Bundesverdienstkreuz

Zum Tod von Alexander Šumski: Sein Leben galt der Musik

Tübingen / Lesedauer: 2 min

Der ehemalige Tübinger Universitätsmusikdirektor Alexander Šumski ist im Alter von 88 Jahren gestorben
Veröffentlicht:29.07.2022, 17:30

Von:
Artikel teilen:

Ein Jahr vor ihrem internationalen Debüt in Luzern, wo sie von Herbert von Karajan „entdeckt“ wurde, spielte die seither weltberühmte Geigerin Anne-Sophie Mutter 1975 als Elfjährige im Festsaal der Tübinger Universität. Geleitet wurde das von einem studentischen Instrumentalensemble bestrittene Konzert von Alexander Šumski, der drei Jahre vorher das Amt des Universitätsmusikdirektors übernommen hatte.

Alexander Šumski prägte drei Jahrzhente das Musikleben Tübingens

Fast drei Jahrzehnte lang prägte der aus Rumänien stammende Pianist, Dirigent und Musikwissenschaftler das universitäre und städtische Musikleben. Auch als er 1999 in den Ruhestand ging, setzte er sich bis ins hohe Alter weiter unermüdlich für vielfältige musikalische Projekte ein.

Šumski wurde am 26. November 1933 in Timisoara geboren. Sein Musikstudium in den Fächern Klavier, Dirigieren und Komposition absolvierte er in Bukarest . Nach Auftritten als Konzertpianist übernahm er 1960 die Leitung des Rumänischen Rundfunkchors, 1964 wurde er Leiter der Banater Philharmonie, vier Jahre später Chefdirigent des Akademischen Sinfonieorchesters Bukarest.

1972 floh er vor der Ceausescu-Diktatur nach Deutschland und begann seine weit über die Grenzen der Stadt ausstrahlende Tätigkeit als Musikdirektor der Tübinger Eberhard-Karls-Universität. Neben der Leitung des Akademischen Orchesters und des Chores der traditionsreichen Alma Mater gehörte dazu auch ein Lehrauftrag am musikwissenschaftlichen Institut.

Alexander Šumski machte sich um die oberschwäbische Klostermusik verdient

Als passionierter Nachwuchsförderer arbeitete Šumski immer wieder mit damals noch jungen, heute weltweit erfolgreichen Interpreten wie dem Pianisten Gerhard Oppitz, dem Cellisten David Geringas oder der Opernsängerin Helen Donath zusammen. Auch die lokale Musikszene lag ihm am Herzen.

Ab 1981 leitete er auch mehrere Jahre das Tübinger Kammerorchester. Außerdem betreute er die Reutlinger Reihe „Forum junger Interpreten“ und förderte hochbegabte musikalische Talente wie die Tübinger Geigerin Julia Galic. In Hamburg wurde er 1984 als Musikwissenschaftler promoviert. In der Folgezeit initiierte er interdisziplinäre Veranstaltungen mit namhaften Professoren der Universität wie Hans Küng und wirkte im Rundfunkrat des SWR mit.

Von bleibender Bedeutung ist seine als Mammutprojekt angelegte Erforschung und Herausgabe oberschwäbischer Klostermusik, die seit 2005 in der Diözesanbibliothek in Rottenburg archiviert wird. Nach seiner Emeritierung erhielt Šumski 2005 das Bundesverdienstkreuz am Bande. Von Papst Benedikt XVI. wurde er 2011 als Komtur des Heiligen Silvester ausgezeichnet.

Schon 1973 gründete er den für seine technische Flexibilität und reiche Palette an Klangfarben berühmten Kammerchor Camerata vocalis, der auf zahlreichen Tourneen den Ruf der Musikstadt Tübingen in die Welt trug. Am 23. Juli ist Šumski nun im Alter von 88 Jahren gestorben.