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Berührende Neuerscheinung zu einem ungewollten Kind

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Bestsellerautor Alex Schulman aus Schweden erzählt in seinem neuen Buch „Endstation Malma“ von Harriet, die keiner haben will - und was das mit ihr macht.
Veröffentlicht:04.12.2023, 05:00

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ls Kind habe er fast keine Freunde gehabt, sondern nur seine Bücher, sagte Alex Schulman einmal über sich selbst. „Ich wuchs in einer Familie auf, in der meine Eltern sich nicht großartig um mich kümmerten. Sie nahmen es wohl auch nicht so ernst, als ich ihnen mitteilte, dass ich Schriftsteller werden wolle. Also hielt ich mich an meinen Großvater und schickte ihm immer wieder selbst geschriebene Gedichte. Er antwortete mir jedes Mal - in Großbuchstaben, als ob er mir mit lauter Stimme verkündete - was für ein fantastisches Genie ich sei und dass ich bestimmt nicht mehr lang warten müsste, bis man mich in die Nobel-Akademie aufnimmt.“

Nun, die Nobel-Akademie hat den 1976 in Hemmesdynge geborenen Schulman zwar noch nicht aufgenommen. Bis zum Bestsellerautor aber hat er es schon mal gebracht. Sein Deutschlanddebüt „Die Überlebenden“ schlug 2021 ein wie eine Bombe. Immer wieder verarbeitet der Schwede die eigenen Familienverhältnisse. Mit „Endstation Malma“ erscheint jetzt sein dritter Roman. Wieder schickt Schulman seine Protagonisten auf eine schmerzvolle Reise in die Vergangenheit. Im Zentrum: Harriet. Als sie acht ist kriegt sie mit, wie ihre Eltern über die Scheidung reden und darüber, wer welches Kind bekommt. Vater und Mutter wollen ihre Schwester Amelia zu sich nehmen, keiner will Harriet. Eine Wunde, die sie ihr Leben lang mit sich trägt. Zwar tut der Vater, bei dem sie landet, sein bestes. Aber er ist ein Eigenbrötler, der Vögel lieber als Menschen mag.

Exzellent miteinander verknüpfte Erzählstränge

Aus drei Perspektiven und in verschiedenen Zeitebenen schildert Schulman von einer Zugreise nach Malma. Erst nach und nach klärt er das Geheimnis dieses Schicksalsortes auf. Wie er die Ebenen miteinander verknüpft und nach und nach Licht ins Dunkel bringt, ist exzellent gemacht. Er zeichnet Bilder, die so traurig sind, dass man es kaum erträgt. Viele Bücher sind über das Drama des ungewollten Kindes geschrieben worden. Über den Mangel an Liebe, der ein Leben lang nicht zu kompensieren ist. Selten bringt jemand das so auf den Punkt wie Alex Schulman. (welf)


Alex Schulman: Endstation