Zeitung: Vatikan spricht von Komplott gegen Papst

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Deutsche Presse-Agentur

Der Vatikan hält das Interview mit der Holocaust-Leugnung des Bischofs Richard Williamson nach Zeitungsangaben für ein „gezieltes Komplott“ des schwedischen TV-Senders SVT.

Die Stockholmer Zeitung „Svenska Dagbladet“ berichtete am Mittwoch unter Berufung auf religiöse Kreise in Rom, dass das Interview in einem internen Vatikan-Report als „bewusst gestellte Falle für Seine Heiligkeit Benedictus XVI.“ eingestuft werde. Demnach habe der TV-Sender das Interview mit Williamson bewusst am 21. Januar drei Tage vor der länger feststehenden Rücknahme der Exkommunizierung Williamsons und drei weiterer Bischöfe ausgestrahlt, um dem Papst so stark wie irgend möglich zu schaden.

Weiter hieß es, die Informationen über Williamsons früher in Kanada gemachten, aber nicht dokumentierten Äußerungen mit der Leugnung des Holocaust seien dem schwedischen Sender von der „sehr bekannten französischen Aktivistin und Lesbierin“ Fiametta Venner zugespielt worden. Der für das Williamson-Interview verantwortliche schwedische Journalist Ali Fegan nannte die Komplott-Theorie falsch und „beklemmend“. Man habe bei einem in Deutschland geplanten Interview mit einem schwedischen Priester aus der als erzkonservativ und antisemitisch geltenden Piusbruderschaft ein Interview mit Williamson angeboten bekommen und dabei nichts von dessen geplanter Wiederaufnahme in die katholische Kirche gewusst.

Williamson hatte in dem Interview am Rande einer Priesterweihe in Bayern für die Serie „Uppdrag granskning“ bestritten, dass es Gaskammern zur Tötung von Juden gegeben habe. Er behauptete weiter, dass im Zweiten Weltkrieg höchstens 200 000 bis 300 000 Juden umgekommen seien. Fegan meinte über die unmittelbaren Folgen dieser Äußerungen, Williamson habe erst nach dem Interview begriffen, was er vor der laufenden Kamera gesagt habe und sei „finster geworden“. Fegan sagte: „Da saßen wir in einem Schloss auf dem deutschen Land, auf einem Flur und umgeben von mehr als hundert Priestern. Die Stimmung wurde sehr unangenehm.“

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