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Dream Wife im Interview

Kultur / Lesedauer: 5 min

Dream Wife: Drei starke Frauen spielen mit gesellschaftlichen Erwartungen
Veröffentlicht:15.01.2018, 18:31

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Mal lautstark aggressiv, mal verletzlich zart: Dream Wife geben sich auf ihrem selbst betitelten Album, das am 26. Januar erscheint, facettenreich. Christiane Wohlhaupter hat mit den drei Musikerinnen Rakel Mjöll , Bella Podpadec und Alice Go über ihre Band, die aus einem Uni-Projekt heraus entstanden ist, ihre Vorbilder und Erwartungen anderer gesprochen.

Erzählt mal, wie ist eure Band entstanden?

Rakel: Wir sind Alice, Bella und Rakel. Alice und Bela sind aus Somerset, Großbritannien, und ich komme aus Island. Wir haben uns an der Kunsthochschule in Brighton kennengelernt. Da haben wir Unterschiedliches studiert und Dream Wife gegründet. Ursprünglich war es also ein Uni-Projekt. Und das hat uns nach London gebracht. Wir machen Rock-Pop – echten Rock’n’Roll und echten Pop. Wir hatten diese Band nicht geplant, aber es macht eine Menge Spaß. Wir haben eine erste EP veröffentlicht, die Alice aufgenommen und produziert hat.

Bella: Und jetzt sind wir bei einem Londoner Label: Lucky Number .

Rakel: Es ist unser erstes Album und wir sind gespannt, es zu veröffentlichen. Live zu spielen, ist unsere große Stärke und wir hoffen, dass wir diese Stimmung auf dem Album eingefangen haben.

Habt ihr für die Band dann eigentlich auch eine Note bekommen?

Rakel: Ja, und zwar eine eins. Aber eigentlich ist nicht die Band benotet worden, sondern das Projekt. Ich habe Performance Art studiert – Alice hat Bildhauerei studiert, Bella Malerei. Die Band ist entstanden, damit wir nach Kanada gehen konnten, Freunde besuchen. Ich brauchte ein Projekt und habe den anderen beiden das vorgeschlagen. Dann haben wir darüber diskutiert. Und dann sind wir durch Kanada getourt. Es hat echt Spaß gemacht und deshalb ist etwas Dauerhaftes daraus geworden.

Bella: Weil wir nicht aufhören wollten.

Ihr seid auch mit dem Duo The Kills getourt ...

Rakel: Das war eine tolle Tour.

Alice: Wir sind große Fans von den Kills.

Rakel: Und auch mit den Sleigh Bells aus New York sind wir getourt. Mit seinen Vorbildern zu spielen, ist etwas Besonderes. Das bringt dich auf ein neues Level. Die sind Athleten. Die ziehen den Marathon durch.

Was kann man von den Sleigh Bells lernen?

Rakel: Ausdauer, Gesangstechnik ...

Alice: Rock’n’Roll ist Extremsport – und als solchen wollen wir ihn auch behandeln.

Und was kann man von The Kills lernen?

Alice: Ebenfalls Ausdauer – und, dass die Chemie in einer Band stimmen muss.

Rakel: Eine stimmige Chemie untereinander ist etwas Besonderes. Man darf auch keine Angst vor seinen Grenzen haben. Auf der Bühne habe ich gelernt, was meine Grenzen sind. Das ist sehr befreiend.

Haben sich eure Grenzen verschoben?

Alice: Ja.

Rakel: Man sollte auch nicht zu selbstkritisch sein. Es ist super, wenn man all die Dinge, die einem in den Kopf kommen, zur Seite schieben kann, und einfach den Moment genießen kann. Man steckt zusammen da drin – Publikum und Band.

Alice: Wenn man auf der Bühne steht und eine tolle Zeit hat, ist das auf jeden Fall ansteckend.

Wie ist das Album entstanden?

Alice: Wenn wir Ideen haben, bringen wir die zusammen. Und was sich dann entwickelt, hat erneut viel mit Chemie zu tun – wir wollen das nicht zu verkopft angehen.

Rakel: Es hat auch mit Vertrauen zu tun. Man muss das Vertrauen spüren, damit etwas eine gute Sache wird.

Alice: Wir spüren da eine gegenseitige Unterstützung und eine Solidarität.

Auf eurem Album ist dieses recht aggressive Lied „F.U.U.“ (“Fuck You Up“). Was hat es damit auf sich?

Alice: Es geht darum, Althergebrachtes umzustoßen.

Rakel: Es macht Spaß mit der Erwartung der Leute, was Weiblichkeit bedeutet, zu spielen.

Alice: Wenn wir den Song spielen, bringt er eigentlich jede Menge positive Energie. Es gibt Kraft, diesen Song zu spielen.

Rakel: Eigentlich handelt der Song ja von einem schlechten Haarschnitt. Das weiß nur keiner. (lacht)

Euer Song „Act My Age“ – sich dem Alter entsprechend zu verhalten – ist auch ein Spiel mit den Erwartungen.

Rakel: Der Song beginnt damit: „When I Tell You I’m A Little Bit Afraid, You Tell Me I Should Act My Age“. (etwa: Wenn ich dir sage, dass ich ein wenig Angst habe, sagst du mir, ich sollte mich meinem Alter entsprechend verhalten.) Es gibt also die eine Person, die sich jemand anderem gegenüber öffnet. Und dann wird die Person dafür kritisiert, sensibel zu sein. Aber was soll das überhaupt bedeuten, sich seinem Alter entsprechend zu verhalten? Da gibt es diese Erwartungen, dass ein bestimmtes Alter, einer bestimmten Verhaltensweise entspricht. Also mit 18 Jahren darf ich noch albern sein, mit 25 aber nicht mehr?

Alice: Es ist nur eine weitere Erwartung.

So wie auch die Erwartungen an die Geschlechter ...

Rakel: Das von diesem Song „Act My Age“, das hat mir echt mal ein Junge gesagt. Und ich frage mich: Du kannst dich also so verhalten, wie du willst, und ich muss mich anders verhalten, nur weil ich eine Frau bin? In einer Kleinstadt wird von dir vielleicht immer noch erwartet, dass du zu einem bestimmten Alter Kinder hast.

Alice: Es geht darum, Erwartungen anderer nicht zu erfüllen.

Rakel: Deshalb auch der Bandname Dream Wife. Eine Traumfrau hat nie existiert. Auch Dinge wie Traumauto, Traumkind, sind Quatsch.

Alice: Es sind nur Ideale.

Rakel: Es ist Druck, den die Gesellschaft aufbaut. Ich will mich nicht für meine Sensibilität rechtfertigen müssen.

Alice: Es geht um Befreiung von diesen Erwartungen.

Rakel: Ja, wir spielen Rock – aber trotzdem können wir sensibel sein. Und ja, wir spielen Pop – aber das heißt nicht, dass wir nicht auch aggressiv sein können. Frauen haben so viele unterschiedliche Gesichter. Und die wollen wir auf unserem Album zum Ausdruck bringen.

Alice: Unser Album will auf jeden Fall Erwartungen hinterfragen.