Wolfgang Ischinger - Krisenmanager und USA-Freund

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Deutsche Presse-Agentur

Mit Krisen kennt sich Wolfgang Ischinger aus. Er war mit dem US-Diplomaten Richard Holbrooke am Friedensabkommen von Dayton für Bosnien-Herzegowina und später am Balkan-Stabilitätspakt beteiligt.

Er engagierte sich bei den NATO-Russland-Verhandlungen und für die Lösung des Kosovo-Konflikts. Mit Ischinger hat die Münchner Sicherheitskonferenz einen Leiter bekommen, der den Dialog sucht und schon selbst größte Gegner auf Kompromiss einschwören konnte. Die international hochkarätig besetzte Konferenz will er zu einem „Ort der Krisenprävention“ machen.

Seine Devise: Reden ist Gold. Es könne sein, dass der Dialog mit dem Gegner nichts nütze - „aber falsch kann er nie sein“, sagt der Diplomat. Der 62-Jährige ist ein Mensch, der zuhören kann und will. Kritiker fragt er nach ihren Vorschlägen. Er wird geschätzt für unkonventionelle Konfliktlösungen und analytischen Verstand.

Ischinger wurde am 6. April 1946 in Nürtingen in Baden-Württemberg geboren. Er ist Jurist und Völkerrechtler, studierte in Bonn, Genf und in den USA. 1973 übernahm er seinen ersten diplomatischen Job - im Kabinett des damaligen UN-Generalsekretärs Kurt Waldheim. Zwei Jahre später kam er zum Auswärtigen Amt und stieg schnell in die Sicherheitspolitik ein. Er diente den Außenministern von FDP, Grünen und SPD. 1998 wurde er unter Joschka Fischer (Grüne) Staatssekretär.

2001 ging er als Botschafter nach Washington - eine schwierige Zeit für den Amerika-Kenner und -Freund, weil das deutsch- amerikanische Verhältnis wegen der Auseinandersetzung über den US- geführten Irak-Krieg Schaden nahm. Auf der Münchner Konferenz 2004 ging Ischinger wegen dieses Krieges offen auf Konfrontation zum damaligen - anwesenden - US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld. Über die Wahl von Barack Obama zum neuen US-Präsidenten zeigte sich Ischinger öffentlich „persönlich berührt und beeindruckt“.

2006 wechselte Ischinger als Botschafter nach London. 2008 wurde er neuer Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz. Seit vorigen Mai ist außerdem Generalbevollmächtigter für Regierungsbeziehungen des Versicherungskonzerns Allianz. Er soll das Unternehmen bei der Marktöffnung in Asien, Russland und den USA beraten. Zu seinen Hobbys zählt der Vater von drei Kindern Skifahren, Bergsteigen und Fliegen.

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