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„Tatort“-Kritik aus Köln: Die Verzweiflung der Paketzusteller

Ravensburg / Lesedauer: 2 min

In dieser Folge taucht man ein in die harte Welt der Paketzusteller vor Weihnachten. Ein stimmungsvoller, wenn auch untypischer Weihnachtskrimi mit viel Gefühl.
Veröffentlicht:03.12.2023, 10:00

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Ohne sie läuft nichts, vor allem in der Vorweihnachtszeit: Paketzusteller. Da ist es nur recht und billig, ihnen eine „Tatort“-Folge zu widmen, tragen sie doch „Des anderen Last“.

Schon in den ersten Filmminuten erlebt man Druck und Verzweiflung eines Zustellers vor Weihnachten. Man möchte vom Sofa aufspringen und beim Schleppen helfen. Dazu kommt es nicht, denn der junge Fahrer Milan (Dennis Svensson) wird gleich von einem verkleideten Weihnachtsmann niedergestochen.

Die Kölner Kommissare Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Schenk (Dietmar Bär) stellen in der Firma des Toten fest, dass alle Kolleginnen und Kollegen in einem solchen Kostüm unterwegs sind. Das bringe mehr Trinkgeld, findet die skrupellose Firmenchefin (Susanne Bredehöft). Um mehr von der wortkargen Belegschaft zu erfahren, wird Kripo-Kollegin Natalie Förster (Tinka Fürst) eingeschleust. Sie freundet sich mit der Fahrerin Jenny (Paula Kober) an, einer ehemaligen Medizinstudentin, die nach einem Unfall aus der Bahn geworfen wurde.

Die Tätersuche läuft nebenbei

Überhaupt gelingt es Drehbuchautor Paul Salisbury und Regisseurin Nina Wolfram, Schicksale in kurzen Szenen berührend zu skizzieren. Das des pensionierten Postlers, der noch einmal ran muss, um seine arbeitsunfähige Tochter und deren anspruchsvollen Sohn durchzubringen. Das der jungen Witwe, die von Alpträumen geplagt wird. Oder von Boris (Nils Hohenhövel), dem Freund des Toten, der sich nicht uneigennützig um die Witwe kümmert.

Achten sollte man auf Jennys Nachbarn. Der wird gespielt von dem damals 96-jährigen Dieter Schaad, der nur wenige Wochen nach Ende der Dreharbeiten verstarb.

Viel Gefühl und Verzweiflung in diesem stimmungsvollen, wenn auch nicht typischen Weihnachtskrimi. Die Tätersuche läuft nebenbei, am Ende muss ein etwas gewagtes Konstrukt als Auflösung herhalten. Macht nichts. Das Eintauchen in die harte Welt der Paketzusteller dürfte seine Wirkung nicht verfehlen, wenn es am nächsten Morgen an der Haustür klingelt.


Tatort: Des anderen Last, Sonntag, 3. Dezember, ARD, 20.15 Uhr.