Zeitzeugen des Mauerfalls schildern ihre Erlebnisse

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 CDU-Wahlkreisabgeordneter Axel Müller (hinten Mitte) mit seinen Gästen aus dem Allgäu und Oberschwaben in der Kuppel des Reichs
CDU-Wahlkreisabgeordneter Axel Müller (hinten Mitte) mit seinen Gästen aus dem Allgäu und Oberschwaben in der Kuppel des Reichstagsgebäudes. (Foto: Bundesbildstelle)
Schwäbische Zeitung

Auf Einladung des CDU-Bundestagsabgeordneten Axel Müller haben 50 Allgäuer und Oberschwaben vom 9. bis 12. November an einer politischen Informationsfahrt nach Berlin teilgenommen. Die Gäste aus Müllers Wahlkreis Ravensburg hatten Gelegenheit, sich sowohl über Politik und Geschichte, als auch über die Entwicklung seit dem Mauerfall in der Bundeshauptstadt eingehend zu informieren, teilt Müller mit.

Das Programm beinhaltete unter anderem Führungen im ehemaligen zentralen Stasi-Gefängnis im Stadtteil Hohenschönhausen, in der Gedenkstätte Berliner Mauer in der Bernauer Straße und im Bundeskanzleramt. Dazu kamen Besuche im Deutschen Bundestag, in der Landesvertretung Baden-Württemberg, im Dokumentationszentrum „Topographie des Terrors“, im Denkmal für die ermordeten Juden Europas sowie eine Stadtrundfahrt.

Erlebnisse eines DDR-Flüchtlings

Ein Höhepunkt der Reise sei das Zeitzeugengespräch mit Hartmut Richter in der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen gewesen. Wie kaum ein anderer könne er über den Mauerbau, Grenzerfahrungen, politische Verfolgung in der DDR, Flucht, Fluchthilfe und Häftlingsfreikauf berichten. Mit der Schilderung seiner Erlebnisse und seinen Antworten auf gestellte Fragen habe er die Zuhörer in den Bann gezogen, heißt es.

Nachdem Hartmut Richter als Teenager den Mauerbau erlebt hatte, gelang sein zweiter Fluchtversuch in der Nacht vom 26. auf den 27. August 1966 durch den Teltow-Kanal. In den Folgejahren war er als Fluchthelfer aktiv und brachte 33 Menschen in den Westen. Als er beim Versuch, seine Schwester aus der DDR heraus zu holen, ertappt wird, wird Richter wegen „staatsfeindlichem Menschenhandel“ zu 15 Jahren Haft verurteilt. Nach fünf Jahren Haft wird er von der Bundesrepublik freigekauft und ist seitdem als Zeitzeuge und Referent in ganz Deutschland aktiv.

Ehemalige Inhaftierte berichten

Nachhaltige Eindrücke haben die Berlinbesucher, darunter Altlandrat Kurt Widmaier, der Leiter der Autobahndirektion Wangen und viele im Ehrenamt Verdiente, laut Mitteilung auch von der Führung durch das ehemalige zentrale Untersuchungsgefängnis der Stasi mitgenommen. Dort zu DDR-Zeiten inhaftierte Zeitzeugen schilderten aus eigener, leidvoller Erfahrung die zermürbenden Isolations- und Verhörmethoden der Stasi. Direkt im Anschluss konnte sich die Gruppe bei der Führung durch die Gedenkstätte Berliner Mauer über die Biografien der 140 belegten Mauertoten informieren.

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