Wie werde ich...? Müller

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Deutsche Presse-Agentur

Fast 780 000 Deutsche heißen Müller - kein Wunder: Den Beruf gab es früher in fast jedem Dorf. Heute arbeiten nur noch 3000 Fachkräfte in diesem Beruf, und sie heißen auch nicht mehr Müller.

Ihr Job nennt sich heute Verfahrenstechnologe in der Mühlen- und Futtermittelwirtschaft. Die Berufsaussichten gelten als gut, Nachwuchs wird in vielen Betrieben gesucht.

Viele Jugendliche hätten ein völlig falsches Bild von der Branche, sagt Elke Matern von der Kampffmeyer Mühlen GmbH in Hamburg. „Sie denken, die Arbeit sei schmutzig und körperlich anstrengend, und der Müller lädt noch die Säcke auf den Esel.“ Mühlen seien heute jedoch moderne Betriebe und besäßen oft 50 oder 60 Meter hohe Silogebäude. Und wo einst Mühlsteine mit solchem Lärm rotierten, dass die Müller taub wurden, arbeiten heute computergesteuerte Mahlwerke.

„Mühlsteine wären heute gar nicht mehr zulässig“, sagt Andreas Bolte, Ausbildungsbeauftragter beim Verband Deutscher Mühlen (VDM) in Bonn. Die Branche hat sich rapide verändert: Laut VDM gab es vor rund 60 Jahren noch 19 000 Mühlen - heute sind es noch 600. „Ganz kleine gibt es kaum noch“, sagt Anja Twietmeyer vom Mühlenbetrieb Weltgold in Weickelsdorf in Sachsen-Anhalt. Dort gibt es 30 Arbeitsplätze - 10 allein für Kraftfahrer, 6 für Müller und derzeit 1 Azubi.

Voraussetzung für die dreijährige Ausbildung ist ein guter Hauptschulabschluss. „Wir erwarten gute Kenntnisse in Mathe, Bio, Chemie und technisches Verständnis“, sagt Elke Matern. „Aber auch Teamfähigkeit und die Bereitschaft zur Schichtarbeit.“

Solide Mathekenntnisse sind unverzichtbar. Denn Mehl ist nicht einfach das, was hinten aus der Mahlwerk rauskommt. Zum einen gibt es viele ganz verschiedene Mehlsorten. „Und schon für ein Weizenmehl Typ 405 werden verschiedene Mehle gemischt“, erklärt Andreas Bolte vom VDM. „Eigenschaften und Qualität müssen dabei gleichbleiben.“ Und zwar das ganze Jahr hindurch - was nicht selbstverständlich ist.

Die Deutschen sind Europameister beim Brotverbrauch - der Bedarf an Mehl ist also gesichert. Spezialmehle gibt es außerdem nicht nur für bestimmte Backwaren - Mehl wird für Pizza oder Ciabatta genauso gebraucht wie für Gummibärchen, Suppen oder manche Arzneimittel.

Auch technische Kenntnisse werden immer wichtiger. Seit 2006 müssen Azubis deshalb auch lernen, mit Computern zu arbeiten. „Bei Störungen müssen sie in der Lage sein, das Problem möglichst zu beheben“, sagt VDM-Experte Bolte.

Eine wichtige Station für Lehrlinge ist auch das Labor, wo die Qualität des Korns bewertet wird. „Von jeder Getreidelieferung wird eine Probe gezogen“, sagt Bolte. Am Anfang der Ausbildung steht der Umgang mit den Rohstoffen im Vordergrund, später das Endprodukt Mehl. Auszubildende müssen den gesamten Prozess kennenlernen.

Sie erhalten je nach Region monatlich 360 bis 586 Euro im ersten Lehrjahr und zwischen 530 bis 830 im dritten. Ausgebildete Müller - Facharbeiter Tarifgruppe I - können nach VDM-Angaben mit einem Lohn zwischen 1600 und 2400 Euro rechnen. Die Berufsperspektiven gelten als gut: „Wir können fast garantieren, dass Gesellen eine Anstellung finden“, sagt Bolte. „Und das wird auch nicht anders werden.“

Informationen: Verband Deutscher Mühlen, Beueler Bahnhofsplatz 18, 53225 Bonn; E-Mail: vdm@muehlen.org.

Infos zum Ausbildungsberuf Müller: www.muehlen.org/muellerberuf.pdf

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