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Opernkritik

Opernkritik zu „Hulda“ am Theater Freiburg

Freiburg / Lesedauer: 3 min

César-Franck-Oper „Hulda“ am Theater Freiburg gegen die Musik inszeniert
Veröffentlicht:18.02.2019, 18:59

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Die Uraufführung seiner 1885 komponierten Oper „Hulda“ am 8. März 1894 in Monte Carlo hat César Franck nicht mehr erlebt. Wenn er dabei gewesen wäre, dann hätte es den belgischen Komponisten sicherlich gestört, dass zahlreiche Szenen gestrichen waren. Nun hat der Freiburger Generalmusikdirektor Fabrice Bollon das Autograf des vergessenen Werkes in der Pariser Bibliothéque Nationale entdeckt und eine vollständige Version erstehen lassen. Am Theater Freiburg war die nun erstmals zu erleben.

In der Geschichte nach dem Drama „Halte Hulda“ des norwegischen Nobelpreisträgers Björnsterne Björnson steht eine Frau namens Hulda im Mittelpunkt, die alles verliert. Ihre Mutter wird getötet, ihr Volk massakriert. Man deportiert sie aus der Heimat. Sie wird vergewaltigt und soll zwangsverheiratet werden. Aber sie wehrt sich – und aus der Erniedrigung erwächst ihre Rache. Am Ende gibt es noch mehr Gewalt, bis sie sich schließlich selbst mit einem Sturz von der Klippe das Leben nimmt.

Musik übertönt von Geräuschen

César Francks Grand Opéra klingt aber nicht so martialisch, wie man nach der literarischen Vorlage denken könnte. Natürlich gibt es wuchtige Massenszenen, aber es ist auch viel Raum für lyrische Stimmungen und das große Melos, das vor allem die Liebesgeschichte zwischen Hulda und Eiolf in Klang setzt. Die Musik trägt elegische Züge und hat häufig einen melancholischen Grundton. Sie ist gekennzeichnet von Farbmischungen, nicht von radikalen Kontrasten. Bollon arbeitet gerade mit den Streichern diesen homogenen Klang gut heraus, der die Weite kennt.

Leider ist von der Musik nicht immer viel zu hören, weil sie ständig durch Geräusche von der Bühne unter Beschuss gerät. Vom Türenschlagen bis zum Maschinengewehrfeuer, vom notorischen Grölen der Saufbrüder bis zum Surren des eisernen Vorhangs nimmt Tilman Knabe in seiner Inszenierung keine Rücksicht auf die Musik. Da hätten sich Fabrice Bollon und das Philharmonische Orchester Freiburg ihre Bemühungen um Differenzierung auch sparen können.

Township statt Fjord

Knabe transferiert die Geschichte, die im Norwegen des 11. Jahrhunderts spielt, mit Gewalt in das Afrika der Gegenwart. Ein Township im Kongo (Bühne: Kaspar Zwimpfer, Kostüme: Eva Mareike Uhlig) ist der Schauplatz des Geschehens. Es gibt Söldnertruppen und UNO-Blauhelmsoldaten. Ständig wird irgendwo jemand gequält oder getötet.

Knabe möchte aufrütteln und anklagen. Immer wieder werden in bewusst gesetzten Unterbrechungen Texte eingeblendet, die belehren und auch mal den Imperialismus mit dem Holocaust vergleichen. Dass sich Joshua Kohl als Huldas Blauhelm-Liebhaber in den Proben am Arm verletzte und in der Premiere bei den Faust-Kämpfen mit einer Armschiene agieren muss, entfaltet dann fast schon eine unfreiwillige Komik.

Der Pseudorealismus kommt schon bald an Grenzen, da die Figuren zu Schattenrissen werden und jegliche Zwischentöne, von denen die Musik erzählt, in der Inszenierung verloren gehen. Morenike Fadayomi bewältigt die vielfältigen darstellerischen Anforderungen der Titelpartie bis zum höhnischen Gelächter und Weinkrampf mit Bravour. Stimmlich kommt sie am Ende an ihre Grenzen, wenn ihr reicher dramatischer Sopran, der Hulda das notwendige Durchsetzungsvermögen gibt, flacher wird.

Beziehungen vernachlässigt

Joshua Kohl verbindet als Huldas Liebhaber Eiolf große Strahlkraft mit leuchtenden Farben. Dass er doch zu seiner Ex-Geliebten Swanhilde (klangschön: Irina Jae Eun Park) zurückgeht und damit Huldas Eifersucht lodern lässt, wird durch die Regie nicht schlüssig erzählt. Wie überhaupt die Beziehungen zwischen den Figuren im Kampfgetöse brutal vernachlässigt werden. Anja Jung als Huldas Mutter, Juan Orozco als Huldas verhasster Bräutigam Gudleik, Jin Seok Lee als brutaler Stammesvater Aslak mit Schickimicki-Gattin Gudrun (stark: Katerina Hebelková) und Katharina Ruckgaber in der Rolle der Stieftochter Thordis überzeugen.