Die Zahl der adipösen Kinder in der Region sinkt.
Die Zahl der adipösen Kinder in der Region sinkt. (Foto: Symbol Waltraud Grubitzsch/dpa)
Schwäbische Zeitung

Die Zahl der stark übergewichtigen Kinder in der Region Bodensee-Oberschwaben ist seit einigen Jahren leicht rückläufig. Im Jahr 2014 waren 2,1 Prozent der Versicherten im Landkreis Sigmaringen im Alter bis 12 Jahre an Adipositas erkrankt, 2018 waren es 1,7 Prozent. Im Bodenseekreis sank die Rate im gleichen Zeitraum von 2,2 Prozent auf 1,9 Prozent. Im Landkreis Ravensburg stagniert sie bei 2,2 Prozent. Das teilt die Krankenkasse AOK mit.

Doch Roland Beierl, Geschäftsführer der AOK – Die Gesundheitskasse Bodensee-Oberschwaben, betont: „Die sinkenden Werte geben leider noch keinen Grund zur Entwarnung, bedeuten sie doch, dass im Jahr 2018 in der Region Bodensee-Oberschwaben 490 Kinder an Adipositas erkrankt waren.“ Zudem sei anzunehmen, dass die Dunkelziffer um einiges höher liege, da in die Statistik nur die Kinder eingehen, die sich tatsächlich in ärztlicher Behandlung befanden.

Gerade in Zeiten der Corona-Pandemie sei die Gefahr groß, zu Hause aus Frust und Langeweile zu Süßigkeiten und Snacks zu greifen. Der Internationale Süßwarenhandelsverband habe bei den Verkäufen von Süßwaren in den vergangenen Wochen ein zweistelliges Plus verzeichnet, schreibt die AOK. Doch auch in gewöhnlichen Zeiten sei der Zuckerkonsum der Bevölkerung hoch.

In einer repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag der AOK Baden-Württemberg gaben im Jahr 2017 89 Prozent der befragten Baden-Württemberger an, mindestens einmal pro Woche Süßigkeiten, Süßspeisen oder süßes Gebäck zu verzehren, 22 Prozent davon sogar täglich. „Die Häufigkeit allein ist nicht entscheidend, sondern die Menge. Zu viel Zucker kann zu Übergewicht und Karies führen und in Verbindung mit Bewegungsmangel auch Diabetes begünstigen“, wird Roland Beierl zitiert.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfehle Erwachsenen eine tägliche Zuckerzufuhr von maximal 50 Gramm und Kindern 25 Gramm. Der tägliche Zuckerverbrauch in Deutschland beträgt jedoch durchschnittlich 90 Gramm pro Person – meist versteckt in Lebensmitteln wie Müsli, Fruchtjoghurt, Tiefkühlpizza, Säften oder Saucen. „Die Besteuerung von Lebensmitteln mit zugesetztem Zucker könnte ein Ansatz zur Verringerung deren Konsums sein“, sagt Roland Beierl. „So könnte das Ernährungsverhalten der Bevölkerung verbessert und Übergewicht präventiv begegnet werden.“

Doch vor allem könne auch jede Familie zu Hause dem Übergewicht bei Kindern vorbeugen. „Es ist wichtig, dass Eltern ihren Kindern gesunde Ernährung vorleben. Beim Einkaufen oder gemeinsamen Zubereiten von Speisen können schon kleinere Kinder mithelfen und dabei gesunde Lebensmittel kennenlernen“, sagt Beierl.

Auf Fertigprodukte sollte im Speiseplan hauptsächlich verzichtet und stattdessen frisch gekocht werden. Ergänzend ist ausreichend Bewegung nötig. Gerade in Zeiten von ausgefallenem Sportunterricht, fehlenden Freizeitangeboten und eingeschränkten Bewegungsmöglichkeiten sollten die Eltern darauf achten, dass sich ihre Kinder zu Hause oder im Freien ausreichend bewegen, heißt es in der Pressemitteilung.

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