Witwer will von Althaus Schadenersatz

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Deutsche Presse-Agentur

Der Salzburger Anwalt der Hinterbliebenen, Alexander Rehrl, sagte: „Der Ministerpräsident hätte so fahren müssen, dass er niemanden gefährdet. Das war anscheinend nicht der Fall. Deshalb wollen wir Schadenersatz fordern.“ Zur Höhe äußerte er sich nicht. Er gehe von einer außergerichtlichen Einigung aus. Andernfalls werde er eine Zivilklage anstreben.

Der österreichische Staatsanwalt Walter Plöbst erklärte im Magazin „Der Spiegel“, dass es nach Landesrecht bei einem tödlichen Unfall in jedem Fall zum Gerichtsprozess kommt, sobald von einer Teilschuld des Überlebenden auszugehen ist. Es gebe in solchen Fällen keine Möglichkeit, das Verfahren einzustellen. Dann müsste sich Althaus dem Bericht zufolge vor dem österreichischen Bezirksgericht Irdning wegen des Vorwurfs der fahrlässigen Tötung verantworten.

Die Schuldfrage soll aber erst noch durch Expertengutachten geklärt werden. „Die Gutachten von zwei Sachverständigen liegen noch nicht vor“, sagte Plöbst dem „Focus“. Der Unfallhergang soll mit den Sachverständigen auf der Skipiste rekonstruiert werden. „Voraussichtlich in etwa vier Wochen werden die Ermittlungen abgeschlossen sein, und dann entscheiden wir.“ Althaus selbst kann sich nach Auskunft des Staatsanwalts „überhaupt an nichts erinnern“.

Der Politiker war am Neujahrstag bei der Abfahrt von der Riesneralm in der Steiermark mit der 41-jährigen Beata C. zusammengestoßen. Die Frau starb auf dem Weg ins Krankenhaus, Althaus erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma. Er wurde am Freitag auf eigenen Wunsch in die Universitätsklinik Jena verlegt. Etwa acht bis zehn Tage soll Althaus noch im Krankenhaus versorgt werden. „Auch am Sonntag ist der Gesundheitszustand des Ministerpräsidenten weiter auf dem Weg der Besserung. Darüber hinaus werden die behandelnden Ärzte am Montag wieder informieren“, sagte Regierungssprecher FriedDahmen am Sonntag der dpa.

Sachverständige und Anwälte beider Parteien haben den Unfallort mittlerweile begutachtet. Laut „Spiegel“ gehen die Sachverständigen davon aus, dass Althaus entgegen der Fahrtrichtung links abgebogen, leicht bergauf gefahren und frontal mit der Frau zusammengestoßen sei. Der Anwalt des Ehemanns von Beata C. geht deswegen von einer Mitschuld des Politikers aus. Das ergebe sich zwangsläufig aus dem Unfallgeschehen.

Althaus' Anwalt in Österreich, Walter Kreissl, räumte im „Spiegel“ ein, dass der Ministerpräsident „nach Lage der Dinge ein Stück bergauf“ gefahren sei. Er wies aber darauf hin, dass ein Unfall sich auf Skipisten jederzeit ereignen könne. Althaus habe sich weder „rücksichtslos, ungewöhnlich noch auffällig“ verhalten.

Kanzlerin Angela Merkel und der gesamte CDU-Bundesvorstand sandten dem Ministerpräsidenten Genesungswünsche. „Wir wünschen Dieter Althaus alles Gute auf dem Weg der Besserung“, sagte Merkel bei der Vorstandsklausur in Erfurt. Beileid gelte der Familie der Frau, die bei dem Skiunfall ums Leben kam.

Die Thüringer CDU diskutiert nach Angaben von Landtagspräsidentin Dagmar Schipanski in der Frage der Spitzenkandidatur nicht über einen „Plan B“, obwohl offen sei, wann Althaus vollständig genesen ist. „Wir stehen dazu, dass (Finanzministerin Birgit) Diezel jetzt die Staatsgeschäfte übernommen hat.“ Was die CDU auf ihrem jüngsten Parteitag beschlossen habe, werde umgesetzt. Es gebe einen Plan der Regierung für das nächste halbe Jahr. Die CDU sei gut aufgestellt.

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