Summernight Festival

Frank Maier und die Musik - Neues Buch „Warum die Liebe den Idioten hinterlassen?“

Laupheim / Lesedauer: 3 min

Frank Maier begibt sich auf Zeitreise in die Clubszene der 1990er-Jahre
Veröffentlicht:04.10.2022, 18:54
Aktualisiert:04.10.2022, 20:54

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Die besten Geschichten schreibt das Leben. Beispielsweise die, wie ein schwäbischer Radiojournalist den 1990 in Europa noch weitgehend unbekannten Red Hot Chili Peppers bei einem Interview in München auf den Zahn fühlt. Oder die, wie ein lebenshungriger Musikfan an Silvester sein Glück in New York sucht. Oder die, wie der Promoter eines Hamburger Musiklabels das idyllische Sont-hofen in Motorhofen verwandeln ließ – Schnitzeljagd durch die Starzlachklamm untermalt von Techno-Klängen und Almwiesengaudi mit Rammstein inklusive. All diese Geschichten haben ein und denselben Protagonisten: Frank Maier.

Der gebürtige Laupheimer hat einen Großteil seines Lebens der Musik gewidmet. Ob als „singender Hampelmann“ einer Funk- und Soulband, als Praktikant beim Radio, als Konzertorganisator für ein autonomes Jugendzentrum, das Summernight Festival und den Neu-Ulmer Wiley Club, als Promoter oder als Agenturchef. In seinem literarischen Debüt „Warum die Liebe den Idioten überlassen?“ entführt der Mittfünfziger den Leser in die Vergangenheit.

Maiers Wege führen nach Israel, wo er sich in Orit verliebt, nach Berlin, wo er eine Performance der Dead Chickens ansieht – und immer wieder zum Jazz Festival nach Montreux, wo Helden ihrem Status gerecht werden oder sich entzaubern. Inmitten all der Ausflüge stellen Ulm und Neu-Ulm den Fixpunkt dar. Maier und sein Mentor Gastronom Paul Staffen nutzen die Gunst der Stunde, um einen verlassenen Club der US-Armee zu einer hochkarätigen Veranstaltungsstätte auszubauen. Von Sommer 1992 bis Ende 1994 laden sie in den Wiley Club in Neu-Ulm eine „Ansammlung großer bis internationaler Topstars, absolut angesagte Bands und diverse Artists to Watch“ ein, wie der Ulmer Historiker Eberhard A. Merk festhält.

Mit einer Portion Leicht- und Wahnsinn

„Was hier abging, bleibt wohl eines der aufregendsten und innovativsten Kapitel der Ulm /Neu-Ulmer Pop-Kulturgeschichte der jüngeren Zeit“, konstatiert Merk. „Das Konzept war in der Region völlig neu und auf diesem Niveau auch bis heute nicht wieder erreicht. Das war eine ziemlich gelungene Mischung aus anspruchsvoller Küche, musikalischer Experimentierfreude, Eleganz und gesellschaftlicher Nonchalance.“ Mit spitzer Feder beschreibt Maier Musiker, Mitstreiter und Gäste. Und fast hat der Leser das Gefühl, selbst beseelt am Chromtresen des Wiley Clubs zu sitzen – oder enttäuscht vorm „Ausverkauft“-Schild zu stehen.

„Die Energie, die das Team da reingesteckt hat, war sicher außergewöhnlich – vom wirtschaftlichen Risiko mal ganz abgesehen. Da hat schon auch eine gute Portion Leicht- oder sogar Wahnsinn dazu gehört“, resümiert Merk. Wiederholt wird der Leser Zeuge dieses Draufgängertums. Um Finanzlöcher zu stopfen, helfen kreative Methoden zur Kostensenkung (Maiers Honorarverzicht) oder Umsatzsteigerung (Veranstaltung mit Chippendales-Abklatsch). All dies folgt keiner linearen Erzählweise, sondern vielfachen Gedankensprüngen, Abzweigungen und neuen Ideen. Fast wie Jazz.