Wie werde ich...Steuerberater?

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Deutsche Presse-Agentur

Wenn Michael Laufenberg aktuelle Ausgaben steuerrechtlicher Fachzeitschriften sucht, wird er meist auf dem Schreibtisch seiner jungen Kollegen fündig.

„Die horten die Magazine, weil sie den Ehrgeiz haben, noch alles zu lesen“, sagt der Kölner Steuerberater und Wirtschaftsprüfer. „Aber das geht gar nicht, die Flut ist nicht zu bewältigen.“ So spricht einer, der in mehr als 20 Jahren Berufspraxis schon viele neue Steuergesetze hat kommen sehen. „Man muss sich auf einzelne Zielgruppen oder auf bestimmte Gebiete wie Einkommenssteuer oder internationales Steuerrecht spezialisieren“, lautet Laufenbergs Fazit.

Bei ihm selbst ist es die private Vermögensberatung. Dabei überträgt der Diplom-Kaufmann die Instrumente und Methoden aus der Betreuung von Unternehmen wie Buchführung oder Controlling auf Privathaushalte. Die Mandanten sollen so die Transparenz bekommen, die für Betriebe selbstverständlich ist: „Wo stehst du aktuell, wo willst du hin und warum hast du ein Problem mit dem Geld?“, lauten die Fragen, die Laufenberg seinen Mandanten beantworten will.

Die gesetzlich verankerten Berufspflichten wie Unabhängigkeit, Eigenverantwortlichkeit und Verschwiegenheit machen Steuerberater gerade in schwierigen wirtschaftlichen Zeiten interessant. So zählt die „Beratung in privaten Vermögensangelegenheiten“ bereits zu den wesentlichen Tätigkeitsfeldern der Steuerberater, so das „Leitbild des steuerberatenden Berufs“.

„Steuerberater ist ein krisensicherer Job“, sagt Markus Deutsch, Pressereferent des Deutschen Steuerberaterverbandes in Berlin. Gerade weil sich die Steuerberatung nicht auf die Buchhaltung beschränkt, seien die Freiberufler in Krisenzeiten etwa bei familienrechtlichen Planungen oder Betriebssanierungen gefragt.

Steuerberater sei nur selten ein begehrtes Berufsziel für Abiturienten. „Der Appetit kommt beim Essen“, sagt Markus Deutsch - die Lust auf die Arbeit als Steuerberater entwickeln viele erst in der Praxis. Zur Prüfung können sich beispielsweise Steuerfachangestellte nach zehnjähriger Berufspraxis melden. Steuerfachwirte benötigen eine siebenjährige Berufserfahrung und Betriebswirte oder Juristen zwei Praxisjahre vor der Steuerberaterprüfung.

„Einen Königsweg in den Beruf gibt es nicht“, sagt Harald Grürmann, Präsidialmitglied der Bundessteuerberaterkammer. Allerdings sind es überwiegend Akademiker, die Steuerberater werden. Sich möglichst früh auf betriebswirtschaftliche Steuerlehre zu konzentrieren und während des Studiums Praktika zu machen, lautet der Rat des Aus- und Fortbildungsexperten.

Die bundeseinheitliche Prüfung vor den Landesfinanzministerien gilt als Meilenstein in den Beruf - nur knapp 60 Prozent der Teilnehmer bestehen ihn. Dennoch gibt es keinen Beratermangel: Um bis zu zwei Prozent wächst der Berufsstand jährlich, so die Bundessteuerberaterkammer. Mehr als 80 000 Steuerberater gibt es in Deutschland. Während die kleinen Steuerbüros eher als Allrounder tätig sind, zeigt sich bei den großen Kanzleien der Trend zur Spezialisierung.

Informationen: Die Broschüre „Werden Sie Steuerberater! Werden Sie Steuerberaterin!“ ist erhältlich bei der Bundessteuerberaterkammer, Neue Promenade 4, 10178 Berlin

Broschüre: www.bstbk.de

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