Wie werde ich...? Schornsteinfeger

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Deutsche Presse-Agentur

Er ist ein Glückssymbol: Der Schornsteinfeger trägt schließlich dazu bei die Brandgefahr in Häusern zu verringern. Doch der „schwarze Mann“ ist mittlerweile auch ein Experte für Schadstoffemissionen und Energieverbrauch.

„Wer sich für den Beruf entscheidet, muss schwindelfrei sein und über eine gute körperliche Konstitution verfügen“, sagt Holger Bruns, Schornsteinfegermeister in Hamburg. Denn die Beschäftigten der Branche müssen auf Dächern und an hohen Schornsteinen arbeiten. Die Ausbildung dauert drei Jahre und endet mit der Gesellenprüfung. Die Zahl der Schornsteinfeger-Azubis lag zuletzt bei rund 840.

Die Vergütung ist regional unterschiedlich. „Hamburg bezahlt seinen Nachwuchs am besten: 481 Euro gibt es im ersten, 546 Euro im zweiten und 642 Euro im dritten Ausbildungsjahr pro Monat“, erklärt Bruns. Gesellen können anfangs knapp 2800 Euro verdienen. „Der angehende Azubi hat idealerweise einen Realschulabschluss mit guten Noten in Mathematik, Physik und Chemie“, sagt Bezirksschornsteinfegermeister Achim Heckel aus Ulm. Die Azubis messen bereits Abgas- und Verbrennungsrückstände und schreiben Prüfberichte. Vor Ende des zweiten Ausbildungsjahres findet eine Zwischenprüfung statt.

Eine Weiterbildung zum Meister ist möglich, berufsbegleitend in ein bis zwei Jahren. „Der Meistertitel ist zwingend, wenn man einen Betrieb aufmachen will“, sagt Heckel. Nach einer bestimmten Zeit kann man sich dann um einen eigenen Kehrbezirk bewerben.

In Deutschland gibt es nach Angaben von Heckel derzeit knapp 8000 Schornsteinfegerbetriebe mit jeweils einem Kehrbezirk. Sie beschäftigen 18 000 bis 20 000 Fachkräfte, die kontrollieren, ob alle Vorschriften im Brand- und Umweltschutz eingehalten werden. Dazu prüfen sie Schornsteine, Abgasleitungen, Verbindungsstücke und Feuerstätten. Falls notwendig, reinigen sie diese auch.

Verantwortungsbewusstsein und Genauigkeit seien in dem Beruf gefordert, betont Holger Bruns. Schornsteinfeger müssen mögliche Probleme frühzeitig erkennen. Mit Erfolg, wie die Statistik des Bundesverbands erkennen lässt: Danach stellten die Schornsteinfeger innerhalb eines Jahres 1,6 Millionen Mängel an Feueranlagen fest. Diese mussten Fachfirmen dann beheben.

Als noch überwiegend mit Kohle geheizt wurde, war die Arbeit sehr schmutzig. Öl und Gas haben den Rußausstoß verringert. Doch mit der Zunahme der Biobrennstoffe müssen die Heizungsanlagen wieder häufiger vom Fachmann gekehrt werden. „Man freut sich dann nach der Arbeit auf die Dusche“, sagt Heckel. Arbeitskleidung der Schornsteinfeger ist in der Regel der schwarze Kehranzug. „Er besteht aus ölrußfestem, strapazierfähigem Stoff. Leder ist nicht so bequem.“

Seit 1935 hatten die Schornsteinfeger in Deutschland ein Monopol in ihrem Kehrbezirk. Die EU-Kommission hatte deswegen 2003 ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland eingeleitet. Nun ist das Schornsteinfegerwesen reformiert worden. Es können zum Beispiel auch ausländische Kaminkehrer in Deutschland arbeiten. Und ein Bezirksschornsteinfeger behält seinen Kehrbezirk nicht mehr automatisch bis zur Rente.

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