Auf dieser Fläche an der B12 ist im Hergatzer Ortsteil Grod Kiesabbau angedacht.
Auf dieser Fläche an der B12 ist im Hergatzer Ortsteil Grod Kiesabbau angedacht. (Foto: Hip)
Ingrid Grohe

Fast eine Million Kubikmeter Wasser hat der Zweckverband Wasserversorgung Handwerksgruppe im vergangenen Jahr gefördert – Trinkwasser für 12 000 Menschen. „Es ist ein funktionierendes System, und das wollen wir schützen“, sagt Zweckverbandsvorsitzender Hans Kern.

Der Verband treibt einigen Aufwand, um den von der Firma Geiger geplanten Kiesabbau im etwa einen Kilometer von den Brunnen entfernten Grod zu stoppen – und fährt dabei mehrgleisig. Zwei Schreiben, die jüngst beim Landratsamt Lindau in der Sache eingingen und dem „Westallgäuer“ vorliegen, listen die Argumente auf, auf die er sich stützt. Demnach sei zu befürchten, dass durch den Kiesabbau ein Viertel des Grundwasserzustroms zu den Brunnen in Handwerks wegfällt.

Schon vor vielen Jahren haben die Allgäuer Kies- und Schotterwerke, die heute zur Geiger-Gruppe gehören, ein Auge auf die Kiesvorkommen bei Grod geworfen. Ebenso lang, wie das Unternehmen das Projekt vorbereitet, sammelt die Handwerksgruppe Belege für ihre Befürchtung, der Eingriff könnte Folgen für das Trinkwasservorkommen haben. Nachdem die Firma Geiger kürzlich ein Planfeststellungsverfahren angestoßen hat, um die Möglichkeit des Kiesabbaus auf der vorgesehenen Fläche neben der Oberen Argen zu klären, begründete jetzt der Wasserversorger Handwerksgruppe seine Einwendung gegenüber dem Landratsamt.

Laut einem in ihrem Auftrag erstellten hydrogeologischen Gutachten gibt es Strömungsverbindungen zwischen Grod und Handwerks, wo sich die beiden Brunnen des Zweckverbands befinden. Das Grundwasser aus dem Bereich Grod erreiche den östlichen der Brunnen (Brunnen drei) nach 60 Tagen, heißt es in der schriftlichen Einwendung zum Planfeststellungsverfahren. Und weiter: „Eine Offenlegung des Grundwassers durch die geplante Nassauskiesung im Gebiet Grod würde dazu führen, dass ein beträchtlicher Anteil des jetzigen Grundwasserzustroms zu den Brunnen (etwa 25 Prozent des Normalbetriebs) wegfällt.“ Zu befürchten seien zudem eine Verschlechterung der Sauerstoff-Verhältnisse am Förderwasser der Brunnen und eine Beeinträchtigung der Wasserqualität.

Das Gutachten mit diesen Erkenntnissen liegt dem Zweckverband schon seit gut einem Jahr vor. Er hat darum im Juli 2017 beim Landratsamt Lindau beantragt, ein deutlich größeres Wasserschutzgebiet festzusetzen als das bestehende, das aus dem Jahr 1997 stammt. Das neue Schutzgebiet würde die geplante Kiesabbau-Fläche enthalten. Jetzt legt die Handwerksgruppe nach und beantragt in einem Anwaltschreiben, das Landratsamt solle per vorläufiger Anordnung im betroffenen Gebiet „Aufschlüsse oder Veränderungen der Erdoberfläche, hier insbesondere Kiesgruben“ verbieten.

Der Zweckverband ist der Meinung, dass vor weiteren Schritten im Planfeststellungsverfahren zum Kiesabbau über das erweiterte Wasserschutzgebiet entschieden werden sollte. Nach Auffassung von Vorsitzendem Kern muss das Landratsamt die Planfeststellung verweigern, auch wenn das Projekt kein aktuell bestehendes Wasserschutzgebiet betrifft, „sondern bereits dann, wenn zu erwarten ist, dass eine solche Beeinträchtigung nach allgemeiner Lebenserfahrung oder anerkannten fachlichen Regeln wahrscheinlich ist.“

Stellungnahme nächste Woche

Auch die Firma Geiger hat Untersuchungen zur Hydrogeologie bei Grod und Handwerks anstellen lassen. Ein Unternehmensvertreter erläuterte sie vor Kurzem im Gemeinderat Hergatz und erklärte, der Brunnen vier genüge für die Trinkwasserversorgung. Brunnen drei sei langfristig ohnehin nicht für die Trinkwasserentnahme geeignet, dessen Verlegung daher die beste Lösung. „Dazu sehen wir überhaupt keine Veranlassung“, sagt dazu Hans Kern. „Die Grundwasserströme verlaufen laut Gutachten genau so. Einen Brunnen zu verlegen, wäre ein Experiment, dessen Folgen wir nicht abschätzen können.“

Mit zwei Stellungnahmen ist derzeit das Wasserwirtschaftsamt Kempten beschäftigt: einer zum Wasserschutzgebiet und einer zum geplanten Kiesabbau. Laut Amtsleiter Karl Schindele wird es zuerst auf den Kiesabbau eingehen. „Dabei wird auch eine fachliche Beurteilung des Wasserschutzgebiets enthalten sein“, kündigt Schindele an. Spätestens nächste Woche soll die Beurteilung beim Landratsamt eingehen.

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