Zuschuss für Befruchtung? Einige Länder prüfen

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Deutsche Presse-Agentur

Hoffnung für ungewollt kinderlose Paare: Nordrhein-Westfalen und Hessen prüfen eine finanzielle Unterstützung für künstliche Befruchtungen, mehrere Länder fordern eine bundesweite Regelung.

Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse- Agentur dpa in Berlin. Als erstes Bundesland zahlt Sachsen ungewollt kinderlosen Ehepaaren von diesem März an für die zweite und dritte Behandlung eine Pauschale von jeweils bis zu 900 Euro, für die vierte bis zu 1800 Euro. „Ich hoffe, viele Länder schließen sich unserem guten Vorbild an“, hatte Sozialministerin Christine Clauß (CDU) gesagt.

Lob kommt aus Nordrhein-Westfalen. „Die sächsische Idee ist begrüßenswert“, ließ Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) in Düsseldorf mitteilen. „Wir werden die Erfahrungen in Sachsen genau beobachten und gegebenenfalls Konsequenzen für Nordrhein-Westfalen daraus ziehen.“ Auch Hessen prüft dies laut Gesundheitsministerium in Wiesbaden.

Seit 2004 werden künstliche Befruchtungen von Krankenkassen nur noch zur Hälfte, ab der vierten Behandlung gar nicht mehr finanziert. Den Rest - pro Zyklus bis zu 2000 Euro - müssen Paare selbst bezahlen. Die Zahl dieser Befruchtungen sank um rund 50 Prozent - mehrere tausend Kinder weniger werden jährlich geboren. Der Bundesrat forderte auf Antrag des Saarlands, Sachsens und Thüringens schon im Sommer wieder die volle Übernahme durch die Kassen.

Mehrere Länder machen jetzt verstärkt Druck für eine einheitliche Regelung - mit dem Argument, es drohe ein Flickenteppich von Land zu Land. „Der Bund ist in der Pflicht“, heißt es in Thüringen. Ähnlich äußerten sich das Saarland und Berlin. Die niedersächsische Sozialministerin Mechthild Ross-Luttmann (CDU) sagte, am liebsten sähe sie eine Komplett-Erstattung durch die Kassen. Erst nach dem dritten erfolglosen Versuch sei eine 50-Prozent-Beteiligung der Eltern vorstellbar.

Mecklenburg-Vorpommerns Sozialministerin Manuela Schwesig (SPD) forderte dagegen eine Finanzierung aus Steuermitteln. Das Bundesfamilienministerium sei gefragt. Ein Sprecher von Brandenburgs Gesundheitsressort sagte: „Wir könnten uns eine Lösung vorstellen, die für sozial bedürftige Paare finanzielle Hilfen - zum Beispiel aus einem Fonds - vorsieht.“

Auch Bayern und Sachsen-Anhalt sprachen sich für eine bundeseinheitliche Lösung aus. Baden-Württembergs Sozialministerin Monika Stolz (CDU) verwies auf andere Mittel gegen den um sich greifenden Kindermangel: Kinderbetreuung und Landeserziehungsgeld. Eine Absage an eine Förderung wie in Sachsen erteilten Bremen, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein.

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