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„Winterwalzer“: Der Weihnachtsfilm des Jahres

Berlin / Lesedauer: 4 min

Starbesetzt und rührend: In „Winterwalzer“ spielt der vielfach preisgekrönte Charakterdarsteller Ulrich Matthes einen lebensmüden Witwer. „Charité“-Star Nina Kunzendorf tanzt mit ihm ins Leben zurück.
Veröffentlicht:08.12.2023, 00:18

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Fernsehzuschauer sind von ARD-Filmen am Freitagabend nicht unbedingt verwöhnt. Häufig läuft auf diesem Sendeplatz leichte Kost, die mit zerstrittenen Liebespaaren aus der Provinz zu tun hat. Mit der Tragikomödie „Winterwalzer“ an diesem Freitag um 20.15 Uhr im Ersten ist nun eine glänzende Ausnahme gelungen.

Ulrich Matthes, der zu Deutschlands profiliertesten Stars von Theater, Film und Fernsehen gehört, steht im Mittelpunkt dieser Romanverfilmung voll mit schwarzem Humor und Herzenswärme. Es ist gewiss der Weihnachtsfilm des Jahres.

Matthes spielt den ehemaligen Star-Tänzer Albert Gottwald, der nach dem Tod seiner Frau Martha keinen Sinn mehr im Leben sieht. Immer wieder spricht er auf den gemeinsamen Anrufbeantworter, um ihre Stimme zu hören und ihr Nachrichten zu hinterlassen - miesepetrige Sätze wie „Wieder so ein Tag, der aussieht wie matschige Pilze“. Als der Nachbarshund auch noch das Rotkehlchen frisst, das er mit Martha einst aufgezogen hatte, wird es Albert endgültig zu viel: Er rastet aus und bereitet schließlich mitten im Advent seinen eigenen Tod vor. Er bestellt Strom, Gas und Wasser ab und knüpft sich einen Galgenstrick. Doch wer soll seine Leiche finden? Albert fasst einen Plan, der ihn in den nächsten Tagen in viele unmögliche Situationen bringen wird.

Eine Frau tritt in das Leben des traurigen Mannes

Unterdessen macht sich Alberts Tochter, Klinikärztin Ina (Antonia Bill), große Sorgen um ihren Vater. Sie schafft es, ihre Vorgesetzte Hanne Hanken für eine fürsorgliche Intrige zu gewinnen: Hanne (gespielt von Grimme-Preisträgerin Nina Kunzendorf) soll sich als Tanzschülerin ausgeben, um sich ein Bild von Alberts Psyche zu machen. Zugleich bekommt der traurige Mann von seinem Umfeld die Lüge aufgetischt, dass er für eine verletzte Freundin als Tanzlehrer einspringen müsse. Nur so sei deren Berliner Studio noch zu retten.

Psychiaterin Hanne sträubt sich zunächst («Ich werde auf keinen Fall tanzen»), sagt dann aber zu. Und Albert geht der Lüge auf den Leim. Schnell beginnt es zwischen den beiden zu knistern. Und Albert tanzt sich mit Hanne mehr und mehr ins Leben zurück. Für TV-Zuschauer ist faszinierend anzusehen, wie gut die Chemie zwischen den beiden ist.

Ein leidenschaftlicher Tänzer

Ulrich Matthes («Der Untergang“, „Das Boot») ist auch im echten Leben ein leidenschaftlicher Tänzer, auch wenn seine Turnierkarriere sehr kurz war. „Meine Eltern haben mich als Elfjährigen in eine Tanzschule gesteckt“, sagt er der dpa. „Ich war ein sehr bewegungslustiges Kind und habe ab und zu auch Fantasietänze gemacht. Und da haben meine Eltern gesagt: 'Vielleicht macht ihm eine Tanzschule Spaß.' Cha-Cha-Cha und so.“

Die Tanzschule meldete ihn für ein Kinder-Turnier an. „Da bin ich dann mit meiner kleinen Partnerin auf Platz sieben gelandet - von sieben Paaren. Siebter von sieben: Neee! Und damit war meine Tanzkarriere beendet.“ Im Alter zwischen 20 und 30 sei er „ein echter Disco-Nachtvogel“ gewesen. „Damals konnte ich das auch noch, heute muss ich ja spätestens um halb eins ins Bett“, sagt Matthes lachend.

Der 89-minütige Film beginne zwar traurig, werde dann immer heiterer, erklärt der Schauspieler. „Aber ist das nicht gerade typisch für Weihnachtsfilme? Albert öffnet sich erst langsam wieder, als diese fremde Frau in sein Leben tritt: gespielt von Nina Kunzendorf, mit der ich wahnsinnig gerne gedreht habe.“ Für ihn habe der Film „eine fast politische Botschaft“, dass man auch in schmerzhaften Situationen eines Menschen oder einer Gesellschaft die Hoffnung nicht aufgeben möge.

Matthes: „Zu 51 Prozent bin ich Optimist, glaube ans Gelingen. Diese 51 Prozent vermittelt der Film. Insofern tut er gut in einer Zeit, in der sehr viele Menschen - mich eingeschlossen - von den entsetzlichen Krisen und Kriegen auf der ganzen Welt überfordert sind.“

Vorlage für die Tragikomödie war der Roman „Der Donnerstagsmann“ von Edda Leesch, die auch das Drehbuch schrieb. Regie bei der ARD-Degeto-Produktion führte Ingo Rasper.

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