Zweifel an „Phantom von Heilbronn“

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Deutsche Presse-Agentur

Ein Gütesiegel für DNA-Analysen fordert der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) nach der wahrscheinlichen Panne bei der Fahndung nach dem „Phantom von Heilbronn“.

Das Stuttgarter Landeskriminalamt untersucht jetzt, ob Wattestäbchen, mit denen Spuren an Tatorten gesichert wurden, schon vorher mit DNA verunreinigt waren. Für Baden-Württembergs Justizminister Ulrich Goll steht jedoch so gut wie fest: Die „Frau ohne Gesicht“, nach der europaweit gesucht wurde, hat es nie gegeben.

Die Serienverbrecherin sollte unter anderem für den Tod einer Polizistin in Heilbronn verantwortlich sein. Nach Ansicht von Goll könnte sich die Ermittlungspanne auf die Verlässlichkeit von Gentests auswirken. Während Goll das Rätsel um das „Phantom“ als gelöst ansieht, hält Innenminister Heribert Rech voreilige Schlüsse für nicht angebracht. „Wir müssen das Ergebnis der Ermittlungsbehörden abwarten“, sagte er. Die Möglichkeit einer Verunreinigung von Wattestäbchen werde schon seit April 2008 intensiv untersucht. „Ich mache der Polizei keinerlei Vorwürfe“, sagte Rech.

Der Sprecher des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK), Bernd Carstensen, sagte den Stuttgarter Nachrichten (Donnerstagausgabe), die Hersteller des Zubehörs für die DNA-Proben sollten den Packungen DNA-Merkmale der beteiligten Mitarbeiter als Code beilegen. Damit könnte diese Spur gleich ausgeschlossen werden.

Die Zweifel an der Echtheit der DNA-Proben und damit der Existenz einer Serientäterin gehen auf einen Leichenfund im Saarland zurück. Wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Saarbrücken am Donnerstag mitteilte, sollten die DNA-Spuren eines unbekannten Toten und die eines vermissten Asylbewerbers verglichen werden. Dazu sei Gen- Material aus Fingerabrücken herausgearbeitet worden, die der Asylbewerber hatte abgeben müssen. Dabei seien Spuren des „Phantoms“ aufgetaucht.

„Das konnte einfach nicht sein“, sagte der Sprecher. Denn die DNA des „Phantoms“ ist nach bisherigen Erkenntnissen weiblich. Mit einem „garantiert DNA-freien“ Wattestäbchen sei dann ein Gegentest gemacht worden. Das Ergebnis: „Plötzlich war die DNA des "Phantoms" nicht mehr da. Das ließ ja zumindest den begründeten Schluss zu, das Untersuchungsmaterial ist irgendwie nicht in Ordnung.“

Das „Phantom“ wurde mit mehreren Morden und zahlreichen Einbrüchen in Verbindung gebracht. Die DNA der unbekannten Frau war an 40 Tatorten gefunden worden. Unter anderem soll sie im April 2007 in Heilbronn eine 22 Jahre alte Polizistin kaltblütig erschossen haben. Für ihre Ergreifung wurde eine Belohnung von 300 000 Euro ausgesetzt.

„Für die Anwendung von DNA-Tests ist das natürlich nicht schön“, sagte Justizminister Goll zu der Panne. Eine Gefahr, dass Unschuldige verurteilt wurden oder werden, sehe er aber nicht. Auch nach Ansicht der Gewerkschaft der Polizei (GdP) stellt die mögliche Panne die DNA- Analysen nicht grundsätzlich infrage. „Es ist nahezu auszuschließen, dass aufgrund einer solchen Panne tatsächlich jemals ein Unschuldiger für eine Tat verurteilt wird, die er nicht begangen hat“, sagte der GdP-Vorsitzende Konrad Freiberg.

„Aktuell sind wir dabei, den Vertriebsweg der Wattestäbchen nachzuvollziehen, um festzustellen, wo eine DNA-Verunreinigung stattgefunden haben könnte“, sagte der Leiter des Kriminaltechnischen Instituts des Landeskriminalamts, Werner Kugler. Die infrage kommenden Wattestäbchen seien aus dem Ausland importiert worden. Die Kunststoffröhren und der dazugehörige Deckel würden aber in Deutschland produziert. Eine Zuliefererfirma in Deutschland füge die Einzelteile zusammen.

„Dort sind gerade Kollegen, um herauszufinden, ob das Zusammenfügen der Teile automatisch oder händisch passiert“, sagte Kugler. Es könnte sein, dass eine Mitarbeiterin die Wattestäbchen beim Zusammenfügen mit ihrer DNA verunreinigte. „Ein sicherer Ausschluss ist nur durch eine Vergleichsspeichelprobe möglich.“ Die ersten Ergebnisse gebe es Anfang nächster Woche.

Bericht: Tatjana Bojic, dpa

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