StartseiteKultur„Tatort“-Kritik: Hotte am Literaturhimmel

Ravensburg

„Tatort“-Kritik: Hotte am Literaturhimmel

Ravensburg / Lesedauer: 2 min

Wenn die Münsteraner ermitteln, dann mit hohem Unterhaltungswert, auch wenn es gefährlich wird. Der neue Stadtschreiber wird bedroht. Boerne und Thiel müssen in die Trickkiste greifen, um den rätselhaften Fall lösen zu können.
Veröffentlicht:08.12.2023, 10:59

Artikel teilen:

{:tag :bold, :attrs {:class „character“, :displayname „a_fett“, :name „bold"}, :content [“ - „]}Was ist Mythomanie? Wer es nicht weiß, muss nachschlagen, oder den neuen Fall des Münsteraner Ermittlerduos anschauen, das sich in gewohnt launig-kalauernder Manier ins Zeug wirft. Dieses Mal spielt man auf hohem literarischem Niveau, für Angeber-Professor Boerne (Jan Josef Liefers) die ideale Bühne, für Proll-Polizist Thiel (Axel Prahl) eher eine Tabuzone. Aber immerhin gesellt auch er sich zur Vorstellung des neuen Stadtschreibers von Münster. Denn der gekürte Starautor Stan Gold hieß früher Hotte Koslowski, war Thiels Schulkamerad und alles andere als ein Starschüler. Doch offensichtlich hat Hotte seine Erinnerungen vom Überleben im Dschungel Paraguays nach einem Flugzeugabsturz so mitreißend zu Papier gebracht, dass er dank seines Romans als neuer Stern am Literaturhimmel gehandelt wird. So weit, so märchenhaft.

Aber wo Thiel und Boerne auftauchen, ist das Verbrechen nicht weit. Als Opfer muss der gefeierte Autor selbst herhalten, doch mit einem beherzten Luftröhrenschnitt kann ihn Boerne gerade noch retten. Hotte ist Allergiker und wurde zur Zielscheibe eines Bienen-Toxin-Anschlags. Ab jetzt heißt es für Thiel vor allem, den Schriftsteller vor weiteren Attacken zu schützen. Was nur bedingt gelingt, denn ohne Blutvergießen kommt auch diese Krimikomödie nicht aus. Wer Hotte nach dem Leben trachtet, ist für Thiel und Boerne bis zum Schluss ein großes Rätsel, das sie schließlich nur mit einem Trick lösen können.

Ehrlicherweise sei gesagt: Es gab schon spannendere Fälle aus der Münsteraner Krimiküche. Was sich Drehbuchautor Thorsten Wettcke da ausgedacht hat, ist zwar abenteuerlich, aber etwas mühsam erzählt. Regisseur Till Franzen hat immerhin für die beiden, in ihren Ermittlercharakteren festgenagelten Hauptdarsteller Prahl und Liefers einen ebenbürtigen Sparringspartner gewonnen. Detlev Buck, versierter Regisseur, Schauspieler und Filmproduzent, spielt den Mann aus dem Dschungel überzeugend unbeholfen und reichlich überfordert. Aber immerhin mit vielen Eigenschaften, was letztlich auch den Reiz dieses Krimis ausmacht.


Tatort: Der Mann, der in den Dschungel fiel (ARD, So., 20.15 Uhr)