Zwischen fünf Prozent und Minusrunde

Ein Blcik zurück: Im vergangenen Jahr kam es bei Aesculap zu Warnstreiks.
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Ein Blcik zurück: Im vergangenen Jahr kam es bei Aesculap zu Warnstreiks.
Schwäbische Zeitung

Tuttlingen - Wird es bald wieder im Landkreis Tuttlingen zu Warnstreiks kommen? Die Spitzen vom Arbeitsgeberverband Südwestmetall und der Gewerkschaft IG Metall haben am Mittwochnachmittag in...

Tuttlingen - Wird es bald wieder im Landkreis Tuttlingen zu Warnstreiks kommen? Die Spitzen vom Arbeitsgeberverband Südwestmetall und der Gewerkschaft IG Metall haben am Mittwochnachmittag in Böblingen erste Gespräche für einen neuen Tarifvertrag für Baden-Württemberg geführt. Während die Gewerkschaft fünf Prozent mehr Lohn fordert, sieht das Harald Marquardt, Mitglied des engeren Vorstand bei Südwestmetall und Sprecher der Geschäftsführung beim Automobilzulieferers Marquardt in Rietheim-Weilheim, anders: „Eigentlich wäre eine Minusrunde angebracht“, sagt er.Die Friedenspflicht endet am Donnerstag, 28 . April. „Ab dem folgenden Freitag wären Warnstreiks erlaubt“, betont Walter Wadehn, Erster Bevollmächtigter und Geschäftsführer der IG Metall Albstadt, die auch für den Landkreis Tuttlingen zuständig ist. Er geht davon aus, dass eine Einigung schwieriger zu erzielen sein wird als im vergangenen Jahr. „Es handelt sich jetzt um eine reine Entgelt-Runde“, sagt er.Im vergangenen Jahr ging es zudem etwa um eine Verbesserung in der Altersteilzeit und der beruflichen Weiterbildung. „Bei politischen Forderungen ist auch ein etwas niedrigerer Abschluss im Entgelt gut darstellbar. Jetzt zählt jede Stelle hinter dem Komma“, sagt Wadehn. Die fünf Prozent, die die IG Metall jetzt fordert, setzen sich laut Wadehn zusammen aus der Zielinflationsrate der Europäischen Zentralbank (zwei Prozent), der Produktivitätssteigerung (rund 1,2 Prozent) und einer Umverteilungsrate (zwei Prozent).Diese Forderung lehnt Harald Marquardt, der am Mittwochnachmittag bei den Gesprächen in Böblingen dabei war, ab. „Wenn man die Ist-Daten vergleicht, dann haben wir in den vergangenen fünf Jahren etwa sieben Prozentpunkte zu viel bezahlt“, sagt er mit Blick auf die vergangenen Tarifabschlüsse. Das liege vor allem an der niedrigen Inflationsrate innerhalb der Europäischen Währungsunion.Harald Marquardt streitet nicht ab, dass es der baden-württembergischen Metall- und Elektroindustrie durchaus gut geht. Aber: „Es ist wichtig, dass wir uns nicht weiter aus dem internationalen Wettbewerb herauskatapultieren“, betont er. Neben der internationalen Konkurrenz gebe es politische und wirtschaftliche Unsicherheiten, die Einfluss auf das Investitions- und Konsumverhalten haben. Erinnert sei dabei an die Sanktionen gegen Russland aufgrund der Annexion der Krim in der Ukraine.Auch Harald Marquardt geht davon aus, dass die Gespräche härter werden als im vergangenen Jahr: „Die Forderung von IG Metall überfordert viele Unternehmen“, ist er überzeugt. Vor allem kleiner Unternehmen hätten nicht die Möglichkeit, ihre Produktion ins kostengünstigere Ausland zu verlagern. Und weiter: „Wir haben ein bisschen was gut. Die IG Metall war bei den jüngsten Abschlüssen recht erfolgreich“, sagt Harald Marquardt.An Warnstreiks denkt bei den Arbeitgebern indes wohl noch niemand: „Die Temperatur in den Betrieben ist noch lauwarm“, betont Wadehn. Das könne sich nach dem 14. April allerdings ändern, dann steht die zweite Verhandlungsrunde in Karlsruhe an: „Dann wird es wohl heißer“, sagt der Gewerkschaftler.

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