Wohn-Trends werden einfacher und authentischer

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Deutsche Presse-Agentur

Auf Porzellantellern rankt Farn, das Teesieb öffnet sich als Blüte und das Vollholzradio hat den Plastikkasten abgelöst. Mitten im Getümmel der Finanzkrise propagiert die weltgrößte Konsumgütermesse Ambiente eine neue Einfachheit und Rückkehr in den Schoß der Natur.

Die Zeiten von opulenter Üppigkeit und überbordendem Barock sind nach Angaben von Experten bei der Inneneinrichtung vorbei. Wie beim Einkaufen im Bio-Laden und dem Spritspar-Auto wollen die Konsumenten neuerdings auch bei Essgeschirr und Party-Mitbringseln ein gutes Gewissen haben.

„Es geht um Nachhaltigkeit - die Menschen kaufen weniger, aber dafür bessere Produkte“, sagt Ambiente-Sprecherin Kerstin Männer. In Frankfurt zeigen vom 13. bis 17. Februar 4466 Aussteller aus 86 Ländern die Trends bei Geschenken, Möbeln, Geschirr und Küchenutensilien. In einer turbulenten Zeit suchten die Menschen vermehrt in den eigenen vier Wänden oder dem Garten Ruhe und Halt. Das eigene Domizil solle mit hochwertigen Produkten Beständigkeit und Naturverbundenheit vermitteln. „Die Zeiten der Wegwerfgesellschaft sind vorbei“, sagt Männer.

„Slow motion statt fast forward“ (Zeitlupe statt Turbo-Tempo) fast die Designerin und Ambiente-Trendforscherin Claudia Herke das neue Lebensgefühl zusammen. Eine Welt mit unheimlich vielen Einflüssen und Informationen sei einerseits anregend, überfordere die Menschen aber auch zunehmend. In der Inneneinrichtung zeige sich das in Trends zu einer neuen Schlichtheit, gediegenen Designs und natürlichen Materialien wie Holz und Glas. „Die Leute nehmen sich wieder Zeit und entwickeln eine Bindung zum Produkt“, sagt Herke. Omas Erbstück ist damit genauso wieder zeitgemäß wie Handgemachtes und ökologisch Hergestelltes. Die Menschen wollten ihre innere Ruhe finden - auch im Essen und Wohnen.

Auf der neuen Serie eines Porzellan-Herstellers spreizen sich passend dazu grüne Palmwedel unter einer Schlangenhaut-Struktur. Dazu gibt es grüne Glasvasen oder Gläser mit Luftblasen-Einschlüssen. „Wenn die Zeiten schlecht sind, besinnt man sich wieder auf die Natur“, sagt Produktmanagerin Andrea Bröggelwirth. Mit dem Jutetaschen-Flair der alten Öko-Bewegung habe der neue Naturtrend aber nichts zu tun - statt auf Erd- und Schlammfarben setzen die Designer auf die Kombination von Grün und Weiß mit Knallfarben oder Metall.

Bei einem Hersteller von Plastikzubehör wuchern froschgrüne Ranken als Topfuntersetzer oder prangen bunte Blumen als Flaschenverschlüsse. Besonders umfangreich ist in diesem Jahr das Gartensortiment. „Die Leute entdecken ihren Garten wieder, wollen selbst anpflanzen oder mieten sich Schrebergärten“, sagt eine Unternehmens-Sprecherin. Was früher spießig war, sei plötzlich hip. „In einer sehr virtuell gewordenen Welt will man wieder etwas mit den eigenen Händen machen.“

Doch auch wenn man sich mit blumenüberwucherten Kaffeetassen, froschgrünen Gießkannen oder schlichten Holzbrettchen das Naturerlebnis ins traute Heim holen kann - viel davon ist mehr schöner Schein als Sein. Wirklich viele fair gehandelte oder ökologisch hergestellte Produkte sind auf der Ambiente trotz des neuen Trends noch nicht zu finden. „Wir haben nachweislich noch zu wenige Produkte, die diesen Kriterien entsprechen - aber viele sehen zumindest so aus“, sagt die Designerin.

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