„Wir sind Kirche“ spricht von „Super-GAU“

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Deutsche Presse-Agentur

Die Rücknahme der Exkommunikation des Traditionalisten-Bischofs und Holocaust-Leugners Richard Williamson durch den Papst ist nach Überzeugung der Kirchenvolksbewegung „Wir sind Kirche“ „ein diplomatischer und kirchenpolitischer Super-GAU“.

„Wenn sich der Vatikan so lange um den Kontakt zur Priesterbruderschaft St. Pius bemüht, ist es schon eine große Unterlassungssünde, wenn er den Sachverhalt nicht gründlich prüft“, sagte der Sprecher von „Wir sind Kirche“, Christian Weisner, am Dienstag im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa in München. „Bei Befreiungstheologen sieht man sehr viel genauer hin“, ergänzte Weisner an die Adresse von Benedikt XVI..

„Was mich aber viel mehr ärgert, ist die Tatsache, dass diese Traditionalisten sich auch noch nach der Rücknahme der Exkommunikation antisemitisch äußern“, sagte Weisner. Williamson hat offen den Holocaust an den Juden geleugnet.

Die Kirchenvolksbewegung fordert von den Traditionalisten die volle Anerkennung der Beschlüsse des II. Vatikanischen Konzils. „Es kann nicht sein, dass eine Splittergruppe versucht, den Vatikan derart unter Druck zu setzen“, sagte Weisner. „Wir sind Kirche“ sieht in der Krise aber auch eine Chance. „Die Positionen und Absichten der Pius-Priesterbruderschaft sind jetzt sehr deutlich geworden“, erläuterte Weisner. Er sprach von einem innerkirchlichen Klärungsprozess. „Der Papst hat die Hände zur Versöhnung ausgestreckt“, sagte Weisner. „Wenn die Versöhnung aber nicht möglich ist, muss man auch auseinandergehen können.“

Ausdrücklich stellte sich „Wir sind Kirche“ hinter eine Petition zahlreicher deutschsprachiger Theologen zur uneingeschränkten Anerkennung der Beschlüsse des II. Vatikanischen Konzils von 1962 bis 1965. In der Petition wird die Rücknahme der Exkommunikationen als „Rückwärtswendung“ gewertet, die „die Rückkehr von Teilen der römisch-katholischen Kirche in eine antimodernistische Exklave befürchten lässt“. Bei allem Respekt vor dem Bemühen des Papstes um die Einheit der Kirche „erscheint es uns besonders empörend, dass das erneute Zugehen des Vatikans auf die schismatische Traditionalistenbewegung offenbar ohne jede Vorbedingung erfolgt ist“, heißt es in dem Papier weiter.

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