Jagd ab. Denn Zäune seien auch nicht die Lösung. Der Förster zeigte der Gruppe einen Baum, der auf einen Zaun gefallen ist und diesen zerstört hat. „Das kann bei jedem Sturm passieren.“

Lebensraum für Tiere

Über 270 Hektar Wald verfügt die Gemeinde Allmendingen. Im kommenden Jahrzehnt möchte sie Waldflächen stilllegen, in denen dann Alt- und Totholz liegen bleibt und den Tieren einen Lebensraum bietet. Die Natur darf hier dann also schalten und walten, wie sie will. „Fünf Prozent der Waldfläche eignen sich dafür“, erklärte Schuler und präsentierte der Gruppe als Beispiel einen steil abfallenden Hang.

Die Gruppe schaute sich auch 140 Jahre alte Buchenbestände an, die zeitnah geschlagen werden sollen, weil sie sonst an Wert verlieren würden. Im kommenden Jahrzehnt gilt es, einige Flächen weiter zu verjüngen, das heißt neue Bäume zu pflanzen. Auch dabei gilt das Bekenntnis zur Vielfalt. Auch Nadelbäume sollen gepflanzt werden.

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