Wohnen nach Maß - Einbaumöbel passen sich ein

Lesedauer: 7 Min
Deutsche Presse-Agentur

Aus deutschen Küchen sind sie längst nicht mehr wegzudenken: Einbaumöbel, die exakt in den Raum eingepasst sind. Doch auch in andere Räume der Wohnung halten die dekorativen Platzsparwunder mittlerweile Einzug.

Allerdings müssen sie genau geplant werden. Möbel, die vor einer Wand aufgereiht sind, ragen in den Raum und wirken leicht wie zufällig an dieser Stelle abgestellt, wie Fremdkörper. Ganz anders Einbaumöbel: „Sie treten dezent in den Hintergrund. Sie passen sich so nahtlos in den Raum ein, dass sie nicht mehr als Möbel wahrgenommen werden“, sagt Ulrich Hennes, Dozent an der Fachschule des Möbelhandels in Köln. Dadurch entsteht eine ruhige, harmonische und aufgeräumte Atmosphäre. „Einbaumöbel sind bei Puristen, bei Anhängern von klaren Fronten und großen Flächen besonders beliebt.“

Die klassischen Standorte von Einbaumöbeln sind Nischen und Ecken in den Räumen: Unter der Treppe, zwischen zwei Kaminen oder an der Giebelseite im Dachgeschoss werden Regale und Schranksysteme so eingebaut, dass eine glatte Front entsteht, hinter der sich Stauraum verbirgt. Vor allem im meist kleinen Flur ist das neben der Optik ein wichtiges zusätzliches Argument für Möbel nach Maß.

„Die Möbelindustrie liefert in derselben Zeit wie Standardmöbel auch maßgeschneiderte Produkte“, sagt Ursula Geismann vom Verband der Deutschen Möbelindustrie (VDM) in Bad Honnef. So hat sich beispielsweise der Hersteller Paschen aus Wadersloh in Nordrhein-Westfalen auf die Einrichtung von Bibliotheken spezialisiert.

Hülsta aus Stadtlohn und Interlübke aus Rheda-Wiedenbrück in Nordrhein-Westfalen bieten alle Varianten von Wohnwänden. Das Kastenmöbelprogramm „Stretch“ des Unternehmens Die Collection im baden württembergischen Buchen lässt sich sogar in der Breite verändern: So passt das Sideboard perfekt in die Lücke. In mancher Nische geht es auch ohne kompletten Möbelkorpus - Türen reichen als kostengünstige Lösung aus.

Klare Fronten entstehen nur dann, wenn Möbel und Architektur übergangslos miteinander verbunden sind. Dazu sind nicht nur exakte Maßanpassung, sondern auch gestalterische Mittel gefragt. „Vor einer weiß gestrichenen Giebelwand im Dachgeschoss wirkt eine noch so exakt eingepasste Kirschbaumregalwand immer wie ein Möbel“, nennt Hennes ein Beispiel. „Ist dieselbe Regalwand hingegen ebenfalls weiß gestrichen und womöglich noch verblendet, so ist der Übergang zwischen Möbel und Wand kaum noch erkennbar.“

Neben der Farbe trägt auch das Material entscheidend zur Harmonie bei. Finden sich im Raum viele Glasflächen, so können diese gut im Einbaumöbel aufgegriffen werden. Selbst ein Strukturputz oder eine Tapete lässt sich auf eine Möbelfront oder eine Tür applizieren. „In punkto Materialien ist die Vielfalt nahezu unbegrenzt: Holz, Metall, Glas oder auch Kunststoff kommen zum Einsatz“, sagt Johannes Kottjé, Innenarchitekt und Fachbuchautor aus Marktredwitz in Bayern.

Allerdings gibt es die exakt passende Lösung nicht immer von der Stange. „Wenn es darum geht, einzelne Einbaumöbel nach genauen Vorstellungen des Bauherrn zu realisieren, ist ein Schreinermeister - möglichst mit Erfahrung in diesem Bereich - der richtige Ansprechpartner“, rät Kottjé. Für die komplette architektonische Gestaltung des Raumes empfiehlt er dagegen einen Innenarchitekten oder Architekten.

Der künftige Möbelbesitzer ist damit auf der sicheren Seite: Die Fachleute kommen ins Haus und haben vielleicht noch jede Menge Ideen im Gepäck. Außerdem ist das Aufmaß für einen Laien eine große Herausforderung. Zwei Zentimeter zu viel oder zu wenig können verheerend sein. „Das überlässt man im Idealfall demjenigen, der später das Möbel aufbaut“, empfiehlt Hennes. „Damit habe ich als Kunde auch eine Garantie in der Hand.“

Der Möbelfachhändler berät in der Regel nicht in den eigenen vier Wänden. „Hier muss sich der Kunde so gut wie möglich selbst behelfen und sicherheitshalber mehrfach exakt nachmessen“, rät Geismann. Gute Hilfsmittel beim Gespräch im Fachgeschäft sind dann digitale Fotos und ein maßstabsgenauer Grundriss.

Mit einem passgenau für einen Standort erworbenen oder gefertigten Möbelstück legen sich die Bezieher auch fest: Umziehen ist damit nur selten möglich und sinnvoll. Darüber muss sich jeder, der häufiger die Wohnung wechselt, im Klaren sein: Wer viel Geld in Einbaumöbel investiert, verliert dies dann oft. Wenn man Glück hat, ist der neue Bewohner des bisherigen Domizils bereit, das Möbel zu übernehmen. Eine Abstandszahlung dürfte jedoch eher selten zu bekommen sein.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen