Windkraft-Investoren aus Mecklenburg zeigen Interesse an der Alb

Lesedauer: 5 Min
Schwäbische Zeitung
Vera Romeu

Im Mittelpunkt der Sitzung des Gemeindeverwaltungsverbands Laucherttal hat der Tagesordnungspunkt „Fortschreibung des Flächennutzungsplans wegen Windenergienutzung“ gestanden. Ihr Schärflein dazu beigetragen hat auch Kettenacker Bürgerinitiative „Für Mensch und Natur“. 20 Bürger betraten speziell bei diesem Tagesordnungspunkt den Sitzungssaal, rollten ein Transparent aus und hörten sich wortlos den Bericht über den aktuellen Verfahrensstand von Bürgermeister Holger Jerg an.

Ziel sei nun, so der Bürgermeister, in rund zwei Wochen den Vorentwurf öffentlich auszulegen, damit ihn Bürger einsehen und ihre Bedenken zu den Konzentrationszonen äußern können. Parallel dazu werden die Träger öffentlicher Belange angehört. Dann werden die Anregungen abgewogen und in den Vorentwurf eingearbeitet. „Mit dem Entwurf werden wir in allen Gremien der Ortschaften und Gemeinden des Verwaltungsverbands gehen“, kündigte Jerg an. Er hoffe, den Flächennutzungsplan bis zum Herbst fertigstellen zu können.

Bürgermeister Jerg berichtete, es gebe schon Interessenten aus der Region und sogar aus Mecklenburg, die auf der Alb Windkraftanlagen bauen wollen. „Wir haben sie mit Gesprächen in Zaum halten können“, berichtete er. Es ist bekannt, dass auch die Gammertinger Energie- und Wasserversorgung gemeinsam mit drei größeren Partnern bei Kettenacker vier Windkraftanlagen errichten möchte.

Jerg sprach sein Verständnis für die Kettenacker Bürger aus: „Der Widerstand gegen Windkraft geistert durch ganz Baden-Württemberg“, sagte Bürgermeister Jerg. In Sigmaringen habe es eine Veranstaltung mit dem Regierungspräsidium gegeben, auch hier sei Arten- und Naturschutz im Mittelpunkt gestanden. „Über Abstände zu Wohngebieten gibt es nichts Neues“, machte der Bürgermeister deutlich. Außerdem sagte er, dass für Windmessmasten neben der Baugenehmigung auch ein Umweltgutachten notwendig sein werde.

Bürgermeister Jerg sagte: „Politiker und Bürger wollen die Energiewende schnell herbeiführen, die erneuerbaren Energien sollen positiv positioniert werden. Und wir bekommen an der Basis Prügel für das, was oben nicht ausgegoren ist.“ Auch Bürgermeister Jürgen Beck machte seinem Ärger Luft: „Durch die Gemeinden geht ein Riss: Manche verdienen an der Windkraft, andere müssen sie erdulden.“ Für Kommunalpolitiker sei die Situation unangenehm: „Wir haben ein Gesetz umzusetzen, das unsere Bürger nicht befriedigt. Ich habe Verständnis für Sie“, sagte Bürgermeiste Beck zu den Kettenacker Bürgern.

Die Bürger rollten ihr Transparent wieder ein und verließen den Sitzungsraum, als der nächste Tagesordnungspunkt aufgerufen wurde. Draußen erklärten sie gegenüber der SZ: „Wir wollen bei jeder Sauerei, die die Windkraft betrifft, präsent sein.“ Sie gaben Bürgermeister Beck recht: „In den Vereinen wirkt es sich jetzt schon aus: Sie verrecken“, sagte einer der Bürger und erklärte seine Aussage: Manche Vereinsmitglieder seien für die Windkraft, andere dagegen, manche stehen dazwischen. Der Zusammenhalt innerhalb der Vereine schwinde. „Wir sind nicht gegen Windkraft, wir fordern aber einen größeren Abstand der Windkraftanlage zu den Wohngebieten“, sagten die Bürger.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen