Wohnungsbauprogramm für Vögel: Nistkästen zimmern

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Deutsche Presse-Agentur

In vielen Regionen Deutschlands herrscht Wohnungsnot - das gilt nicht nur für Menschen, in Großstädten wie München oder Hamburg keine bezahlbare Bleibe finden. Auch in der Vogelwelt ist vielerorts der Wohnraum knapp.

Denn der natürliche Lebensraum heimischer Vögel wird immer mehr eingeschränkt wird und diese kaum noch Plätze zum Nestbau finden. Dem können Gartenbesitzer entgegenwirken, indem sie ein Wohnungsbauprogramm für Piepmätze auflegen und ihnen passende Nistkästen zimmern.

Dass die natürlichen Nistplätze für viele Vogelarten rar werden, liegt nach Angaben des Landesbunds für Vogelschutz in Bayern (LBV) daran, dass es nur wenige lichte Wälder oder Landschaften mit vielen Bäumen und hohem Totholzanteil gibt - der ursprüngliche Lebensraum heimischer Gartenvögel. Totholz biete neben Nistmöglichkeiten auch viele Insekten als Nahrung, so der LBV im bayerischen Hilpoltstein.

In Parks und Wäldern werden alte und morsche Bäume jedoch häufig abgeholzt, so der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Berlin. Auch Kopfweiden und Streuobstwiesen verschwinden vielerorts, und Häuser würden immer dichter aneinandergebaut. Vielen Vögeln fehlt so der natürliche Platz zum Nestbau. Diesem Mangel können Gartenbesitzer gegensteuern, indem sie Nisthilfen aufhängen.

Allerdings ist es nicht damit getan, irgendeinen Vogelkasten in den nächstbesten Baum zu hängen. „Die Frage ist: Was passt?“, sagt Markus Nipkow, Vogelschutzexperte beim Naturschutzbund (NABU) in Berlin. „Nicht überall macht jeder Kasten Sinn.“ So komme nicht jede Vogelart in jeder Gegend vor. Eine Steinkauz-Röhre etwa mitten in der Großstadt aufzuhängen, sei Blödsinn, weil es diese Greifvögel dort gar nicht gibt - ihr Lebensraum ist offenes, spärlich bewaldetes Gelände. Ein Tipp sei daher, zunächst zu beobachten, welche Vögel im eigenen Garten herumfliegen. Denn jede Vogelart stellt eigene Ansprüche an die Beschaffenheit einer Nisthilfe. Die Meise ist zum Beispiel mit dem klassischen Vogelkasten zufrieden. Rotkehlchen brüten in Halbhöhlen, und der Star braucht einen Kasten mit deutlich größeren Abmessungen und einem größeren Einflugloch.

Über dessen Durchmesser beeinflussen Kastenbauer, welche Vogelart einzieht: „Mit kleinen Fluglochgrößen kann man die kleinen Vogelarten gezielt fördern“, erklärt der LBV. Umgekehrt könnten kleine Arten wie Meisen oder Kleiber auch große Kästen nutzen. Blaumeisen brauchen ein Einflugloch von 26 bis 28 Millimetern Durchmesser. Für die Kohlmeise müssen es 32 bis 34 Millimeter sein. Der Gartenrotschwanz benötigt 47 Millimeter, der Star 50 Millimeter.

Spezielle Nisthilfen brauchen auch Schwalben und Fledermäuse. Schwalben bauen ihr Nest auf einem an der Hauswand angebrachten Stützbrett. Fledermäuse benötigen einen schmalen Kasten mit Einflugöffnung an der Unterseite und Rillen an der inneren Rückseite - damit sie sich tagsüber zum Schlafen daran festkrallen können.

Als Baumaterial kommen laut Markus Nipkow nur unbehandelte Hölzer von Fichte, Tanne oder Buche in Frage. Die Bretter sollten 20 Millimeter dick sein. Es empfiehlt sich, Seitenteile, Dach und Boden miteinander zu verschrauben, anstatt zu nageln. Dadurch lassen sich die Kästen später leichter zum Reinigen öffnen. Als äußerer Schutz vor Verwitterung empfiehlt Nipkow einen Anstrich mit Leinöl. Holzschutzmittel seien tabu, um die Tiere nicht zu gefährden.

Beim Aufhängen im Garten sind ebenfalls einige Punkte zu beachten. Grundsätzlich gilt, Nistkästen so anzubringen, dass Katzen oder Marder nicht herankommen, so der LBV. Kommt der Kasten in einen Baum, sollte eine Manschette angebracht werden, damit die Räuber nicht zum Kasten hinaufgelangen. Bei Nisthilfen für Singvögel reicht als Position die Augenhöhe. Für andere Arten empfiehlt der LBV eine Höhe von etwa 2,8 bis 3,5 Metern, für größere Tiere sogar von 4 bis 6 Metern. Wichtig ist dem BUND zufolge, dass ein Nistkasten vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt und deshalb nach Osten oder Südosten ausgerichtet aufgehängt wird.

Bayerischer Landesbund für Vogelschutz: www.lbv.de

Naturschutzbund Deutschland NABU: www.nabu.de

Nistkästen sollten einmal pro Saison gereinigt werden. In den verlassenen Nestern leben Parasiten wie Vogelflöhe, Milben und Zecken, die sonst im Frühjahr die neue Vogelbrut befallen. Der geeignete Zeitpunkt zum Kästensäubern ist laut dem Naturschutzbund (NABU) in Berlin im September, wenn der letzte Vogelnachwuchs die Nistkästen verlassen hat. Wer es im Herbst nicht mehr schafft, kann die Kästen auch erst zum Winterende, unmittelbar vor der nächsten Brutzeit, reinigen. Bei der Reinigung reicht es, den Kasten gründlich auszufegen. Reinigungs- und Desinfektionsmittel sind tabu.

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