Wie werde ich...? Kriminalkommissar

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Deutsche Presse-Agentur

Wenn Axel Prahl oder Simone Thomalla als Kriminalkommissare im „Tatort“ ermitteln, schauen ihnen Millionen von Fernsehzuschauern gebannt dabei zu.

„Viele denken da gleich an Krimis aus dem Fernsehen - die Realität sieht natürlich etwas anders aus“, sagt Roland Mattern vom Bereitschaftspolizeipräsidium Baden-Württemberg in Göppingen, der sich dort um die Nachwuchswerbung kümmert. „Man ist eben nicht ständig draußen unterwegs, wo es rumst und kracht.“ Stattdessen müssten Kriminalkommissare auch viel am Schreibtisch arbeiten.

Wer ein neuer Schimanski werden will, sollte daher besser zum Film als zur Polizei gehen. Denn zum einen sind in der Polizeiarbeit keine Einzelgänger, sondern Teamplayer gefragt. „Und man macht natürlich auch nicht ständig irre spannende Undercover-Ermittlungen oder bringt Täter in Verhören zum Geständnis“, sagt Michael Stammen, Leiter des Einstellungsbüros der Berliner Polizei.

Polizei ist Ländersache - daher sei die Ausbildung unterschiedlich geregelt, erklärt Hartmut Brenneisen von der Polizeifachhochschule Schleswig-Holstein in Altenholz. Bewerber müssten sich also gut überlegen, wo sie ihre Unterlagen einreichen, rät der Sprecher der Fachbereichsleiterkonferenz der Polizeihochschulen. Während in einigen Bundesländern Kriminalkommissaranwärter für den gehobenen Dienst von Anfang an getrennt ausgebildet werden, gibt es in anderen Ländern zu Beginn eine Einheitsausbildung mit der Schutzpolizei.

Das Studium an einer der Polizeihochschulen dauert in der Regel drei Jahre, vielerorts gibt es als Abschluss inzwischen einen Bachelor. In Baden-Württemberg und Sachsen muss noch eine mehrmonatige Vorausbildung absolviert werden. Im Studium lernen Polizeianwärter vor allem Paragrafen und wie man sie durchsetzt - auch Psychologie sei dabei ein Thema, erläutert Michael Stammen.

Bewerber müssen strenge Anforderungen erfüllen. So wird zum einen die Fachhochschulreife verlangt. Auch gibt es eine Altersgrenze, die meist bei 31 oder 32 Jahren liegt. Daneben dürfen die Kandidaten auch nicht zu klein oder zu übergewichtig sein: In Nordrhein-Westfalen zum Beispiel müssen männliche Polizeianwärter mindestens 1,65 Meter und ihre weiblichen Kollegen mindestens 1,60 Meter groß sein.

Bewerber müssen außerdem eine Aufnahmeprüfung bestehen: Sie umfasst neben einem Intelligenztest auch eine schriftliche Prüfung. „Die meisten fallen dabei im Diktat durch, weil ihr Deutsch zu schlecht ist“, sagt Polizeihauptkommissar Stammen. Außerdem wird die Fitness vom Arzt geprüft - meist in Kombination mit einem Sporttest.

Die Plätze sind in der Regel heiß begehrt: In Schleswig-Holstein etwa bewerben sich jährlich rund 3000 Menschen auf 140 Plätze bei der Polizei, erzählt Brenneisen. Die Jobchancen seien in den kommenden Jahren aber gut, auch wegen sinkender Schulabgängerzahlen. Während der Ausbildung verdienen Kommissaranwärter zwischen 800 und rund 1000 Euro im Monat. Danach werden sie nach den Besoldungsstufen für den Öffentlichen Dienst A9 bis A13 bezahlt. Nach Angaben der Polizei in Nordrhein-Westfalen kann ein lediger Polizeikommissar beim Berufsstart mit knapp 2200 Euro brutto rechnen.

Selbsttest der Polizei NRW: www.polizei-nrw.de/polizeiberuf/Bewerbung/selbsttest

Für eine Polizeiausbildung in den jeweiligen Bundesländern können sich Anwärter aus allen Regionen bewerben. Sie müssen nur bedenken, dass sie zunächst auch darauf festgelegt sind, in dem Bundesland zu arbeiten, in dem sie ihre Ausbildung machen. „Ein Wechsel in ein anderes Bundesland ist nur möglich, wenn man einen gleichrangigen Tauschpartner hat“, sagt Polizeihauptkommissar Michael Stammen aus Berlin. „Und der findet sich nicht immer so leicht.“

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