Wie werde ich...? Vertriebsingenieur

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Deutsche Presse-Agentur

Windräder oder Druckmaschinen zu bauen, ist die eine Sache - sie zu verkaufen, eine andere. Bei Maschinen besonders für die Großindustrie möchten Kunden oft individuelle Lösungen.

Verlangt der Auftraggeber also ein Windkraftrad für den Betrieb in der Ostsee mit zusätzlichen technischen Komponenten, kommt der Vertriebsingenieur zum Einsatz. Durch seine Ausbildung bringt er das nötige Verhandlungsgeschick eines Verkäufers mit, außerdem versteht er durch seine technischen Kenntnisse die Wünsche des Auftraggebers.

„Vertriebsingenieure sind die Menschen, die technische Produkte verkaufen, zum Beispiel Messgeräte, Computer oder Kraftwerke“, erklärt Hinrich Mewes, Dekan der Fakultät Ingenieurswissenschaften der Fachhochschule Aschaffenburg. „Die braucht man, weil technische Anlagen sehr komplex sind und sehr erklärungsbedürftig.“

Ingenieure im Vertrieb sind auch verantwortlich für das Management von Kundenbeziehungen: „Im Auftrag ihrer Unternehmen pflegen sie Geschäftsbeziehungen zu Kundenunternehmen oder stellen Beziehungen zu neuen Kundenunternehmen her“, erläutert Dieter Moll vom Verein der Deutschen Ingenieure (VDI) in Düsseldorf. Für den Arbeitsort eines Vertriebsingenieurs bedeutet das: Er kann sowohl im In- als auch im Ausland eingesetzt werden.

Dabei sind die Experten nicht auf einen Industriezweig festgelegt. „Vertriebsingenieure findet man in allen Branchen, die erklärungsbedürftige technische Produkte und Dienstleistungen vermarkten“, sagt Moll. Dazu gehörten zum Beispiel der Maschinen- und Anlagenbau, die Informations- und Telekommunikationstechnik, die Energie- und Umwelttechnik sowie die Medizintechnik.

Wer diesen Job ausüben will, kommt nicht um ein Studium herum, zum Beispiel an der Fachhochschule Kiel. Beim Studiengang Internationales Vertriebs- und Einkaufsingenieurwesen würden sich die Studenten zu 50 Prozent mit technischen Themen befassen, die anderen 50 Prozent nehme die Betriebswirtschaftslehre ein, erklärt Studienfachberater Rainer Geisler. Mit dem Bachelor hat man nach einer Regelstudienzeit von drei Jahren einen international anerkannten Berufsabschluss.

Nach Geislers Einschätzung sind Vertriebsingenieure derzeit genauso gesucht wie andere Ingenieure. Dies spiegele sich auch beim Gehalt wieder. „Unsere Absolventen verdienen genauso viel wie ihre rein technischen Kollegen, und die Bachelor-Absolventen sind vom Gehalt mit ihren Diplom-Kollegen gleich auf.“ Mit 35 000 bis 40 000 Euro brutto im Jahr könnten Berufseinsteiger am Anfang rechnen, sagt Mewes. Wer dann möglichst viele Produkte seines Unternehmens gewinnbringend verkaufen kann, dürfe auf Erfolgsprämien hoffen. „20 Prozent des Gehalts sind variabel.“

Informationen: Verein Deutscher Ingenieure, Postfach 101139, 40002 Düsseldorf, E-Mail: kundencenter@vdi.de

Verein Deutscher Ingenieure: www.vdi.de

Institut für Internationales Vertriebs- und Einkaufsingenieurwesen Kiel: www.ive-online.de

Hochschule Aschaffenburg: www.fh-aschaffenburg.de

Englisch, Spanisch, Französisch - Vertriebsingenieure können gar nicht genug Fremdsprachen sprechen, um sich später auch außerhalb Deutschlands zu behaupten. Bereits während des Studiums werde daher Wert auf die Sprachschulung gelegt, sagt Hinrich Mewes, Dekan der Fakultät Ingenieurswissenschaften der Fachhochschule Aschaffenburg. „Sprachen sind wichtig, weil der technische Vertrieb oft mit internationalen Kunden geschieht.“ Zudem sollten die Experten ein Händchen für den Umgang mit Menschen haben. „Eine gewisse Extrovertiertheit ist hier wichtig.“ Liebe zur Technik, Zahlenaffinität und Reiselust schaden in dem Beruf ebenfalls nicht.

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