Premierenabend

Kosmopolit mit großer Leidenschaft fürs Theater

Mülheim / Lesedauer: 2 min

Regisseur Roberto Ciulli wird 80 Jahre alt
Veröffentlicht:31.03.2014, 17:55
Aktualisiert:24.10.2019, 15:00

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An Premierenabenden lässt Roberto Ciulli es sich nicht nehmen, die Tickets zu entwerten. „Ich reiße die Karten ab. Das mag ich. Ich schaue die Leute dabei an und sehe ihr Gesicht vor und nach der Vorstellung“, sagt der Mann mit den langen weißen Haaren und den funkelnden Augen. Heute wird der Regisseur und Intendant des international angesehenen Theaters Mülheim an der Ruhr 80 Jahre alt.

Auf der Bühne steht Ciulli noch regelmäßig – er ist nach wie vor ein fesselnder Darsteller und ein Regisseur, der es versteht, ungemein sinnliches Theater zu machen. Und er ist Idealist: „Natürlich glaube ich nicht, dass man mit Theater die Welt völlig verändern kann. Aber in ganz kleinen Schritten können wir vielleicht doch was verbessern.“

Sohn eines Fabrikanten

Ciulli kam 1934 im norditalienischen Mailand als Sohn eines Fabrikanten zur Welt. Erste Theatererfahrungen machte er nach seinem Philosophie-Studium im Zelttheater „Il Globo“, das er selbst gegründet hatte. Damit knüpfte er an Shakespeare an, dessen Stücke einst im Londoner Globe-Theater aufgeführt wurden.

1965 kam er nach Deutschland. Zunächst war er am Theater in Göttingen, dann in Köln, später in Düsseldorf und in anderen großen Häusern bundesweit in unterschiedlichsten Funktionen. Diese Jahre waren wichtig für ihn, sagt der Regisseur. Sie hätten ihm aber auch gezeigt, dass er nicht für immer in der Tretmühle des althergebrachten Theaters mit seinen Hierarchien, Finanzproblemen und Eifersüchteleien bleiben wollte. 1981 war es dann soweit: Ciulli gründete mit dem Dramaturgen Helmut Schäfer und dem Bühnenbildner Gralf-Edzard Habben das Theater an der Ruhr.

Dieses Haus stand von Anbeginn an für den Dialog zwischen den Kulturen. Ciulli sucht und fördert den Austausch, gastiert regelmäßig mit seinem Ensemble im Ausland und holt im Gegenzug ausländische Theatergruppen nach Mülheim. Für sein politisches und interkulturelles Engagement ist er vielfach ausgezeichnet worden. „Wir Theaterleute“, sagt Ciulli, „vertreten eine alte Humanität, eine alte Menschenidee. In der gibt es Raum für Geheimnisse und Utopien.“