Ypsilanti gibt alle SPD-Ämter auf

Lesedauer: 3 Min
Deutsche Presse-Agentur

Nach ihrer historischen Wahlniederlage steht die hessische SPD vor einem personellen Neuanfang. Nur rund 20 Minuten nach Schließung der Wahllokale trat Andrea Ypsilanti als Vorsitzende der Landespartei und der Landtagsfraktion zurück.

Die bei ihrem Linkskurs zweimal am Widerstand in den eigenen Reihen gescheiterte SPD-Chefin schlug den Spitzenkandidaten Thorsten Schäfer-Gümbel als ihren Nachfolger in beiden Funktionen vor. Der Wahlkämpfer erklärte sofort seine Bereitschaft zur Übernahme der Positionen.

Schon kurz vor der Wahl hatten zudem Generalsekretär Norbert Schmitt und Schatzmeisterin Hildegard Pfaff ihren Abschied angekündigt. Vakant ist auch einer der drei stellvertretenden Landesvorsitzenden-Posten. Ihn hatte der Ypsilanti-Gegner Jürgen Walter im November niedergelegt.

Ypsilanti bezeichnete das Abschneiden der SPD als schwere Niederlage und übernahm die Verantwortung dafür. Die Partei hat bei der zweiten Wahl innerhalb eines Jahres etwa 13 Punkte verloren - so viel wie noch nie in Hessen - und kommt nach Hochrechnungen nur noch auf 23,8 bis 23,9 Prozent (2008: 36,7). Damit wurde auch das bisher schlechteste Ergebnis der SPD aus dem Jahr 2003 mit dem Spitzenkandidaten Gerhard Bökel deutlich unterboten. Er war noch auf 29,1 Prozent gekommen.

„Ein Teil der Wähler hat uns nicht verziehen, dass wir im November 2008 kein parlamentarische Mehrheit für einen Regierungswechsel hinbekommen haben und ein anderer Teil war enttäuscht, dass wir den Weg zu einer Minderheitsregierung bestreiten wollten“, erklärte Ypsilanti. „Wir werden dieses Ergebnis aufarbeiten müssen.“

Nach Untersuchungen der Forschungsgruppe Wahlen hatte Ypsilantis Politik der SPD einen massiven Ansehensverlust eingebracht. Für die großen Stimmenverluste wird vor allem Ypsilanti selbst verantwortlich gemacht: 82 Prozent aller Wähler geben der Forschungsgruppe zufolge ihr daran sehr viel oder viel Schuld, selbst unter den SPD-Anhängern meinen dies 70 Prozent. Ihr Nachfolger Schäfer-Gümbel und SPD-Parteichef Franz Müntefering sprachen von einer „Denkzettelwahl“, die mit der Situation der SPD im Bund nicht viel zu tun habe.

Die SPD verlor in allen Altersgruppen im zweistelligen Bereich mit Ausnahme der Wähler über 60 Jahren. In den jüngsten Altersgruppen sind die Stimmenanteile für die SPD fast nur noch halb so groß wie vor einem Jahr. Bei Verlusten von 20 Prozentpunkten bei den Wählern unter 30 Jahren kommt sie hier nur noch auf 22 Prozent.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen