Wer noch Hunger hat, kann Beilagen essen

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Das Hähnchen Cordon bleu ging schon nach der ersten Runde fast zur Neige. Das sei durchaus so gewollt, sagt Hildegard Braubach, eine der vielen Helferinnen, die sich bei Kernzeitbetreuung und Hausaufgabenhilfe abwechseln. Wer noch Hunger hat, soll sich an den Beilagen oder am Salat satt essen und nicht am Fleisch. Die Ernährungsberaterin stimmt zu: Ein sieben- bis neunjähriges Kind sollte nicht mehr als 65 Gramm Fleisch pro Mittagsmahlzeit bekommen. In den Industrieländern werde eher zu viel Fleisch gegessen, was wegen der gesättigten Fette ungünstig sei.

Zusammen mit dem gut gewürzten, schmackhaften Geflügeljus füllt ein Nachschlag Kartoffelbrei jeden hungrigen Magen. Der Koch hat an diesem Tag den Geschmack der Erst- bis Viertklässler voll getroffen: Die Reste, die beim Abräumen noch auf den Tellern sind, würden zusammen locker in einen kleinen Kaffeefilter passen. Eigentlich müsste es vier Wochen lang schönes Wetter geben.

Regionaler Anbieter favorisiert

Die Atmosphäre im Speisezimmer, das nach Abräumen und -wischen als Spiel- und Hausaufgabenraum dient, ist freundlich und familiär. Die Betreuerinnen kennen jedes Kind mit Namen und seine Besonderheiten: Einem Kurdenjungen, der kein Schweinefleisch essen darf, wird bei jeder Mahlzeit erklärt, was er essen darf, Rücksicht genommen wird auch auf ein Kind mit einer Lebensmittelallergie.

Ernährungsberaterin Claudia Zahn freut sich am Salat: Der ist bunt, knackig und die Cocktailsoße kindgerecht süß. Bis auf wenige Ausnahmen lassen sich alle Kinder ein Schälchen Grünzeug schöpfen. Das Hähnchen Cordon bleu ist schmackhaft gewürzt, das Fleisch zart, nur die Panade findet nicht rückhaltlos Zustimmung: „Die fand ich etwas zu dick.“

Und: „Das Essen hätte heißer sein können.“ Gekocht wird in Konstanz, der Transportweg in Warmhalteboxen nach Bermatingen dauert recht lange, was weder den Vitaminen noch der Konsistenz der Speisen besonders gut tue. Claudia Zahn würde einen regionalen Anbieter vorziehen. Der Bermatinger Kindergarten bezieht das Essen schon seit Jahren aus Konstanz. „Die Erzieherinnen sind damit sehr zufrieden“, sagt Hauptamtsleiter Ralf Ulbrich. Deshalb hat die Gemeinde auch den Auftrag für das Schulessen an den „Zaubertopf“ vergeben. Netter Nebeneffekt: Damit unterstützt Bermatingen den paritätischen Wohlfahrtsverband, zu dem der „Zaubertopf“ gehört.

Ein Wort zum Nachtisch: Mandarinenkompott stand gestern auf dem Speiseplan. Normalerweise kommt die Süße aber nicht aus der Dose. Die Betreuerinnen richten den Kindern Obst mundgerecht her. „Dadurch essen sie es lieber“, sagt Hildegard Braubach. Sie und ihre Kolleginnen treffen beim Mittagstisch auch die tägliche Entscheidung zwischen Vegi-Gericht und Fleisch. In der Regel gibt es beides zweimal die Woche. Fisch fehlt ganz. Das hat seinen Grund: Der Zaubertopf bietet ihn nur freitags an – der einzige Tag, an dem es keine Betreuung gibt. Mit dem Lieblingsessen der Kinder könnte Fisch ohnehin nicht mithalten: Brezelbratwurst – Bratwürste geformt wie kleine Brezeln. Hört sich aber auch lecker an!

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