Wie werde ich...? Sportlehrer

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Deutsche Presse-Agentur

Die größte Hürde auf dem Weg zur Sportlehrerin war für Eva Natus das Speerwerfen. „Eva, wir sind hier nicht bei der Gymnastik“, monierte der Prüfer. Leider nicht, bedauerte die Studentin, „Turnen und Tanzen kann ich einfach besser.“

Über ihre Begeisterung für Hip-Hop und Modern Jazz sowie erste Unterrichtserfahrungen in Jugendgruppen ist Eva Natus zu ihrem Berufswunsch Sportlehrerin gekommen.

Schon bei der Aufnahmeprüfung im Department „Sport und Gesundheit“ an der Universität Paderborn musste Natus aber auch zeigen, dass sie sich über Wasser halten oder den Ball pritschen kann. „Die Ausbildung ist nicht ohne“, sagt die 26-Jährige. „Ich habe im Studium 13 unterschiedliche Sportarten absolviert.“

Die Sporteignungsprüfung ist die erste Hürde. Sie ist nicht standardisiert und wird auch nicht überall verlangt, wie einer der Ausbilder von Eva Natus, Prof. Wolf-Dietrich Brettschneider, erklärt. Geprüft werden in Paderborn vier Ballspielarten sowie vier Individualdisziplinen von Turnen bis Schwimmen auf Sportabzeichenniveau. „Die Hälfte der Bewerber schafft die Mindestanforderungen nicht.“

An der Universität Karlsruhe scheitern sogar bis zu 80 Prozent der Bewerber am „Motivationstest für das Sportstudium“, sagt Prof. Klaus Bös, Leiter des Instituts für Sport und Sportwissenschaft. Immerhin schafft die große Mehrheit die Zulassungsprüfung im zweiten Anlauf. Aber damit ist der Studienplatz noch nicht sicher: „Wir haben gut 100 Bewerber auf 30 Studienplätze für das Höhere Lehramt“, sagt Bös.

Alle Kandidaten bewerben sich schriftlich und werden nach sportpraktischen und -theoretischen Vorerfahrungen ausgewählt: „Wer Erzieher gelernt oder Leistungssport gemacht hat und ein gutes Abi mitbringt, hat gute Chancen.“ Im Studium bleibt die Mischung aus Theorie und Praxis erhalten: Die Studenten müssen die Grundsportarten absolvieren und diese in „Modellstunden“ vermitteln können, erläutert Bös. Dazu kommen Didaktik-Seminare und Sporttheorie. Die Aussichten auf eine Stelle nach dem Studium sind gut.

Schulsport hat es allerdings auch nicht einfach: Jede vierte Sportstunde fällt einer Studie zufolge aus. Vor allem in den Grundschulen wird fast die Hälfte der Sportstunden fachfremd unterrichtet. Und selbst viele Sportstudenten haben keine „halbwegs vernünftige sportliche Sozialisation mehr durchlaufen“, bemängelt Ilka Seidel, Vizepräsidentin des Deutschen Sportlehrerverbandes.

Es gebe immer mehr Sportstudenten, die nie im Verein tätig waren, bedauert Seidel, die hauptberuflich Geschäftsführerin des Forschungszentrums für den Schulsport (Foss) in Karlsruhe ist. „Wir brauchen authentische Sportlehrer, die den Sport leben, ihn an Kinder und Jugendliche weitergeben und nicht nur mal ins Fitnessstudio gehen, wenn sie gerade Zeit haben.“

Eva Natus' Zukunft als Sportlehrerin ist jedenfalls schon so gut wie sicher: Zum zweiten Schulhalbjahr 2009 tritt sie eine Stelle an einem Gymnasium in Düsseldorf an. Die schlechte Note im Speerwurf hat sie im Examen übrigens durch sehr gutes Abschneiden im Kugelstoßen ausgeglichen.

Informationen: Deutscher Sportlehrerverband, Bundesgeschäftsstelle, Fortstraße 7, 76829 Landau/Pfalz, E-Mail: info@dslv.de

Deutscher Sportlehrerverband: www.dslv.de

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