Wie werde ich...? Medizintechnikingenieur

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Deutsche Presse-Agentur

Bei ihren Diagnosen und Therapien greifen Ärzte heute auf hochmoderne Technik zurück. Ultraschallgeräte, Computertomographen und Herzschrittmacher gelten als ebenso selbstverständlich wie die minimalinvasive Chirurgie mit kleinsten Schnitten.

Die Mediziner - und auch Patienten - verdanken diese Hilfen entsprechend ausgebildeten Ingenieuren, die zu unentbehrlichen Mitarbeitern der Heilkunde geworden sind. Der Begriff Medizintechnik umschreibt ein Fachgebiet, dessen Produktbreite sich von Bandagen bis zu Operationsrobotern, von Kontaktlinsen bis zur Lasertechnik erstreckt. „Die Branche wächst, und die Berufsaussichten sind ausgezeichnet“, sagt Tobias Weiler vom Industrieverband für optische, medizinische und mechatronische Technologien (Spectartis) in Berlin.

Die Bezeichnung Ingenieur für Medizintechnik umreißt nur sehr vage die Bandbreite der Aufgaben. „Die Studiengänge, die zu einer Ingenieurtätigkeit im Bereich der Medizintechnik führen, sind vielfältig“, erklärt Ute Morgenstern von der Technischen Universität Dresden, die selbst in Ingenieurswissenschaft promoviert hat. Elektronische Herzschrittmachertechnik und Beatmungstechnik gehören zu ihren Lehr- und Forschungstätigkeiten.

Mögliche Ausbildungswege sind die Qualifikation zum Diplomingenieur auf der Hochschule, der Fachhochschule oder der Berufsakademie sowie zum Bachelor und Master mit der Möglichkeit der Promotion, erläutert Morgenstern. Erforderlich dafür sind in der Regel die Hochschulreife sowie gute Englischkenntnisse zum Verstehen der Fachliteratur.

Nicht für glücklich halten es Kenner der Branche, wenn die Entscheidung für die Medizintechnik nur fällt, weil der Numerus Clausus ein Medizinstudium nicht erlaubt. Damit seien die Betreffenden meist nicht glücklich, sagt Prof. Eckard Uffrecht, Leiter dieses Fachgebiets an der Studienakademie Bautzen. Auch der Medizintechniker Prof. Heinrich Martin Overhoff von der Fachhochschule Gelsenkirchen rät von diesem Weg ab.

„Der Weg zum Medizintechniker ist eine Ingenieurausbildung, die im Grundstudium Fächer wie Mathematik, Elektrotechnik, Informatik, Regelungstechnik und Werkstoffwissenschaften vermittelt“, erklärt Ute Morgenstern. Die Spezialisierung erfolgt nach dem Grundstudium. Mit einem Bachelor-Abschluss plus Zusatzschulung eignen sich die Ingenieure vor allem für den Bereich Vertrieb, Produktmanagement oder Gerätebetreuung.

Der Master-Abschluss führt in Entwicklung, Forschung und Lehre. Deutschland nimmt mit seiner exportorientierten Medizintechnik weltweit einen Spitzenplatz ein und steht nach den USA an zweiter Stelle. Tobias Weiler hält in der mittelständisch geprägten Branche Einstiegsgehälter von mindestens 40 000 Euro pro Jahr für realistisch.   

„Besonders großer Wert wird auf Sicherheit, Ethik und Bedienfreundlichkeit der technischen Lösung durch Nichttechniker gelegt“, sagt Ute Morgenstern. Andreas Herrmann vom Verein Deutscher Ingenieure (VDI) in Düsseldorf weist auf die hohe Anforderung auf Zuverlässigkeit und Genauigkeit in diesem Beruf hin: „Ein Fehler in der Medizintechnik hat lebensgefährliche Konsequenzen.“

Medizintechnik umfasst eine Vielzahl von Wissensgebieten. Bei der Auswahl des Studienortes sollte das beachtet werden: „Jede Hochschule hat ihre Spezialitäten in Forschung und Lehre“, sagt Ute Morgenstern. Die Studienberatungen helfen mit Informationen weiter. So wird Mikromedizin in Freiburg, Medizinische Informatik in Dortmund, Minimalinvasive Chirurgie in Gelsenkirchen, medizinische Optik in Jena und Hörgerätetechnik in Oldenburg gelehrt, um nur einige Beispiele aus der langen Liste der Studienmöglichkeiten zu nennen.

Deutsche Gesellschaft für Biomedizinische Technik: www.dgbmt.de/ausbildung

Während des Medizintechnik-Studiums werden laut Ute Morgenstern von der Technischen Universität Dresden die für den Beruf nötigen medizinischen Grundlagen wie Anatomie oder Physiologie vermittelt. Ein angehender Ingenieur für Medizintechnik sollte auf diesem Gebiet Interesse und keine Scheu vor dem klinischen Arbeitsumfeld haben. Unverzichtbar sei auch, dass er sich in das Problemfeld des Arztes hineindenken kann, Aufbau und Funktionalität des „lebenden Systems Mensch“ versteht und die Schnittstellen Mensch-Technik optimal anpassen kann, sagt die Wissenschaftlerin. Praktika in einer Klinik gehören deshalb zu jeder guten Medizintechnikausbildung.

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