Diese zwei perfekten Minuten des FC Bayern München

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Douglas Costa feierte sein 2:0 des FC Bayern gegen Gladbach mit einem Selfie. Dafür gab es Krittik. Nicht aber für sein gutes S
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Douglas Costa feierte sein 2:0 des FC Bayern gegen Gladbach mit einem Selfie. Dafür gab es Krittik. Nicht aber für sein gutes Spiel. (Foto: dpa)
Schwäbische Zeitung

MÜNCHEN - Der Moment dieses 2:0 (2:0)-Sieges des FC Bayern München gegen Borussia Mönchengladbach waren eher nicht die, zugegeben schön anzusehenden, Tore von Arturo Vidal per Kopf (16.) und Douglas...

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MÜNCHEN - Der Moment dieses 2:0 (2:0)-Sieges des FC Bayern München gegen Borussia Mönchengladbach waren eher nicht die, zugegeben schön anzusehenden, Tore von Arturo Vidal per Kopf (16.) und Douglas Costa mit einem gewollten Vollspannschuss ins lange Eck, bei dem ihm der Ball aber derart über die Sohle rutschte, dass er – auch nett – neben dem kurzen Eck einschlug (31.). Ganz sicher war der Moment des Spiels auch nicht der auf das Tor folgende in vielerlei Hinsicht klickträchtige Jubel Costas, der über den ganzen Platz zur Haupttribüne sprintete, sich von einem Kumpel ein Smartphone lieh und den Jubler per Selfie für die sozialen Medien verewigte; und schon gar nicht war der Höhepunkt der Partie die sich sofort danach in ebenjenen Netzwerken entbrennende, vollkommen alberne und gewohnt schnappatmig geführte Diskussion darüber, ob die kleine Albernheit des Brasilianers nun besonders lässig oder besonders arrogant gewesen sei. Der Moment des Spiels war vielleicht eine Serie von Momenten, eine Sequenz von Spielzügen zwischen der 27. und 29. Minute.Aus diesen entsprang kein Tor, noch nicht einmal ein ernst zu nehmender Abschluss, Gladbachs Torwart Yann Sommer vereitelte mit der Faust recht locker einen nicht sehr platzierten Schuss des erneut sehr spielfreudigen Arjen Robben. Doch die Spielzüge vor dieser einen Chance von sehr vielen bayerischen in der ersten Halbzeit waren: atemberaubend, mitreißend, berauschend. Fast zwei Minuten lang spielten sich die Münchner da den Ball zu, mit kurzen Pässen, langen Pässen, Diagonalpässen, teils in irrwitzigem Tempo, dann wieder langsamer, geduldiger, doch immer auf der Suche nach der einen, der entscheidenden Lücke vorm Tor der Gladbacher. Fast zwei Minuten lang spielte da der eine Münchner den Ball an einen Kameraden und sprintete sofort in Richung eines Gegenspielers, um diesem den Weg zu versperren und sich selbst wieder anspielbereit zu machen. Und wenn doch mal ein Gladbacher den Fuß oder auch nur die Fußspitze an den Ball bekam, hatte er ihn nach einem Wimpernschlag oder zwei schon wieder an einen der rotgewandeten Spieler verloren, der offenbar darauf gewartet hatte, dass der Gegner den Ball bekam (oder ihm diesen sogar absichtlich geliehen hatte), um ihm diesen wieder abzuluchsen zu können, den Gladbacher ins Leere laufen zu lassen und die eigene Mannschaft wieder in eine bessere Angriffsposition zu bringen. Was die Bayern da zwischen dieser 27. und 29. Minute darboten, das war die ganz große Klaviatur von Pressing, Gegenpressing, Tiqui-Taca und Fantasie, es war, wenn auch nur diese zwei Minuten lang: nahe am perfekten Fußball. Es schien, dass die Spieler den „Voetball Total“ der Holländer und des FC Barcelona, das „Tiqui-Taca“-Positionsspiel der Spanier, die Pressing- und Raumverknappungsideen Arrigo Sacchis und das Streben nach totaler Spieldominanz Pep Guardiolas, also all die Lehren des modernen Fußballs, aufgesogen und miteinander kombiniert hätten und diesen zum Schluss noch das uritalienische Stilmittel des ständigen Tempo- und Rhythmuswechsels untergerührt hätten.Dass die Münchner in der zweiten Halbzeit zwei Gänge zurückschalteten und zumindest peripher wieder in Erinnerung riefen, dass sie erst vor einer Woche zu Recht von Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge wegen ihrer Larifari-Einstellung angegangen worden waren: Geschenkt! Nach dieser Partie konnte auch Rummenigge nicht meckern. „In der ersten Halbzeit war das vielleicht unsere beste Saisonleistung, da kann man auch mal loben - aber aus Erfahrung nicht zu viel“, sagte er. Auch Trainer Carlo Ancelotti zeigte sich „sehr happy mit der Leistung und Intensität“, außerdem lobte er vor allem das Positionsspiel und die Balance zwischen Defensive und Offensive. „Wir sind nicht in Konter gelaufen, das war wirklich gut.“Gladbachs Trainer André Schubert entschuldigte die Leistung seiner Spieler zwar damit, dass diese „körperlich und auch mental leider nicht in der Lage“ gewesen wären, dagegenzuhalten. Doch dass dem Champions-League-Teilnehmer bis auf einen zu hoch angesetzten Schuss Fabian Johnsons (8.) in der ersten Halbzeit nichts Zählbares gelang und sie nicht mal wirklich aus ihrer eigenen Hälfte herauskamen, hatte tatsächlich noch mehr mit den Münchnern zu tun, die eindrucksvoll bewiesen, wie man Gegner zerstören kann. Der diesmal erst in der zweiten Halbzeit eingewechselte Joshua Kimmich formulierte diese Fähigkeit so: „Wir sind so stark, dass wir bestimmen können, wie stark der Gegner ist.“ Als arrogant kann diesen Satz nur auslegen, der die erste Halbzeit dieser Partie, der diese rauschhaften zwei Minuten der Bayern nicht gesehen hat.

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