Wilhelmsdorf schafft keine Luftfilteranlagen an

Die Klassenräume in den Wilhelmsdorfer Schulen, hier die Otto-Lilienthal-Realschule, und die Zimmer in den Kindergärten werden n
Die Klassenräume in den Wilhelmsdorfer Schulen, hier die Otto-Lilienthal-Realschule, und die Zimmer in den Kindergärten werden nicht mit Luftfilteranlagen ausgestattet. Die Gemeinde setzt vielmehr auf intensives Lüften und ein umfangreiches Testprogramm. (Foto: Herbert Guth)
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Wilhelmsdorf (hegu) - Diese Entscheidungen des Wilhelmsdorfer Gemeinderats in einer vorgezogenen Sitzung stießen nicht bei allen Eltern und Lehrern auf Zustimmung. Beschlossen wurde, dass in den Kindergärten der Gemeinde und den Schulen keine Luftfilteranlagen eingesetzt werden. Außerdem wird auf den Einsatz von sogenannten CO2-Ampeln verzichtet. Diese können den Gehalt von Kohlendioxid in der Luft der Klassenzimmer anzeigen und zum Lüften anregen. Fortgesetzt wird an den Schulen und Kindergärten weiterhin das bisher bewährte Pooling-Testverfahren. Dabei werden Speichelproben von über zehn Kindern gesammelt und anschließend untersucht. Sollte dabei eine Corona-Infektion festgestellt werden, wird im Anschluss für alle betroffenen Schüler ein aussagekräftiger Corona-Test veranlasst.

Dem Gemeinderat lag für seine Entscheidungsfindung eine knapp vierseitige Vorlage für die Beschlussfassung vor. Die Gründe für die Beschlüsse erläuterte dann Bürgermeisterin Sandra Flucht in einem ausführlichen Schreiben an die Eltern. Von deren Seite war in den Tagen und Wochen zuvor die Forderung nach der Beschaffung von Filteranlagen an die Gemeindeverwaltung herangetragen worden. Vor dem Gemeinderat warb die Bürgermeisterin für ausreichendes Belüften der Klassenzimmer. „Lüften ist durch nichts zu ersetzen“, ist sie überzeugt und sieht sich durch wissenschaftliche Studien dazu bestätigt. In den Sitzungen des Gemeinderats wird mit gutem Beispiel vorangegangen. Alle 20 Minuten schreiten zwei Räte zur Tat und öffnen für fünf Minuten die Türen des Bürgersaals.

Wörtlich heißt es zur Entscheidungsfindung: „Wir haben alle Informationen gemeinsam mit dem Gemeinderat sorgfältig geprüft und gewertet. Für unsere Entscheidung orientierten wir uns an den herrschenden wissenschaftlichen Meinungen, die uns im Wesentlichen vom Gemeindetag sowie dem Bundesumweltamt vorlagen.“ Dabei wurde auch beachtet, dass Bundes- und Landesregierungen zwei Förderprogramme aufgelegt haben, wonach mobile Luftfilteranlagen gefördert werden können. Bei der Bewertung der Fördermöglichkeiten stellte sich heraus, dass es für die Geräte lediglich Zuschüsse für Räume gibt, die nur eingeschränkt gelüftet werden können. Die Untersuchung vor Ort führte zu folgendem Ergebnis: „Da alle Räume, die in unseren Einrichtungen genutzt werden, gut über Fenster gelüftet werden können, scheidet eine Förderung hierfür aus.“ Zur Einordnung: In der Gemeinde müssten alleine an der Grundschule, Realschule und Gymnasium 50 Klassenräume sowie zahlreiche weitere Fachräume mit Filteranlagen ausgestattet werden. Dazu kommen 14 Kindergartengruppen mit den jeweiligen Nebenräumen. Ohne Fördergelder wären solche Investitionen für die finanziell klamme Gemeinde nicht zu stemmen, waren sich die Kommunalpolitiker einig.

Im Schreiben an die Eltern heißt es im Hinblick auf die kommenden Wochen und Monate: „Zum Schutz der Kinder werden in erster Linie auch nach den Ferien weiterhin die bewährten Mittel der letzten anderthalb Jahre dienen: Testen, Masken tragen, lüften!“ Danach will die Gemeinde das Pooling-Testverfahren fortsetzen. Dies auch vor dem Hintergrund, dass die Kosten dafür nicht komplett vom Land zurückerstattet werden. Der große Vorteil des Verfahrens sei, dass diese hochsensiblen Tests auch schon auf kleine Viruslasten anspringen und deshalb sehr schnell auf Infektionen innerhalb einer Gruppe reagiert werden kann.

Bürgermeisterin Sandra Flucht verspricht Eltern, Erziehern und Lehrern in ihrem Schreiben: „Das Anliegen der Gemeinde Wilhelmsdorf ist es, die Gesundheit der Kinder und der Erzieher zu schützen und die schnellstmögliche Eindämmung der Infektion zu gewährleisten. Aus diesem Grund sollen die anfallenden Kosten (bei den Testverfahren) auch keine entscheidende Rolle bei der Entscheidungsfindung spielen.“

Zur Einordnung der Kosten: Im zweiten Quartal 2021 sind von der Gemeinde für die Durchführung der Pooltests insgesamt 86 280 Euro für Testungen der Schüler an den Wilhelmsdorfer Schulen angefallen. Dazu kamen knapp 10 000 Euro für die Tests in den sechs Kindertageseinrichtungen sowohl in eigener als auch freier Trägerschaft.

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