Kurden mit deutschem Drill im Kampf gegen IS


Kurdische Soldaten trainieren am Donnerstag im Übungsdorf „Bonnland„ auf dem Truppenübungsplatz der Infanterieschule Hammelburg
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Kurdische Soldaten trainieren am Donnerstag im Übungsdorf „Bonnland„ auf dem Truppenübungsplatz der Infanterieschule Hammelburg
Schwäbische Zeitung

Hammelburg - Genau zwei Minuten brauchen die kurdischen Soldaten, um die Panzerabwehrwaffe „Milan“ aufzubauen: „Da geht noch was“, ruft ihr deutscher Ausbilder den Männern zu, „das könnt Ihr...

Hammelburg - Genau zwei Minuten brauchen die kurdischen Soldaten, um die Panzerabwehrwaffe „Milan“ aufzubauen: „Da geht noch was“, ruft ihr deutscher Ausbilder den Männern zu, „das könnt Ihr schneller!“ Drill ist angesagt an diesem Donnerstag im Übungsdorf „Bonnland“ auf dem Truppenübungsplatz Hammelburg in Franken, klassischer Drill, ganz alte Schule. Immer und immer wieder montieren die Kurden Dreibein, Abschussgerät, Visier, bis ihnen der Schweiß übers mit Schminke getarnte Gesicht läuft. „Eine Minute und vierzig Sekunden!“ Dann die Demontage. Erst nach dem zehnten Durchlauf ist der deutsche Offizier mit der Leistung seiner kurdischen Schützlinge zufrieden. Von Sonntag an könnten die im Drill gewonnenen Sekunden entscheidend sein: Wenn die Kurden im Nordirak im Kampf gegen die Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) die Panzerabwehrwaffe aus deutschen Beständen einsetzen.Seit vergangenem Freitag trainieren die insgesamt 32kurdischen Soldaten in Hammelburg an der Infanterieschule des Heeres. Noch vor einer Woche standen sie, wie ihr Kommandeur berichtet, „IS-Kämpfern, die sich nur wenige Meter weiter verschanzt hatten“, gegenüber und wurden dann direkt von der nordirakischen Front nach Deutschland geflogen. In sieben Tagen sollen sie lernen, bei Tag und Nacht mit der Panzerabwehrwaffe zu schießen. 30dieser Waffen und 500 Lenkflugkörper bekommen die Peschmerga von Deutschland für den Kampf gegen die IS. Am vorletzten Tag der Ausbildung will sich Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) ein eigenes Bild verschaffen. Die Politikerin hat in der vergangenen Woche viel Kritik einstecken müssen: Zu viele Fototermine, zu wenig Inhalt, ätzte es sogar aus Kreisen des Koalitionspartners SPD. Hinzu hagelte es fast täglich neue Meldungen über Ausrüstungsmängel. In Hammelburg geht es von der Leyen nur um die Ausbildung, weniger um den Medienauftritt. Sie nimmt sich viel Zeit für das Gespräch. Einem Peschmerga-Major, der die kurdischen Soldaten führt, sagt sie: „Die IS ist unser gemeinsamer Feind.“ Immer wieder fliegen kurdische und englische Wortfetzen von den Übungsstationen hinüber zu den wartenden Journalisten. „Ich bin beeindruckt von der Lernbereitschaft und Entschlossenheit, mit der sie die Übungswoche absolvieren“, kommentiert die Ministerin die Übungen. Bei Ausrüstung und Training an der Panzerabwehrwaffe „Milan“ soll es nicht bleiben. Von der Leyen kündigt an, den Peschmerga, „die stellvertretend für viele andere im Nordirak“ gegen die IS-Terroristen aufgestanden seien, weiter zu helfen. Der Islamische Staat sei gut finanziert und mit moderner Waffentechnik ausgerüstet. Die kurdischen Soldaten kämpfen größtenteils mit veralteten Waffen noch aus Sowjetzeiten . Die Ausbildung an der „Milan“ sei erst der Anfang, „die Zusammenarbeit wird sicher fortgesetzt und intensiviert“, betont die Ministerin. Von der Leyen sagt, die Kurden bekämen moderne westliche Waffen. Deren Handhabung müssten sie aber zudem schnell erlernen können, denn „der Kampf findet jetzt statt“. Rund 300 Tonnen Waffen wurden bereits geliefert, bis Ende Oktober sollen es knapp 700 Tonnen sein.Zudem werde die Bundeswehr Ärzte in den Nordirak schicken, um Minen-Opfer zu behandeln, verspricht die Politikerin: „70 Prozent der zivilen Opfer sind durch Minen verletzt worden, die der IS gelegt hat“, sagt sie. Die IS-Miliz wolle damit die Rückeroberung der von ihr besetzten Gebiete verhindern. Doch auch in Hammelburg holt der Bundeswehr-Alltag mit Uralt-Flugzeugen und fehlenden Ersatzteilen die Ressortchefin ein: Man sehe jetzt, dass „die Bevorratung, aber auch die Produktion von Ersatzteilen in den letzten Jahren fälschlicherweise gedrosselt worden ist“, sagt sie. „Die werde ich wieder hochfahren.“ 2015 werde die Bundeswehr mit dem Geld, das geplant sei, auskommen. „Aber das Mehr, was wir brauchen, um eine bessere Materiallage zu haben – das wird Geld kosten, und darüber müssen wir reden.“ Entscheidend sei, dass Deutschland sein internationales militärisches Engagement verstärkt habe. Die Bundesrepublik werde „hart daran arbeiten müssen“, ihre Ansprüche zu erfüllen.Während die Ministerin ihr kurzes Statement abgibt, geht wenige Meter entfernt der Drill an der „Milan“-Panzerabwehrwaffe weiter. Die Peschmarga-Offiziere wollen keine Zeit verlieren. Ab Sonntag, zurück an der nordirakischen Front, sollen sie nach dem Prinzip „Train the trainer“ ihr Wissen weitergeben: „Wir wollen Ausbilder ausbilden“, sagt der Kommandeur der Infanterieschule, Brigadegeneral Gert-Johannes Hagemann. Die Panzerabwehrwaffe sei ein „ganz wichtiger Baustein“ im Abwehrkampf gegen den IS. Der kurdische Kommandeur stimmt zu. Die „Milan“ sei „sehr wichtig“ für die Kurden, weil sie bisher keine panzerbrechenden Waffen besäßen, sagt der 36-Jährige Mann. „Sie werden uns im Kampf gegen den IS voranbringen.“ Die Lage im Irak sei kritisch, sagt er, im kurdischen Norden „etwas besser“. Höflich dankt der Offizier seinen deutschen Gastgebern, betont gleichzeitig die moralische Verantwortung des Westens, sich im Kampf gegen den IS weiter zu engagieren. Die IS-Kämpfer aus Europa, die in den Irak und nach Syrien reisten, seien noch „viel zielstrebiger und viel grausamer“ als die einheimischen IS-Kämpfer. Die im Drill gewonnen Sekunden seien überlebenswichtig für seine Leute – und tödlich für die Gegenseite.

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