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Dodokay

Die Welt der Bombobabierle

Kultur / Lesedauer: 3 min

Dodokay macht das Schwäbische wieder subbercool
Veröffentlicht:18.01.2015, 17:25

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Dodokay macht das Schwäbische wieder subbercool und hat die Lacher auf seiner Seite – wie jetzt bei seinem Auftritt in der Ravensburger Oberschwabenhalle.

Ohne die Kuhn-Sippe, das muss man mal festhalten, wäre das Schwabenland ein bissle ärmer. Der Tübinger Dieter Thomas schaffte es Jahrzehnte vor einer Helene Fischer, Schlager und Brusthaar wieder zum Leben zu erwecken. Fritz, dem OB von Stuttgart, gelang Ähnliches (in Kooperation mit Winfried Kretschmann) mit den Grünen. Und Dominik Kuhn alias Dodokay? Dem 45-jährigen Reutlinger glückte ein Weltwunder: In einer Zeit, in der manche Eltern mit ihren Dreijährigen nur noch Englisch reden, um sie auf den globalen Wettbewerb vorzubereiten, machte der Sprachkünstler und Komiker den schwäbischen Dialekt mit seinen zig-millionenfach geklickten Synchronisationen (Obama, SV 49 Leimerstetten, Virales Marketing) wieder derart salonfähig, dass er als Comedian inzwischen locker die Hallen mittelgroßer Städte füllt – wenn sie Oberschwabenhalle heißen, wie jene in Ravensburg , dann sowieso. Auch Fritz Kuhn weiß Dominik Kuhn längst zu schätzen: „I ben dr Orgelspieler“ – so habe sich der Politiker einst bei ihm vorgestellt.

Kurzweiliges Wechselspiel

Wobei: Auch Dodokay hat als Teenager an sich gezweifelt, bevor er sich seine Welt auf Schwäbisch erschuf. „I han lang glaubt: Mit Schwäbisch kommsch it weit em Läba. Do kriagsch au koi Alte, des war oifach verpönt.“ Noch heute habe er Gegner: „Auf Facebook schrieb einer: I fend deine Sacha voll Scheiße, i hoff Du kriegsch Lepra“, erzählt er. Aber die landesweite Sympathiewelle, die ihm entgegenschwappt, macht das locker wett. „Schwäbisch isch subbercool“, findet er inzwischen, „ond d’Nasa verschtoht oin it beim Abhöra.“

Dodokays Auftritt in Ravensburg – ein Wechselspiel aus Clips und Gedanken zur Befindlichkeit der Mitschwaben – ist mehr als kurzweilig. Der Meister der Synchronisation, in Grasdackel-T-Shirt und Löcher-Jeans gehüllt, taugt durchaus auch als Rampensau, wenn auch als gemütliche, charmante, als schwäbische halt, und gern auch mal als zotige („Wenn ma Tischtennisplatte omdreht, kommt Plaschtennistitte raus“). Wenig überraschend passen sich seine Witze der Umgebung an. „Wer 20 Johr lang unfallfrei mit Friedrichshafer Kennzeicha fährt, kriegt ois aus Ravensburg“, lästert er. Auch die Weingartner kommen nicht gut weg. Größte Sehenswürdigkeit dort sei nicht die Basilika, sondern Ravensburg, stellt Dodokay fest. Und seine Videos hat er netterweise mit Lokalkolorit ergänzt: Der vietnamesische Bootsmann fährt nun nicht mehr auf dem Mekong, sondern auf einem Nebenarm der Schussa, und klagt darüber, dass er im Flappachweiher „a Leberkäsweckle falla lassa hot, des jetzt aufm Grund schwemmt“. Wie Synchronisation funktioniert, erfahren die Zuschauer auch. Das Wort Bombobabierle, das sie Dodokay vorgeben, integriert er nach der Pause flugs in seine „Raumschiff-Orion“-Parodie.

Mundart als Spiegel zur Seele

Das Geheimnis des Dodokay-Witzes ist simpel – er schaut den Schwaben aufs Göschle, er gibt bloß wieder, was er aufschnappt. „Mundart ist der Spiegel zur Seele“, sagt er, beobachten allein aber reiche nicht: „Wer it schwäbisch schwätzt, wird nie wissa wia dr Schwob tickt.“ Nämlich so: „Dr Schwob kommentiert alles, was er sieht, ond er braucht it mol oin, der zuhört, des isch ihm scheißegal.“ Beispiel gefällig? Wer mit einer Edeka-Tüte herumlaufe, werde vom Nachbarn garantiert mit den Worten „So, war ma beim Edeka“ angesprochen. Und wer auf einer Bank sitze, um sich auszuruhen, werde konsequenterweise mit dem Satz „So, sitzt ma aufm Bänkle“ konfrontiert. Das bedeute allerdings nichts anderes als: „So, schafft ma nix, du faule Sau.“

So ist er halt, der Schwabe, gerne auch sinnfrei. Mit seinem persönlichen Lieblingsspruch beschließt Dodokay den Abend: „Schlof nacket, dann verseuchsch koi Hemmad.“