Häfler Bäcker hilft Flüchtlingen nach Odyssee

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Zusammengepfercht im Kleintransporter: 22 syrische Flüchtlinge, die bei Wangen aufgegriffen wurden.
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Zusammengepfercht im Kleintransporter: 22 syrische Flüchtlinge, die bei Wangen aufgegriffen wurden.
Schwäbische Zeitung

Friedrichshafen - In der Nacht von Samstag auf Sonntag wurden sie bei Wangen auf der A96 in einem Kleintransporter gestoppt: 22 syrische Flüchtlinge – unter ihnen acht Kinder und vier Säuglinge.

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Friedrichshafen - In der Nacht von Samstag auf Sonntag wurden sie bei Wangen auf der A96 in einem Kleintransporter gestoppt: 22 syrische Flüchtlinge – unter ihnen acht Kinder und vier Säuglinge. Während ihres Aufenthalts auf dem Bundespolizeirevier in Friedrichshafen versorgten ein örtlicher Bäcker sowie das Häfler Klinikum die verängstigten Menschen.Aus dem engen Kleintransporter in die Hände der Polizei – es ist gut vorstellbar, wie sich die 22 syrischen Flüchtlinge nach ihrer mutmaßlich wochen- oder monatelangen Odyssee von Syrien nach Deutschland gefühlt haben müssen. Ihr Ziel Skandinavien haben sie allerdings nicht erreicht: Beamte der Bundespolizei stoppten den Lastwagen eines Schleusers mit Menschen als Ladung kurz vor dem Ziel der Reise und brachten die Menschen nach Friedrichshafen. Totenstill seien sie gewesen. Die Kinder hätten verschreckt ausgesehen. So beschreibt Gabi Riether, Mitinhaberin der Häfler Bäckerei Sauter, ihre Eindrücke vom frühen Sonntagmorgen, als sie die Aufgegriffenen im Revier der Bundespolizei in Friedrichshafen trifft. Kurz zuvor, um 5.45 Uhr, war die Polizei bei der Bäckerin, die gerade die Nachtproduktion überwachte, vorgefahren und hatte um Hilfe gebeten. Polizisten im Nachtdienst kommen öfter zur Backhalle in der Gutenbergstraße, weil es hier bereits ab 5 Uhr morgens Brötchen zu kaufen gibt. Diesmal brauchen sie etwas Essbares aber nicht für sich, sondern für die bei der Kontrolle aufgegriffenen, hungrigen Flüchtlinge. Für Gabi Riether ist es keine Frage: „Wenn ich mit so wenig Aufwand so viel helfen kann – das würde wahrscheinlich jeder tun.“„Süßes essen die Menschen in Syrien gern“, sagen die Polizisten. Also packt Riether weiße Wecken, Brezeln, Butter, Nutella und 15 Flaschen Milch, Kaba und Erdbeermilch für die Kinder ein. Dazu kommt Marmelade, für die sie extra noch bei der Filiale in der Charlottenstraße vorbeifährt – die Polizei voraus.Im Aufenthaltsraum dann die Begegnung: „Sie waren sehr zurückhaltend und haben nicht gleich angefangen zu essen“, berichtet Riether. Ein Dolmetscher sei auch da gewesen und habe erst einmal übersetzen müssen, was Marmelade ist. Christian Blohm, Pressesprecher der Bundespolizeiinspektion Konstanz sagt später voller Lob, dass die Bäckerei „schnell und kompromisslos“ geliefert habe. Gabi Riether ist an dem Morgen nach der Hilfsaktion, nach eigener Aussage demütig weitergefahren: „Ich bin jetzt froh, dass ich weiß, wo ich schlafe und dass ich eine Wohnung habe. Alles Hab und Gut liegen lassen zu müssen – das ist doch schrecklich.“ Im SZ-Gespräch ist sie sichtlich bewegt von den Eindrücken der Nacht und den Bildern, die sie bisher nur aus dem Fernseher oder aus der Zeitung kannte. Die Polizei hat ihr sogar den Kleintransporter gezeigt, mit dem ein Schleuser die Flüchtlinge weiter Richtung Skandinavien fahren wollte. „Das Fahrzeug hatte hinten nicht einmal Fenster“, erinnert sich Riether. Das Geld, das die Polizei ihr für das Essen gegeben hatte, habe sie später in die Mitarbeiterkasse gesteckt. Am Sonntagvormittag um 10 Uhr erfährt auch Udo Radlow, Leiter der Häfler Kinderklinik, dass die Polizei dringend Babynahrung für vier Babys unter den Flüchtlingen braucht. „Am Sonntag findet man Brei- und Flaschenkost in großen Mengen nämlich sonst nirgends“, erklärt er. Auch für ihn sei die Hilfe „ganz selbstverständlich“ gewesen: „Es geht um Kinder – das ist keine Frage.“Den Flüchtlingen geht es laut Christian Blohm den Umständen entsprechend gut. „Aber natürlich wurde mit deren Leben gespielt. Schleuser nehmen zum Teil lebensbedrohliche Zustände in Kauf. “Der Weg der Flüchtlinge bis nach Wangen sei nun Gegenstand der Ermittlungen der Polizei gegen die Schleuser. Die Flüchtlinge selbst seien dagegen am frühen Sonntagmorgen in die Landesaufnahmestelle nach Karlsruhe gebracht worden. Dort erwartet sie ein Asylverfahren.

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