Mord

Filmkritik: Knives Out – Mord ist Familiensache

Kultur / Lesedauer: 2 min

Daniel Craig ermittelt als moderner Hercule Poirot in „Knives Out – Mord ist Familiensache“
Veröffentlicht:03.01.2020, 12:00
Aktualisiert:03.01.2020, 12:01

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Agatha Christie ist wieder angesagt auf der Leinwand. Zuletzt wurden „Mord im Orient Express“ und „Das krumme Haus“ sehr prominent besetzt verfilmt, demnächst soll „Tod auf dem Nil“ folgen und jetzt gibt es „Mord ist Familiensache“. Kleiner Schönheitsfehler: Der letztgenannte Film basiert gar nicht auf einer Romanvorlage der britischen Autorin – ginge aber problemlos als solche durch, ist er doch sowohl eine liebevolle Hommage als auch ein eigenständiges Krimivergnügen. Dass er sich mit Genres auskennt, bewies Regisseur und Drehbuchautor Rian Johnson mit seinem erstklassigen Debütfilm „Brick“ und zuletzt, allerdings umstritten, mit „Die letzten Jedi“.

Für „Knives Out“ bedient er sich der klassischen Christie-Zutaten ein: ein mysteriöser Todesfall in einem hochherrschaftlichen Landhaus, das allerdings nicht in England, sondern in den Vereinigten Staaten steht. Die versammelte Verwandtschaft, die den verstorbenen Patriarchen vordergründig preist, von denen die meisten aber durchaus ein Mordmotiv gehabt hätten. Und natürlich ein eigenwilliger Meisterdetektiv, der hier den Namen Benoit Blanc trägt und von Daniel Craig verkörpert wird. Der wurde von einem unbekannten Auftraggeber engagiert, um herauszufinden, ob sich der erfolgreiche Krimiautor Harlan Thrombey (Christopher Plummer) tatsächlich selbst die Kehle durchgeschnitten hat.

Die Besetzung ist prominent mit Jamie Lee Curtis, Don Johnson und Chris Evans. Es gibt Verhöre, Rückblenden, wechselnde Hauptverdächtige, eine schräge Verfolgungsjagd, wodurch die gut zwei Filmstunden sehr kurzweilig vergehen. Doch wie oft bei Christie geht es auch hier nicht allein um die „Wer war es?“-Frage, sondern unterschwellig auch um die Beziehungen der sozialen Klassen. So ergeht sich Don Johnsons Charakter in „Ich habe ja nichts gegen“ -Tiraden im Trump-Stil, der Enkel sympathisiert mit der „Alt Right“-Bewegung, während die Selbsthilfe-Parolen von Schwiegertochter Jonis reine Plattitüden sind. Diese Zerrissenheit der amerikanischen Gesellschaft, ihre Unsicherheiten und Abstiegsängste geben dem Film Tiefgang über eine reine Genre-Spielerei hinaus – und machen das Ende nochmals ein Stück überraschender. (rot)