Wie werde ich...Medienkaufmann?

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Deutsche Presse-Agentur

Hinter jedem Publikumserfolg eines Buches, einer CD oder eines Magazins steht auch die Arbeit von Medienkaufleuten. Sie erledigen in Verlagen auf kaufmännischer Seite die dafür notwendigen Arbeiten.

Ihre Aufgaben ähneln denen eines Verlagskaufmanns, das Arbeitsumfeld ist jedoch moderner. „Der Beruf des Medienkaufmanns ist 2006 aus dem des Verlagskaufmanns hervorgegangen“, erläutert Ulrike Schmiedtke vom Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger mit Sitz in Berlin.

Buch- und Multimediaverlage sowie Zeitungs- und Zeitschriftenhäuser bilden Medienkaufleute aus und beschäftigen sie. Ines Schulte aus Düsseldorf ist eine Absolventin des letzten Jahrgangs von Verlagskaufleuten und hat sich bereits umgesehen: „Vor der Bewerbung sollte man genau überlegen, in welche Art Verlag man gehen möchte“, rät die 22-Jährige. Je nach Ausrichtung kommen dort unterschiedliche Aufgaben auf Medienkaufleute zu.

Bei Zeitungen und Magazinen kümmern sich die Fachleute um Marketingkampagnen, die Zustelldienste sowie Abonnements und pflegen den Leserstamm. Auch die Akquise von Anzeigen, das Beauftragen von Werbeagenturen oder Tätigkeiten rund um Marketing und Vertrieb zählen zu ihren Aufgaben. „Man hat vergleichsweise schnell Ergebnisse der eigenen Arbeit in der Hand“, erzählt Ines Schulte.

Eine „andere Welt“ eröffne sich im Buchverlag. Eindrücke wie lange Projektlaufzeiten, „weniger Stress und mehr Tradition“ nahm sie von dort aus einem Praktikum mit. Eine „Lizenz zum Lesen“ gehört zur Branche, weil Medienkaufleute mit dem Lektorat oft die thematische Auswahl von Büchern oder CDs besprechen und Manuskripte sichten, so die Bundesagentur für Arbeit (BA). Telearbeit ist in dem Beruf möglich.

Gespräche zum Beispiel mit Kunden, Autoren und Händlern sowie wirtschaftliches Denken stehen überall auf der Tagesordnung. Bewerber sollten deshalb nicht auf den Mund gefallen sein und Freude am Umgang mit Zahlen haben. „Es ist ein kaufmännischer Beruf“, betont Ulrike Schmiedtke. Anders als der Medien-Designer arbeiten Medienkaufleute nicht den ganzen Tag kreativ. Gute Noten in Deutsch, Mathematik und Wirtschaft gelten als Empfehlung, so das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn.

Laut Bundesarbeitsagentur hatten drei von vier Bewerbern im Jahr 2006 die Hochschulreife. Eine bestimmte Schulbildung ist aber nicht vorgeschrieben. Die duale Ausbildung dauert drei Jahre. Bei guten Ergebnissen kann man, wie Ines Schulte, auf zweieinhalb Jahre verkürzen.

Angehende Mediendesigner lernen Layouts und Print- und Digitalprodukte zu gestalten, Zielgruppen zu analysieren und anzusprechen. Sie kalkulieren Kosten, überwachen Zahlungen und üben wirtschaftliches Handeln. Kenntnisse des Presserechts, des Handels mit Rechten und Lizenzen, der Öffentlichkeitsarbeit und von Marktanalysen runden die Ausbildung ab. Sie endet mit der Prüfung vor einer Industrie- und Handelskammer.

Zusätzliche Ausbildungen können den Weg in international ausgerichtete Unternehmen ebnen. Das Berufskolleg Neuss in Nordrhein-Westfalen bietet Abiturienten einjährige Kurse zum Europakaufmann parallel zum zweiten Ausbildungsjahr an. Nach Angaben der Arbeitsagentur vermittelt zum Beispiel die Industrie- und Handelskammer Aachen ein zweiwöchiges praxisnahes Seminar an einem Londoner College. „Den Kontakt zu vielen Menschen“, schätzt Ines Schulte an ihrem Beruf besonders. Ulrike Schmiedtke sieht für Medienkaufleute außerdem „sehr gute Berufschancen“.

Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger e.V.: www.bdzv.de

Bundesagentur für Arbeit: www.arbeitsagentur.de

Im Jahr 2006 begannen nach den Daten der Bundesagentur für Arbeit 783 angehende Medienkaufleute Digital und Print die Ausbildung. Große Schulen gibt es in Frankfurt/Main, Köln und Hannover. Länderübergreifende Fachklassen für die Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Sachsen-Anhalt sind am Beruflichen Schulzentrum „Gutenbergschule“ Leipzig eingerichtet. Ein Azubi in Westdeutschland verdient zwischen 680 und 820 Euro monatlich. Für Ostdeutschland gibt es keine Angaben. Je nach Bundesland und Branche verdienen ausgebildete Medienkaufleute zwischen 2259 und 2826 Euro im Monat, so das Bayerische Arbeitsministerium.

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