Zwischen Macho und Softy - Die „bewegten Männer“

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Deutsche Presse-Agentur

Zugleich stark und sensibel, Muskelprotz und Softy, erfolgreich im Job und doch schon mittags zu Haus: Der „bewegte Mann“ lebt im Spagat zwischen traditionellen und modernen Werten.

Das ist das Ergebnis einer Studie von katholischer und evangelischer Kirche, die das Ministerium von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) finanziert hat. Nur jeder fünfte deutsche Mann bevorzugt demnach in Partnerschaft und Familie den modernen Weg mit Vätermonaten und Berufstätigkeit der Frau. Jeder Vierte dagegen hängt noch immer traditionellen Rollenklischees nach.

Dennoch sagt von der Leyen: „Es geht Bewegung durch die Männerwelt.“ Persönlich halte sie „moderne Männer für ganz spannend“ - und findet sie an der Bioladen-Kasse, mit dem Kinderwagen auf dem Spielplatz und im Kaufhaus am Wickeltisch. Doch nur 19 Prozent der deutschen Männer sind wirklich derart „modern“ - also für Elternzeit und Vätermonate, für Gleichberechtigung in der Kindererziehung und gegen die „Frau am Herd“.

„Es wächst eine neue Generation der Väter heran“, sagt auch der Wiener Theologe und Mitautor der Studie „Männer in Bewegung“, Paul Zulehner. Doch die neue Generation wächst langsam. Der Prozentsatz der „modernen“ Männer ist in den vergangenen elf Jahren kaum gestiegen. Bei der ersten Männerstudie wurden 1998 rund 17 Prozent als „modern“ eingestuft, heute sind es gerade zwei Prozentpunkte mehr. Trotzdem verändert sich die Männerwelt, meinen von der Leyen und Zulehner: „Denn auch die traditionellen Männer lernen, alternative, neue Modelle zu akzeptieren.“

So haben in der aktuellen Studie nur noch 54 Prozent der 1470 Befragten zugestimmt, dass Frauen im Kindererziehen von Natur aus besser sind als Männer. Vor elf Jahren waren es noch 65 Prozent. Die Ansicht, ein Kleinkind leide unter der Berufstätigkeit der Mutter, vertreten heute 38 Prozent der Männer, ganze 18 Prozentpunkte weniger als noch 1998. Gleichzeitig aber empfindet es immer noch jeder vierte Mann als Zumutung, für die Kinderbetreuung zu Hause zu bleiben. Die meisten Männer können sich also nicht entscheiden, ob sie modern oder traditionell sein wollen. Diese „Rosinenpicker“, wie Zulehner sagt, suchen sich aus beiden Wertewelten aus, was ihnen am besten passt.

„Spannend“ findet von der Leyen vor allem den Wandel in der Einstellung zur Ehe. Denn Ehe ist „gerade bei modernen Männern nicht out“, wie Zulehner bestätigt. Jeder dritte traditionelle Mann, für den Ehe laut von der Leyen noch immer „patriarchalisch“ ist, bezeichnet den Lebensbund zwar als „überholt“. Bei moderne Männern aber, die ihre Partnerschaften „auf Liebe und Respekt statt Abhängigkeit“ aufbauten, sei die Ehe „in“: Für nur 13 Prozent von ihnen hat die Ehe keine Zukunft.

Doch was, wenn die Einstellungen von Männern und Frauen immer weiter auseinanderdriften? „Es gibt deutlich mehr moderne Frauen als moderne Männer“, erklärt Zulehner. Beziehungen zwischen stockkonservativen Männern und fortschrittlichen Frauen könnten schwierig werden, meint er. „Und jeder kann sich ausmalen, was das dann für den Heiratsmarkt bedeutet.“

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